Wenn man über die politische Szene Kataloniens spricht, kommt man an Carles Puigdemont nicht vorbei. Dieser ehemalige katalanische Präsident begann seine Amtszeit 2016, als er den Staffelstab von seinem Vorgänger Artur Mas übernahm – ein kurzes Gastspiel, das sich als einer der hitzigsten Abschnitte der spanischen Geschichte herausstellen sollte. Unermüdlich trieb er das Ziel der Unabhängigkeit für Katalonien voran. Ja, der Mann wollte Katalonien eigenständig machen, und das ohne Rücksicht auf Verluste.
Die Puigdemont-Regierung war eine politische Achterbahnfahrt. Von dem legendären Referendum 2017 bis hin zu seinem unfreiwilligen Exil – es war ein skrupelloser Kampf gegen das spanische Establishment. Puigdemont, geboren 1962 in Amer, trat zunächst als Journalist in Erscheinung, bevor er sich in die politische Arena wagte. Er führte die Partei Together for Yes (Junts pel Sí) an und ließ keinen Zweifel daran, dass es mit ihm keine halben Sachen geben würde. Wer brauchte schon Stabilität, wenn man auf Konfrontationskurs mit der Zentralregierung in Madrid fährt?
Nun, was hat Puigdemont so drastisch anders gemacht? Er rief ein Referendum zur Unabhängigkeit aus, trotz des Verbots durch die spanische Regierung und ihres Obersten Gerichtshofs. Das war keine Spielerei. Die Entscheidung hallte nicht nur durch die Bevölkerung Kataloniens, sondern zog weltweite politische Kreise. Während seine Unterstützer von einem historischen Schritt sprachen, sahen Kritiker – und das nicht zu Unrecht – die Regionalwirtschaft und das soziale Gefüge auf dem Spiel. Sein nationalistischer Eifer kann durchaus als zeitgemäßer Ausdruck katalanischen Stolzes betrachtet werden.
Doch die Reise Puigdemonts endete keineswegs ruhig. Nach dem Versuch, am 10. Oktober 2017 die Republik Katalonien auszurufen, folgte die Flucht ins Ausland. Puigdemont wurde in Deutschland verhaftet, doch es ging mit ihm weiter – die Festnahme war nur zwischenzeitlich. In Europa – oh Wunder – trieb er unbeirrt seine politische Agenda auf internationalem Parkett voran. Man kann sagen, nichts kann diesen Mann aufhalten, wenn seine Mission zur Unabhängigkeit Kataloniens im Fokus liegt.
Die Auswirkungen dieser politischen Eskapade waren weitreichend. Die Spannungen zwischen Madrid und Barcelona kochten über. Zudem entblößte sie die tiefe Spaltung innerhalb der katalanischen Gemeinschaft selbst. Eine Region geteilt zwischen dem Traum der Unabhängigkeit und der Realität der Abhängigkeit. Sogar in dessen eigenen Reihen gibt es Projektionen von Uneinigkeit. Dies könnte einem rationalen Denker merkwürdig erscheinen, aber die Politik kennt bekanntlich keine Logik.
Vor allem ist das Vermächtnis Puigdemonts in der jüngeren Geschichte Kataloniens symbolisch. Er hat unermüdlich den Kampf für die Unabhängigkeit am Leben erhalten. Wenigstens in der Herzen jener, die noch an die Vision eines unabhängigen Kataloniens glauben. Man muss ihm die Hartnäckigkeit lassen. Vielleicht ist Hartnäckigkeit das einzige, was sich im Labyrinth der europäischen Bürokratie lohnt.
Katalonien selbst hat einen hohen kulturellen und wirtschaftlichen Stellenwert in Spanien, nicht zuletzt aufgrund Barcelonas, der sehr beliebten Hauptstadt. Doch eine Unabhängigkeit wäre für Spanien wie ein Verlust des Lieblingskindes. Die Spannungen der Bevölkerung spiegelten finanziellen und ideologischen Druck wider, den die Region und das Land gleichermaßen durchlebten. Kurzum, Puigdemont hat es geschafft, seinen Namen unvergesslich in das Buch der spanischen – vor allem aber der katalanischen – Geschichte zu schreiben.
Ein weiterer Aspekt, den wir nicht ignorieren dürfen, ist die Rolle, die Puigdemonts persönliche Flucht und das damit verbundene Exil im internationalen Dialog gespielt haben. Die rechtliche Verfolgung des Ex-Regierungschefs hat den ohnehin schon verworrenen Knäuel an internationalen Beziehungen mit seinen Katalonien-Verwirrungen noch komplexer gemacht.
Letztlich bleibt ein bitterer Nachgeschmack bestehen, insbesondere für diejenigen, die davon überzeugt sind, dass solche politischen Stunts dem sozialen und wirtschaftlichen Wohl eines Landes nicht dienlich sein können. Aber hey, Puigdemont hat es geschafft, dass heute mehr Menschen Katalonien auf der Weltkarte finden.