Wer war Roel van Duijn? Eine Frage, die sich wohl die wenigsten gestellt haben, obwohl er in den 1960er-Jahren als einer der bekanntesten Aktivisten der Niederlande galt. Van Duijn, 1943 in Den Haag geboren, etablierte sich bereits in jungen Jahren als prominenter Kopf der Anti-Atomkraft- und Anti-Kapitalismus-Bewegungen. Mit seiner Gründung der Provos, einer anarchistischen Bewegung in den Niederlanden, verbreitete er seine radikalen Ideen. Warum ist es wichtig, sich mit seinem Leben zu beschäftigen? Weil er im Gegensatz zu den meisten politischen Gestalten seiner Zeit geradezu urkomische Extremwege beschritt, um seine Ziele zu erreichen.
Roel van Duijn wuchs in einem liberal geprägten Umfeld auf, was ihm von Anfang an mit auf den Weg gab, die bestehenden Strukturen in Frage zu stellen. Vielleicht liegt hier bereits der erste Fehler: eine Kinderstube ohne richtige Grenzen. Man kann fast sagen, dass er seine ganze Energie darauf verwandte, das Establishment zu untergraben, ohne sich Gedanken über die weitreichenden Konsequenzen seiner Aktionen zu machen. Die Provos, die er mitgründete, waren bekannt für ihre 'Happenings' – öffentliche Protestaktionen, die den Behörden das Leben schwer machten. Ein bisschen wie Straßenclowns, aber mit dem Ziel, Beunruhigung zu stiften. Wäre da nicht die öffentliche Missachtung, man könnte fast meinen, es sei eine Theatershow für gelangweilte Studenten.
Vieles, was van Duijn in den 1960er und 70er-Jahren unternahm, war eine Anklage an die Gesellschaft und vor allem an die Vorstellung von Kapitalismus und atomarer Bewaffnung. Doch seine Methoden waren kurios bis extravagant. Da wäre zum Beispiel die berühmte Aktion, als Mitglieder der Provos weiße Fahrräder in Amsterdam aufstellten, die kostenlos genutzt werden konnten – typische sozialistische Träumerei, dass so etwas in der Praxis funktionieren könnte. Was daraus wurde? Die meisten Fahrräder wurden prompt gestohlen – ein ironischer Beweis dafür, dass der menschliche Egoismus sich nicht so easy überwinden lässt, wie van Duijn es sich vorstellte.
Roel van Duijn ging sogar in die Politik und diente als Stadtrat von Amsterdam sowie Mitglied des Europäischen Parlaments. Aber auch dort stellte er seine gesellschaftskritischen Ansätze zur Schau. Viele seiner Forderungen waren beinahe utopisch, aber sicherlich nicht praktisch in einer Welt, die nicht in ideologischen Blasen lebt. Sein Abenteuer im Europäischen Parlament dauerte nicht lange, und man kann nur mutmaßen, dass es daran lag, dass die Wirklichkeit mächtiger ist als der Wille zur weltverbessernden Starrköpfigkeit.
Seine politische Karriere nahm verschiedene Wenden. Als Gründungsmitglied der niederländischen Partei Politieke Partij Radikalen (PPR) versuchte er sein Glück bei den Grünen. Aber trotz allem ändert sich seine Agenda nicht wesentlich. Für ihn war die Welt ein Ort voller Probleme, die seiner Ansicht nach mit idealistischen, wenn auch unrealistischen Maßnahmen gelöst werden könnten.
Spannend wird es auch, wenn man einen Blick auf van Duijns Rolle im Geheimdienstskandal wirft. Ja, richtig gelesen: Der Mann, der sich als Anti-Establishment-Ikone vermarktet, stellte sich gegen die geheime Überwachung durch staatliche Behörden. Angefochtene Gerichtsbeschlüsse und medial breit getretene Skandale folgten, bei denen van Duijn in die Rolle des Gejagten schlüpfte. Das Wort 'Paranoia' fällt einem ein, wenn man bedenkt, wie stark er gegen den Übel seiner Meinung nach kämpfte – auch wenn es diesen manchmal gar nicht gab.
Ein weiteres Highlight seiner Karriere war der Versuch, sich durch das Gründung von alternativen Lebensgemeinschaften vom 'Druck der kapitalistischen Gesellschaft' zu lösen. Diese utopischen Träume scheiterten meist an der Realität, entweder aufgrund finanzieller Probleme oder der menschlichen Natur, die sich nicht ändern wollte. Nach all den Jahren des Protests und der Revolte hatte sich die Welt nicht so verändert, wie er es sich erhofft hatte.
Roel van Duijn bleibt bis heute eine kontroverse Figur, die es geschafft hat, den Mainstream gelegentlich aus der Reserve zu locken. Dennoch ist sein Lebenswerk ein Beispiel dafür, dass radikale Visionen ohne realistischen Ansatz keine grundlegenden Veränderungen herbeiführen. Und während seine liberalen Zeitgenossen ihn vielleicht als einen visionären Kämpfer im Dienst einer besseren Welt bejubeln, wissen wir, dass seine Vorstellungen mehr hinderlich als förderlich waren. Kurz: Roel van Duijn hat mehr für die Unterhaltung gesorgt als für den tatsächlichen Fortschritt.