Seetangwälder sind die neuen Regenwälder der Meere, die vor unseren Küsten wuchern, und sie haben das Potenzial, das Klima zu retten. Aber wer hätte gedacht, dass eine Pflanze, die aussieht wie eine glitschige Ladung Spaghetti, so wichtig sein könnte? Diese riesigen, üppigen Wälder aus Algen wachsen in den kalten Gewässern der Ozeane, von denen Kalifornien bis Norwegen an der entgegengesetzten Seite der nörlichen Hemisphäre betroffen ist. Sie existieren seit Millionen von Jahren und bieten sowohl Lebensraum für zahlreiche Meeresbewohner als auch eine Lösung für unsere Kohlenstoffproblematik.
Natürlich sind solche Themen ein gefundenes Fressen für Umweltschützer und diverse NGOs, die sich wie die Helden der Neuzeit fühlen. Sie rennen voran mit neuen Vorschlägen darüber, wie wir unseren Planeten retten könnten – oder eher, wie wir endlos weiter in diese Richtung gehen sollten, ohne wirklich mal das große Ganze kritisch zu hinterfragen. Seetang ist das neue Wunderkind. Man kann es essen, Materialien daraus herstellen, oder es zur Biomasse nutzen. Verwender finden zudem heraus, dass sie Mikroplastik im Meer binden und Kohlenstoff aufnehmen können wie ein gutes Steak den Geschmack. Aber der Unterschied zwischen einem gut gebratenen Steak und einer schlecht durchdachten politischen Agenda ist enorm.
Warum sollte uns ein weiteres grünes Projekt interessieren – der Seetangwald? Er bietet eine vermeintlich einfache Lösung für die Umweltprobleme. Einige wollen wieder mal das große Rad für die Förderung ihres grünen Aktivismus erfinden. Der dabei ignorierte Faktor ist der wirtschaftliche. Ja, energetisch liegt in Seetang Potenzial - aber nur, wenn man ihn rentabel anbauen und nutzen kann. Wie viele Projekte wurden schon gestartet und dann über Monate oder Jahre hinweg mit Steuergeldern betrieben, nur um letztendlich doch einzustellen, weil sie sich einfach nicht rentierten?
Heutzutage ist der Seetang schon längst kein Geheimtipp mehr. Weltweite gastronomische Trends heben den vollaromatischen Meeresgeschmack hervor. Kulinarische Events von Südamerika bis Japan feiern die Algen als Delikatesse. Auf den Tisch eines 5-Sterne-Restaurants kann er schnell als Teuerung für Suppen oder Salate gelangen. Dieses Geschäftsmodell, das im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Wellen schwimmt, bringt eine Symbolik mit, die sich perfekt für die Inszenierung eignet.
Einige Möchtegern-Retter der Erde sehen in den Seetangwäldern weltweit verteilte Wundermittel. Doch am Ende des Tages bleibt die Frage, warum jedes ökologische Pflanze oder Tier plötzlich die Antwort für all unsere Sünden zu sein scheint? Nehmen wir den Seetang und pflanzen riesige Unterwasserhaine, ohne den tatsächlichen Effekt am künftigen Ökogleichgewicht zu kalkulieren? Eine schöne Idee, wenn man ausschließlich ins emotionale Horn blasen möchte.
Selbst die Frage, ob Seetang als Biotreibstoff genutzt werden kann, wird fleißig untersucht – begrüßenswert, wenn es denn funktioniert! Aber erinnern wir uns an die vergangene Euphorie um den Mais-basierter Treibstoff, der noch nicht zur signifikanten Ersparnis führte, außer in die Taschen gewisser Interessensgruppen? So schön der Seetang auch wachsen kann, rapide Wirtschaftseffekte ohne ernsthaften Aufwand bleiben Impulskäufe einer in den meisten Fällen theoretischen Energiewende.
Braucht es wirklich weltweit Projekte, um zu verdeutlichen, dass manche Ressourcen Kooperationen benötigen? Seetang gedeiht idealerweise beruhigt in kühlen Gewässern, geschützt vor extensiver Nutzung und Missbrauch. Da aber der Mensch gerne in natürlichem Konkurrenzdenken blüht, könnte man darauf wetten, dass verschiedene Mächte in der Frage um abgesteckte Reviere und Einflusssphären ihre Positionen klären werden. Bereits jetzt sieht man in den Medien, wie globale Power-Player sich in Position darüber debattieren, wer die stärksten Argumente für seine Idee hat.
Erkennt man den Nutzen, mag er sich für die Umwelt und die Zukunft als relevant erweisen; das Maß an Effizienz und Rentabilität bleibt hierbei ungewiss. Die Frage, ob eine echte nachhaltige Zukunft aufgebaut werden kann, ohne auf endlose Subventionen und Hoffnungen zu setzen, bleibt immer noch eine Brücke, die gebaut werden muss. Bleibt abzuwarten, ob wir am Ende des Weges Lahmen sehen, wie Liberale weiterhin voranschreiten und den aktuellen Enthusiasmus aufrechterhalten können.