Nichts ist skurriler, als zu glauben, das Herumtreten auf Eierschalen sei der Inbegriff von Fortschritt. „Schritt Tippen“, eine in Deutschland immer häufiger geforderte Kunst des vorsichtigen Umgangs mit Worten, hat sich in den Worten unserer modernen Gutmenschen zu einem heilbringenden Verhalten erhoben. Warum? Seine Anhänger argumentieren, diese Art und Weise zu kommunizieren sei unabdingbar, um niemandes zarte Gefühle zu verletzen. Das, meine Freunde, ist der Inbegriff einer Patriotisierungsmaschinerie, perfekt verhüllt unter dem Mantel der vermeintlichen Rücksichtnahme.
Wo hat das alles angefangen? In linken Szenen, akademischen Zirkeln natürlich, mit ihren ständigen Mikroaggressionswarnungen, die aus jeder Mücke einen Elefanten machen. Da wird also mit Goldwaage und Samthandschuhen gemessen, was gesagt werden darf und was nicht. Wieso? Weil diese selbsternannten Moralaposteln es zur moralischen Pflicht machen, die Freiheit der Meinungsäußerung zu kastrieren. Wo? In jedem Seminar, jeder Talkshow und in sozialen Medien. Wann? Täglich, ohne Feiertage oder Sonntage.
In einer Zeit, in der klare Worte und direkte Ansagen den meisten nicht mal über die Lippen kommen, erlebt die Kunst des Schritt Tappens eine Blütezeit. Doch Hand aufs Herz: Was gewinnen wir wirklich, wenn wir in diesen Seiltanz eintreten? Nun, es entpuppen sich zehn bittere Wahrheiten.
Erstens: Die Identitätspolitik zieht das Land in den Abgrund. Während früher der Inhalt von Argumenten zählte, zählt heute, wie und von wem etwas gesagt wird. Das erzeugt eine Atmosphäre der Pi-mal-Daumen-Selbstzensur. Möchten wir uns in einer Gesellschaft bewegen, die sich von Befindlichkeiten leiten lässt? Absolut nicht!
Zweitens: Eine Kommunikation, die nur auf Zustimmung abzielt, wird zwangsläufig unauthentisch. Die Angst vor dem Eklat treibt uns in eine Fassade vorgeheuchelter Harmonie. Die Worte verlieren an Substanz, der Diskurs schmilzt zu einem lauwarmen Brei.
Drittens: Schritt Tippen fördert eine Gesellschaft der Schwäche. Diese Gratwanderung sorgt dafür, dass Menschen nie lernen, auch mal einzustecken oder Meinungen zu akzeptieren, die nicht ihrem eigenen Standpunkt entsprechen.
Viertens: Es ist eine Rückabwicklung der Emanzipation. Was aus vermeintlicher Fürsorglichkeit gedeiht, führt tatsächlich zu einer infantilen Gesellschaft, zurück zum trotzköpfigen Trotzalter, in der Menschen bei Kritik wie beleidigte Kinder agieren.
Fünftens: Schlussendlich ist Schritt Tippen der Weg in die kulturelle Stagnation. Innovation entsteht nicht durch Anpassung oder Konformität, sondern durch die herausfordernde Konversation und die Konfrontation mit Ideen, die unbehaglich oder neu sind. Sind wir doch mal realistisch: nichts Großartiges entstand aus Bequemlichkeit.
Sechstens: Wer dem vermeintlichen Gebot des „Stets höflich und vorsichtig seien“ verfällt, der gleitet langsam aber sicher ins Niemandsland der Bedeutungslosigkeit ab. Klarheit und Wahrhaftigkeit stehen im Feuer, wenn man Wohlsein über Wahrsein stellt.
Siebtens: Interventionen mit Wattehandschuhen haben nichts anderes zum Ergebnis als das Gedeihen einer Gesellschaft voller Scheukeulen. Empfindlich und unvorbereitet auf die harte Realität außerhalb der wohlbehüteten „Safe Spaces“.
Achtens: Stolz auf Worte und Taten wird zur Rarität. Im Tanz der Vorsichtigkeit verlieren wir die Fähigkeit, ohne Scham oder Angst für das einzustehen, was tatsächlich korrekt und recht ist.
Neuntens: Es proliferiert die Idee der Konformität auf Widerruf. Politisch-ideologische Einheitsbrei-Akzeptanz, die im Schutzmantel der Vielfalt gedeckt wird. Wo Individualität ein anarchischer Akt wird, der schnell zunichtegemacht wird.
Zehntens: Es verankert die Spaltung, die in einer freien Gesellschaft nicht existieren sollte. Indem der Fokus ausschließlich auf das nervöse Abklopfen verschiedener Meinungen gelenkt wird, driften wir weiter auseinander anstatt uns der schlichten Tatsache zu stellen, dass Diskussion und Debatte keine Bedrohung, sondern Bereicherung sind.
Und am Ende, wer profitiert von dem ganzen Tanz um Wörter? Sicher nicht die, die an einer offenen und ehrlichen Kommunikation interessiert sind. Jeder Schritt, den wir in diesem Narrativ des ultrasensiblen Dialogs gehen, ist ein weiterer Schritt weg von der unerschütterlichen Wahrheit, dass Worte Mächte sind – und auch bleiben sollten, ohne Ketten, die sie umarmen.