Wenn man dachte, dass Filmen mit einer Horde an durchgeknallten Charakteren die Ideen ausgegangen sind, hat Martin McDonagh im Jahr 2012 mit 'Sieben Psychopathen' den ultimativen Trumpf ausgespielt. Dieser Film ist mehr als nur eine schwarze Komödie - er zeigt, dass Genialität durch gezielte Übertreibung und den Einsatz derben Humors entsteht. McDonagh, der als Schöpfer tiefgründiger Theaterstücke bekannt ist, bringt hier eine Geschichte über einen unglücklichen Drehbuchautoren, gespielt von Colin Farrell, der ungewollt in die krumme Welt eines Hundekidnappings gerät. Diese bizarre, fast schon groteske Handlung entfaltet sich in Los Angeles, einem Hotspot exzentrischer Persönlichkeiten. Doch warum sollte die politische Rechte sich für so einen Film interessieren?
Der Plot beginnt mit Marty, einem irischen Drehbuchautor in Los Angeles, der unter Schreibblockaden leidet. Ihm zur Seite steht sein ebenso chaotischer wie loyaler Freund Billy (überragend verkörpert von Sam Rockwell), dessen krimineller Drang zur Entführung von Hunden den Stein ins Rollen bringt. Christopher Walken und Woody Harrelson ergänzen das Ensemble perfekt und verleihen dem Film eine faszinierend absurde Note.
Politisch betrachtet unterzieht 'Sieben Psychopathen' viele linke Ideale einer süffisanten Prüfung. Der Film deckt schonungslos die Absurditäten moderner Mythen auf, die die ideologische Linke zu verteidigen versucht. Sei es durch die Darstellung der vermeintlichen Friedfertigkeit oder der Lüge über die harmlosen Exzentrismen städtischer Welten - McDonagh hält uns einen Spiegel vor, ohne dramatisch zu belehren.
Was McDonaghs Film in der Theorie darüber hinaus faszinierend macht, ist die Art und Weise, wie er moralische Ambivalenz und Gewalt als eine unabdingbare Realität des menschlichen Daseins porträtiert. Solche Themen sind in der liberalen Meinungsmache oft ein Tabu, da sie mit einer unangenehmen Wahrheit konfrontieren: Die Natur des Menschseins ist nun einmal nicht immer eine reine und schon gar keine, die der politischen Korrektheit folgt. Der Film spielt mit der Vorstellung, dass Chaos mit einer Prise Anarchie manchmal die ehrlichste Darstellung glanzpolierter Oberflächen ist.
McDonagh versteht es, tiefenpsychologische Aspekte unserer Zivilisation humorvoll zu sezieren. 'Sieben Psychopathen' regt dazu an, die Rolle von Extremen zu hinterfragen und wirft doch gleichzeitig einen scharfsinnigen Blick auf die Beziehungen innerhalb verzerrter Machtstrukturen. Diese Perspektive ist es, die einen Film derart einzigartig macht und eine konservative Klientel anspricht, die Authentizität und Direktheit in einer von Heuchlern gesättigten Welt vermissen.
Der Kontrast zwischen den psychopatischen Protagonisten und den vermeintlichen 'Normalos' zeigt, wie sehr die Existenz solcher Zustände in der Tiefe unseres Seins verankert ist. Man könnte argumentieren, dass die 'Psychopathen' ein Abbild alltäglicher Menschen sind, die sich in einem System bewegen, das ihnen Gebühren und Regeln abverlangt, die nicht immer für das Wohl des Einzelnen gemacht sind.
Abgetrennt vom Mainstream des typischen Hollywood-Glitters, spielt der Film in überspitzten Bildern mit dem Verlangen nach Freiheit von gesellschaftlicher Kontrolle. Wer also auf der Suche nach cineastischer Tiefe ist und gleichzeitig die Nase voll hat von den immergleichen Moralphilosophien, wird bei 'Sieben Psychopathen' fündig. Was bleibt, ist eine gewitzte Abhandlung über das zwischenmenschliche Chaos und dessen inneren Mechanismen, mit denen wir alle irgendwo unseren Frieden schließen müssen.
'Sieben Psychopathen' hält uns einen Spiegel vor, dessen Reflexion so verzerrt wirken könnte, dass die Wahrheit dieser Komödie einem Test unserer Akzeptanzfähigkeit gleicht. Wem Film am Herzen liegt und Zeitgeist nicht durch utopische Träume definiert, sondern durch greifbare, spannende Konstellationen, wird diese von McDonagh geschaffene Geschichte als das schätzen, was sie ist: Ein antikultureller Gipfel der Brillanz.