Wenn Sie dachten, dass Politik nicht spannender sein kann als ein Hollywood-Thriller, dann haben Sie offensichtlich noch nie den Film 'Saguni' gesehen. Diese tamilische politische Satire, die 2012 unter der Regie von Shankar Dayal erschienen ist, dreht sich um Kamal (gespielt von Karthi), einen gewöhnlichen Mann mit außerordentlichem politischen Geschick, der sich in die unberechenbare Welt der Machtspiele stürzt. 'Saguni' spielt vor der opulenten Kulisse Indiens, wo Macht mehr wert ist als Gold, und Entscheidungen auf dem Schachbrett der Politik getroffen werden. Und warum das Ganze? Um die Bagger seines Hauses zu stoppen, das von korrupten Politikern bedroht wird. 'Saguni' stellt sich als eine überraschend präzise Satire der modernen indischen Politik heraus, die einige Federn rümpfen könnte.
Jetzt könnte man denken, dass 'Saguni' nur für Liebhaber von politischen Dramen oder asiatischen Kino ein Muss ist, aber das wäre ein Trugschluss. Dies ist kein einfacher Film, es ist ein Weckruf. Die Intrigen von Kamal als Politiker wider Willen sind komplizierter verstrickt als ein sein-oder-nicht-sein. Der naive Landei, der sich plötzlich in der Hauptstadt findet, inwendig motiviert durch kometenhafte Aufsteigereigenschaften, oszilliert zwischen räudigen Schakalen und den im Sonnenlicht posierten Löwen.
Wenn der Film versucht, uns eines zu erzählen, dann ist es, dass die Köpfe der Politik meistens darauf aus sind, sich selbst zu dienen und nichts anderes. 'Saguni' provoziert mit rasanten Wendungen und zeigt uns die knallharten Realitäten einer Welt, in der Loyalität ein Fremdwort ist und ethische Werte verhökert werden wie Ramschartikel auf einem Flohmarkt. Der Held Kamal macht sich nichts aus den Erwartungen der Linken und versucht, Altruismus in einer Welt zu verwirklichen, die moralisch bankrott ist.
'Kamal' ist natürlich kein Heiliger, sondern ein taktischer Fuchs, der seinen Plan mit einer satten Portion Charme und Gerissenheit verfolgt. Die Art und Weise, wie er sich durch das politische Geflecht dreht, lässt meistens sogar westliche Zuschauer staunend zurück. Die üblichen Vorurteile über die würdig-vornehmen Strategeme der Fortschrittlichen werden hier sorglos zerpflückt.
Im Verlauf des Films wird Kamals Plan immer unverfrorener, wenn er sich entschließt, selbst ins Zentrum des politischen Labyrinths vorzustoßen. Diese narrative Reise ist nicht nur aufschlussreich, sondern auch äußerst unterhaltsam und enthüllt die pure Absurdität der politischen Maschinerie. Man fragt sich unweigerlich, wieso nicht mehr Politiker mit einem ähnlichen Pragmatismus und einer soliden Dosis echter moralischer Prinzipien agieren können.
Und was ist mit der moralischen Botschaft? 'Saguni' schiebt sie wie ein Damoklesschwert in die Handlung und lässt sie elegant über den Köpfen der Akteure baumeln. Es ist eine klare Mahnung, wachsam zu bleiben gegenüber dem zersetzenden Einfluss, den Macht auf das Gewissen haben kann. Während Kamal weitgehend versucht, seine moralische Integrität zu bewahren, wirft der Film unbequeme Fragen auf: Ist er Teil des Problems oder der Lösung? Am Ende deutet alles darauf hin, dass der Diskurs über Moral zu komplex ist, um in einfachen Kategorien von Schwarz und Weiß gelöst zu werden.
Für konservative Beobachter hinterlässt der Film eine Spur von Befriedigung, denn man sieht, dass Pragmatismus und politisches Geschick sehr wohl Hand in Hand gehen können ohne dabei den inneren Kompass zu verlieren. Gleichzeitig zeigt 'Saguni', dass man mit einer eindringlichen, satirischen Annäherung der politischen Realität ihre absurdesten Züge entlocken kann.
Am Ende stellt sich die Frage, ob 'Saguni' mehr als nur ein Film ist. Ist es eine subtile Aufforderung, die Spielweisen der Demokratie erneut zu durchdenken, oder einfach nur ein clever inszeniertes Unterhaltungspaket? Man könnte meinen, der Film zwingt seine Zuschauer, die Rollen, die sie in der Demokratie spielen, kritisch zu hinterfragen. Ob man den liberalen Sichtweisen folgt oder nicht, eines ist sicher: 'Saguni' lässt niemanden unberührt.