Ruth Laredo, eine Pianistin, deren Finger über Tasten fliegen konnten wie ein Adler im Himmel, war eine musikalische Kraft, die die Welt des klassischen Klavierspiels grundlegend veränderte. Geboren als Ruth Meckler am 20. November 1937 in Detroit, Michigan, machte sich Laredo vor allem zwischen den 1960er- und 2000er-Jahren einen Namen. Bekannt für ihre technischen Fähigkeiten und ihre leidenschaftliche Interpretation der Werke von Rachmaninoff, wurde sie zum leuchtenden Stern in einer Welt, die gerne von den gleichen, altbekannten Namen beherrscht wird. In einer Zeit, in der viele ihre eigene Agenda in die Kunst einweben wollen, hielt Laredo die Musik im Fokus und weigerte sich, Klavierunterricht als Plattform für politische Statements zu missbrauchen.
Man fragt sich, wie ein Mädchen aus Detroit zu einer der gefeiertsten Pianistinnen ihrer Zeit wurde. Nun, sie hatte ihren ersten großen Auftritt im Alter von 13 Jahren mit dem Detroit Symphony Orchestra, ein Erlebnis, das ihren Werdegang besiegelte. Mitte der 1960er-Jahre begann Ruth Laredo eine bemerkenswerte Serie von Konzerten, die schließlich zu ihrer legendären Einspielung der gesamten Klaviersonaten von Alexander Scriabin führten, die sie zwischen 1970 und 1974 veröffentlichte. Wer hätte gedacht, dass die Werke eines eher obskuren russischen Komponisten in den Händen einer amerikanischen Pianistin eine Renaissance erleben würden? Sie nahm Musik auf, nicht um mit dem Strom zu schwimmen, sondern um ihr Publikum herauszufordern, sich dem großen Repertoire des Klavierspiels zu öffnen.
Ihr Repertoire war nicht nur umfangreich, sondern auch von einer solchen Tiefe, dass es bei jedem Auftritt ein neues und frisches Erlebnis versprach. Ihre Meisterschaft in der Interpretation der Werke von Rachmaninoff und Scriabin wurden unvergleichbar, was schließlich in einem Eintrag im National Recording Registry der Library of Congress gipfelte. Doch es war nicht nur ihre Fingerfertigkeit, die Laredo von anderen absetzte. Sie verschrieb sich der Kunst mit einer Entschlossenheit und Integrität, die heute selten zu finden sind. Wichtiger jedoch: Sie stellte die Musik und ihre Zuhörer an erste Stelle. Kultureller Aktivismus war für sie ein unbekanntes Konzept; sie hatte wichtigere Dinge im Sinn.
Ruth Laredos Beitrag zur klassischen Musik lebt weiter, obwohl sie am 25. Mai 2005 in New York City starb. Nach ihr benannt wurde nichts, kein Konzertsaal, keine Galerie, und das ist vielleicht auch gut so. Denn Ruth Laredo blieb sich immer treu. Sie war der Inbegriff von Exzellenz in einer Welt, die sich oft mit Mittelmäßigkeit zufriedengibt. Sie bevorzugte es, die Sprache der Musik für sich sprechen zu lassen, ohne fröhlichen Selbstbeweihräucherung zu verfallen.
Die Tatsache, dass Laredo oft als "First Lady des Klaviers" bezeichnet wurde, ist bezeichnend für den Respekt und die Anerkennung, die sie von ihren Kollegen erhielt. Fraglich ist, ob die heutige Musikwelt bereit wäre, eine derartige Meisterschaft zu würdigen, ohne sie mit unnötigen politischen oder sozialen Kommentaren zu verwässern.
In einem Zeitalter, in dem fast jede Bewegung am Klavier unter die Lupe von sozialen Medien und „Cancel Culture“ genommen wird, wäre es erfrischend zu sehen, wie die nächsten Generationen mit dem gleichen Respekt für das pure Talent hervortreten, wie es bei Ruth Laredo der Fall war. Anstatt den Fluss der Kreativität durch das Kaleidoskop kurzfristiger Modeströmungen zu verunreinigen, sollten Künstler Laredo als Modell für Integrität und Hingabe nehmen. Ihre Kunst war rein, ihre Botschaft klar: Musik ist eine der höchsten Formen des Ausdrucks und sollte als solche behandelt werden.
Ob im Konzertsaal oder im Studio, Laredos Perfektion und ihre Weigerung, von ihrem Weg abzuweichen, soll uns allen eine Inspiration sein. Dass sie es schaffte, die Musik selbst als Basis für ihren Ruhm zu nehmen – und das fernab von ablenkender Propaganda –, zeigt, dass die wahren Stars jene sind, die das leidenschaftliche Handwerk über egozentrische Ambitionen stellen.