Wenn Rammstein die Bühne betritt, weiß man, dass es keine gewöhnliche Nacht wird. Am 22. und 23. März 2012 verwandelte sich die Bercy Arena in Paris in ein Feuerwerk aus Klang und Lichteffekten, als die deutsche Industrial-Metal-Band ihr Konzertfilm-Meisterstück 'Rammstein: Paris' aufzeichnete. Unter der Regie des visionären Jonas Åkerlund wurde dieses Spektakel nicht nur in High-Definition eingefangen, sondern in einem Rahmen, der die Zuschauer mitten in die Energie und das Chaos des legendären Rammstein-Live-Erlebnisses katapultiert. Aber Achtung: empfindliche Seelen wären besser beraten, zuhause zu bleiben.
Rammstein ist bekannt dafür, politisch inkorrekte Grenzen zu sprengen, die viele vermeintlich „moderne“ Künstler gar nicht erst wagen zu betreten. Und genau da liegt der Reiz. Diese Filmausgabe aus Paris zeigt eine der ausgereiftesten Darbietungen der Band und bietet einen einprägsamen Blick auf das, was Rock noch immer kann: ein rebellisches, ungezähmtes und absolut fesselndes Erlebnis zu sein. Anderswo mag man sich über die Provokationen der Band echauffieren, doch Rammstein versteht es gekonnt, ausufernde Pyrotechniken und kehlige Gitarrenriffs in eine unvergessliche Nacht zu verwandeln. Keine Überraschung also, dass insbesondere jene, die sich nach Authentizität sehnen, sich geradezu angezogen fühlen.
Man muss es fair sagen: Hier wird nicht für zarte Pazifisten oder sensiblen Geschmack musiziert. Titel wie „Du Hast“ und „Ich Will“ fordern das Publikum förmlich heraus. Jene, die immer noch an das Gute im Schlechten glauben und dem gelegentlichen Tabubruch nicht abgeneigt sind, treffen hier auf ein bahnbrechendes Feuerwerk. Rammstein bringen ein dunkles Pathos zurück, das vielen modernen Bands zurecht abgeht. Anders als windige Pop-Acts, die sich nach der Gunst der Massen richten, bleibt Rammstein kompromisslos und lässt gleichzeitig alle Schranken fallen.
Mit jedem Song lassen sich die Emotionen der Band nahezu greifen, man fühlt das Donnern der Bässe im eigenen Herzschlag widerhallen. Eine Tour de Force, die zeigt, wie weit Leidenschaft und handwerkliches Können gehen können, um die Kunst des Live-Auftritts zu zelebrieren. Während die Band über die Bühnenlandschaft fegt und die Flammen fast die Decke der Bercy Arena küssen, wird eines klar: Hier wird nichts halbes gemacht. Diese Art von Show treibt man makellos zur Perfektion.
Für ein Publikum, das sich gerne herausfordern lässt und versteht, dass Kunst nicht immer der Konformität dienen muss, ist 'Rammstein: Paris' ein Manifest der Freiheit in einer zunehmend prüden Welt. Politische Korrektheit hat hier keinen Platz, und wenn überhaupt, dann ist Rammstein eher das Gegenmittel zu einer immer mehr genormten Unterhaltungskultur. Die Band wagt es, das Publikum nicht nur zu unterhalten, sondern ihm auch den Spiegel vorzuhalten. Mancherorts wird diskutiert, ob das, was Rammstein macht, Kunst oder Provokation ist. Dabei ist das eine nicht ohne das andere denkbar.
Ein echter Rammstein-Moment ist, wenn Sänger Till Lindemann im Spottanzug vor einem Ozean aus loyalen Fans steht und es wirklich den Anschein hat, als habe sich ein kollektives Bewusstsein entfaltet – ein Gruppenereignis, das sich tief in das Gedächtnis einbrennt.
Während es sicherlich Kritiker gibt, die mit erhobenem Zeigefinger die moralische Integrität der Band anzweifeln, bleibt eines unbestritten: Rammstein kann sich keiner anderen Kategorie zuordnen, denn sie definieren eine eigene. Sie sind Künstler, die es sich leisten können, weil sie den Mut haben, ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten einer hyper-sensiblen Gesellschaft zu gehen.
So bleibt 'Rammstein: Paris' nicht nur ein Film, sondern ein Monument. Eine Hommage an die Kraft der Musik und die Möglichkeit, auch in stromlinienförmigen Zeiten brutal ehrlich sein zu können. Sicher, es ist nicht jedermanns Sache, aber für die, die verstehen, worum es geht, ist es ein Befreiungsschlag.