Warum Sechs Fliegende Drachen mehr als nur eine Serie ist

Warum Sechs Fliegende Drachen mehr als nur eine Serie ist

'Sechs Fliegende Drachen' ist ein packendes südkoreanisches Drama aus dem Jahr 2015 über die politische und gesellschaftliche Umwälzung im Korea des 14. Jahrhunderts.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Antwortet jemand mit einem flexiblen Hirn auf den Aufruf nach packendem Drama in historischer Manier, landet er bei 'Sechs Fliegende Drachen'. Diese südkoreanische Serie, erstellt von Kim Young-hyun und Park Sang-yeon, die bereits im Jahr 2015 das erste Mal ihren Weg auf die Bildschirme fand, spielt im Korea des 14. Jahrhunderts, einer Zeit des Wandels und der politischen Umwälzungen. Mit 50 Episode weht das historische Spektakel den staubigen Mantel altbekannter Serienformate gehörig frei und erreicht auch heute noch international Anklang.

Geht doch kaum besser, als in einem packenden Geschichtsszenario abzutauchen, das nicht nur auf Action und Intrigen setzt, sondern auch die Dynamik zwischen Macht und Moral kunstvoll inszeniert. Der Zuschauer begegnet Charakteren, die nicht zwischen gut und böse passen. Es sind Menschen mit ehrgeizigen Zielen und zerbrechlichen Seiten, die jedoch selten in der übertrieben harmlosen Art der liberalen Geschichtsschreibung dargestellt werden.

'Sechs Fliegende Drachen' punktet mit einer packenden Erzählweise, die hier und da mit historischen Figuren hantiert, jedoch nie den Fehler macht, der Political Correctness blind zu folgen. Der Protagonist Lee Bang-won ist ein Kompendium aus Ehrgeiz, Genialität und moralischer Zweideutigkeit. Während der Entstehung der Joseon-Dynastie mischt er die politische Landschaft auf und stellt etablierte Normen in Frage.

Die Serie entfaltet ihre größte Stärke durch die Leidenschaft für detailgetreue Kostüme und Kulissen, die dem Zuschauer ein Gefühl für die Zeit und den Ort ermöglichen. Hier pausieren die sonst im Vordergrund fröhlich marschierenden guten Tugenden, um das wahre Gesicht der Politik zu zeigen: kompromisslos und gefährlich, ein wenig wie die Realität in manchen Hauptstädten dieser Welt.

Betrachtet man die Thematiken, die diese Serie adressiert, so könnte so mancher denken, südkoreanische Serie würden in einem freien politischen Raum zu weit gehen. Doch was 'Sechs Fliegende Drachen' auf exzellente Weise gelingt, ist der Spagat zwischen glaubhafter Fiktion und historischer Realität. Der Zuschauer wird in die Epoche der späten Goryeo-Dynastie geworfen, beobachtet brutale Kämpfe, monumentale Intrigen und den unaufhaltsamen Vorwärtsgang der Geschichte unter einer neuen Dynastie.

Das wirft die Frage auf, warum dies in einer deutlicheren Politik des Fernsehens nicht viel öfter Glanzlichter schlägt. Statt sich mit Seifenopern und moralischen Appetithappen zufriedenzugeben, transportiert 'Sechs Fliegende Drachen' den Zuschauer mitten in eine Welt, in der der Klassenkampf unter gänzlich anderen Vorzeichen tobt. Ehrgeiz paart sich mit politischem Kalkül und persönlichem Kampfgeist; keine Wohlfühlkuschelei, sondern intensive Schachzüge, die bis heute für Spannung sorgen.

Wenn man den fortlaufenden Erfolg dieser Serie betrachtet, erkennt man schnell, dass diese Art von historischer Erzählung den Nerv der Zeit trifft. Siehöchst ungewöhnliche Erzählstruktur zieht nicht nur hartgesottene Geschichtsfans an, sondern auch jene, die politisches Kalkül in nahezu jeder Facette erleben möchten. Die Serie ist á la Game of Thrones südkoreanisch. Wer also nicht genug von Intrigen haben kann, sollte schleunigst den Bildschirm topfit machen.

Manche mögen sich zudem fragen, warum historische Dramen so große Anziehungskraft haben. Das ist keineswegs nur das Resultat einer cleveren Inszenierung, sondern ein Appell an das Interesse der kritischen Köpfe da draußen, die Ereignisse und Entwicklungen durch eine realistische, unverklärte Linse sehen möchten. Die Vergangenheit bietet stets einen Spiegel für die Gegenwart, ob in Korea oder anderswo.

Eine Serie wie 'Sechs Fliegende Drachen' bettet Ereignisse in bewusst provokante Kurzbeschreibungen ein, welche zum Nachdenken anregen. Sie spielen mit der Erwartung und entflechten die simple Sichtweise, dass eine bessere Welt durch bloße Ideale geschaffen werden kann. Helden und Schurken wechseln die Seiten, Schlachten werden mal gewonnen, mal verloren. Der Geschichtsgang bleibt unerbittlich.

Beobachtet man die Begeisterung, die diese Serie weckt, fragt man sich häufig, ob der Mut zu solch offenen und unverblümten Inszenierungen auch hierzulande mehr Zuspruch finden könnte. Aber es bedarf wahrscheinlich mehr, als nur brillantes Geschichtenerzählen, um einen Blockbuster ähnlichen Formats in Angriff zu nehmen. Hier beobachten wir Studioarbeiten, die den Diesel für kritisches Fernsehen liefern, das nämlich ohne Handschuhe daherkommt und dabei mehr als einmal poltert.

In der Zwischenzeit bleibt noch reichlich Gelegenheit, sich in die Handlungsstränge von 'Sechs Fliegende Drachen' zu vertiefen, die politisch wie geschichtlich Interessierte gleichermaßen ansprechen. Die Serie gestaltet Momentaufnahmen eines Zeitenumbruchs, der uns nicht nur in eine epische Geschichte einlädt, sondern auch Einblicke in die Psychologie der Macht gibt. Ganz ohne Schnickschnack oder den Anspruch, ausschließlich nach linken Maßstäben zu agieren.