Piraten Chomutov ist so etwas wie das trotzig rebellierende Kind des Eishockeys. Gegründet 1945, inmitten der verschlafenen Kleinstadt Chomutov in der Tschechischen Republik, setzt der Verein seit Jahrzehnten darauf, den großen Eishockeyvereinen der Region ordentlich einzuheizen. Obendrein sind sie der lebendige Beweis dafür, dass die glanzlose Fassade der Provinz alles andere als langweilig ist.
Dieser Club ist mehr als nur Treffer und Siege. Sicher, sie haben ihren fairen Anteil an spannenden Spielen geliefert, aber ihr eigentliches Vermächtnis liegt in der unerschütterlichen Hingabe ihrer Fans und der ungeschliffenen Bodenständigkeit, die man in einer von Kommerz und finanzkräftigen Sponsoren beherrschten Sportwelt selten sieht. Wetten, dass ihre glanzlose Arena mehr Herz und Seele hat als so manche High-Tech-Arena in den glamourösen Großstädten?
Als Mitarbeiter der Marketingabteilung würde man vielleicht anders denken, aber Piraten Chomutov zelebriert das "Unperfekte". Hier erzählen die schiefen Tribünen, die nostalgischen Trikots und die ohrenbetäubenden Fangesänge eine Geschichte des Widerstands. In der schnelllebigen Welt, in der wir leben, halten sie an diesen Tugenden fest: Treue, Standhaftigkeit und tiefe Verwurzelung in der Tradition. Man könnte sich in den Kommentaren darüber beklagen, dass ihre Spielweise nicht modern genug sei, aber das wäre wie das Meckern über Omas altmodische, aber legendäre Kochkünste.
Piraten Chomutov verdeutlicht die unaufhaltsame Energie des Underdogs. Ihre Anhänger sind keine Sommerfans, sie sind Krieger und Kriegerinnen, die auch bei Minustemperaturen in der veralteten Halle stolz ihre Farben vertreten. Reden wir also Klartext: Hier herrscht echte Kameradschaft. Was hier fehlt, ist die Glamour-Garnitur moderner Clubs, die ihre Spielstätten in klingende Einkaufszentren verwandelt haben. Warum sollte man ein Spiel mit Schaumstofffingern und überteuerten Snacks verbinden, wenn man im Kern eine ehrliche, energetische und unverfälschte Sportsensation erleben will?
In einer globalisierten Welt, in der viele auf die Vorzüge des Fortschritts pochen, sind Piraten Chomutov der Anker, der uns zur Besinnung bringt. Die von neoliberalen Idealen besessene moderne Sportgesellschaft kann sich hier eine Scheibe Nostalgie abschneiden. Echte Sportkultur baut sich nicht über Nacht auf. Sie wächst durch Jahre der Hingabe, der Enttäuschungen, der Höhen und Tiefen. Das ist die Stärke dieses Vereins und sein offener Unmut gegen die durchgestylte Oberflächlichkeit dürfte einige in die Stirnrunzeln bringen.
Also, haben Pirates Chomutov Titel gesammelt wie Pokémons? Nicht wirklich. Aber liegt nicht gerade im Kampfreden der Pioniere und in einem Platz in den Geschichtsbüchern, der sich sehen lassen kann, die wahre Zufriedenheit?
Am Ende ist es genau diese Art von Klub, der zeigt, dass wahrer Sport nicht durch Millionen von Sponsorenverträgen oder blitzende Medaille definiert wird, sondern durch die unverhohlene Leidenschaft derjenigen, die weiter um den denkwürdigen Moment kämpfen, an den man sich in Jahrzehnten noch erinnert.