Schweizer im Ausland: Erfolgsmenschen oder entlaufene Alpenbewohner?

Schweizer im Ausland: Erfolgsmenschen oder entlaufene Alpenbewohner?

Rund eine halbe Million Schweizer haben dem Ruf der weiten Welt getrotzt und leben abseits in der Ferne. Diese abenteuerlustigen Alpenbewohner zieht es in neue Lebenswelten, aber warum eigentlich?

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Schätzungen zufolge leben etwa eine halbe Million Schweizer im Ausland. Ja, das ist richtig, während Sie gerade darüber nachdenken, wie schön es wäre, die Alpen vor Ihrer Haustür zu haben, befinden sich einige dieser glücklichen Landsleute lieber in der Ferne. Man könnte sie als mutige Pioniere betiteln, die das Abenteuer suchen und sich nicht mit der Enge ihrer beschaulichen Heimat zufriedengeben. Die Frage bleibt, wann sind diese wagemutigen Menschen in die große weite Welt aufgebrochen und vor allem warum?

Es ist kein Geheimnis, dass die Schweiz oft als vorbildliches Land angesehen wird, und das nicht ohne Grund. Die stabile Wirtschaft, die hohe Lebensqualität und die unverwechselbare Neutralität ziehen viele Ausländer an. Doch nun stellt sich die Frage, warum jemand dieses so hochgelobte Paradies verlassen möchte. Setzen sich die Auswanderergeschichten vielleicht aus wanderlustigen Seelen zusammen, die ihre Träume im Ausland verwirklichen wollen? Oder sind es gar Pragmatiker, die wissen, dass sie im Ausland bessere Chancen und mehr Anerkennung finden können?

Der Weg der Schweizer ins Ausland ist nicht neu. Schon seit Jahrhunderten sind sie in die ganze Welt hinausgegangen. Früher war es vor allem der Hunger nach neuem Land und Ressourcen, heute sind es häufig berufliche Gründe. Wer wollte nicht in einer globalisierten Welt den beruflichen Aufstieg wagen, selbst wenn das bedeutet, die Heimat hinter sich zu lassen?

Ein Hauptanziehungspunkt scheint immer noch Amerika zu sein. Die USA sind für ihre Versprechungen des "American Dream" bekannt, und nicht wenige Schweizer haben sich davon anlocken lassen. Es mag ironisch erscheinen, dass just das Land, das sich immer als Bastion der Neutralität brüstet, so viele Abenteurer in ein Land wie die USA entsendet, das in der Weltpolitik alles andere als unauffällig agiert.

Ein weiterer beliebter Zielort für ausgewanderte Schweizer ist Australien. Die ständige Sonneneinstrahlung, die entspannte Lebensart und die freundlichen Kängurus sind ein netter Bonus, den viele nicht ablehnen können. Wer wollte schon das graue, kühle Wetter der Alpen gegen ein BBQ am Strand eintauschen? Doch Vorsicht ist geboten, denn die Lebenshaltungskosten sind hoch, genau wie die Erwartungen an die dazugehörende Kalorienzufuhr, die mit all den zugegebenermaßen köstlichen Barbecues einhergeht.

Natürlich ist das Auslandsleben nicht immer nur ein Zuckerschlecken. Es gibt Hürden: von der Sprache über Bürokratie bis zur schmerzlichen Abwesenheit einer zünftigen Käsefondue-Session im Freundeskreis. Es gehört eine gewisse, man könnte fast sagen, "bergbezwungene" Hartnäckigkeit dazu, sich in einer fremden Kultur nicht nur zurechtzufinden, sondern auch erfolgreich zu sein. Doch die Auswanderer bleiben unbeirrbar, denn sie wissen, dass hinter jedem Höhenzug neue Horizonte warten.

Ein Punkt, den viele auf der Agenda stehen haben, ist die Karriere. Die älteren Generationen machten es vor, indem sie sich weltweit als Söldner verdingten, während die moderne Generation Wissen und Fähigkeiten exportiert. Dieser Transfer hat dem Ausland ein Bild von schweizerischen Tugenden wie Zuverlässigkeit und Präzision vermittelt, ein Markenimage, das nicht zu verachten ist. Doch sitzt man in einem amerikanischen Büro oder einer australischen Schule, muss man aufpassen, sich nicht von dem liberalen Gedankengut einwickeln zu lassen, das man in den heimischen Bergen doch sorgsam vermieden hat.

Einheimische oder Heimkehr-Willige hören es nicht gerne, doch die Erfahrung im Ausland bringt oft neue Ansichten mit sich. Diese wiederum tragen zur Bereicherung der schweizerischen Vielfalt bei, wenn die Ausgewanderten sich zur Heimkehr entscheiden. Bereits zurückgekehrte Schweizer bringen Geschichten und Wissen mit, das die traditionsbewusste Gesellschaft zuweilen aus dem Konzept bringt. Aber keine Sorge, die traditionsreicheren Köpfe setzen sich nach wie vor durch und assimilieren die Neuerungen in den gewohnten Erdentakt der Schweizer.

Im Großen und Ganzen wirken Schweizer im Ausland wie Diplomaten der Eigenständigkeit. Sie garantieren ein Stück Heimat in der Fremde, ohne dort zu viel vom eigenen Ich aufzugeben. Die hochgeschätzten Werte der Neutralität und Selbstständigkeit bleiben auch im Ausland bestehen und tragen dazu bei, den guten Ruf der Schweiz zu wahren. Mag die Zahl von selbstauswanderischen Schweizern auch groß erscheinen, letztlich bereichern diese Menschen unser Land mit ihren internationalen Erfahrungen.

Manchmal fragt man sich, was sie wohl dazu bewegt, Schokolade und Berge hinter sich zu lassen. Werfen wir jedoch einen genaueren Blick auf die Gegebenheiten, wird deutlich: Es ist der Drang nach etwas mehr. Mehr Möglichkeiten, mehr Freiheit, mehr Erfolg. Womöglich brauchen wir nur einen Prise von ihrem Mut, um auch die Herausforderungen vor der eigenen Tür zu meistern. Und wenn wir eines der Geheimnisse von Schweizern im Ausland feststellen, ist es, dass sie immer wissen, wann es Zeit wird, zurückzukommen und den einzigartigen Charme der Heimat neu zu schätzen.