Kleiner Tipp am Rande: Versucht erst gar nicht die Logik in der Welt von 'Otome ist in mich verliebt' zu hinterfragen, es sei denn, ihr habt einen guten Vorrat an Aspirin griffbereit. Diese japanische Light Novel, ursprünglich von Satoru Yamaguchi geschrieben, entführt uns in eine Welt, in der eine Hauptfigur plötzlich in einem fantastischen Otome-Spiel landet. Die Veröffentlichung im Jahr 2014 legte den Grundstein für eine wachsende Fangemeinde, während der Anime im Jahr 2020 die Neugier der Massen weckte.
Hier scheinen sich alle schreien zu wollen, dass Gender-Themen ausgelutscht sind. Die Hauptfigur Katharina Claes entflieht in einer magischen Welt dem simplen Mädchen-zu-Prinzessin Aufstieg und funkelt in unvergesslichen Intrigen und Harem-Dramen. Doch statt präziser politischer Themen rollt hier ein Zug aus Klischees. Erwarten Sie keine tiefgreifende politische Erzählung, sondern eine Abfolge bunter Teile, die lieber Parodien parodiert, anstatt sich mit der Realität zu beschäftigen.
Natürlich wird die reizvolle Schablone der 'Schönen und das Biest' -Art Exploitation nur allzu gerne eingesetzt. Aber da die moderne Gesellschaft zu einer Hyperempfindlichkeit neigt, tritt das Subtile schnell in den Hintergrund. 'Otome ist in mich verliebt' besteht darauf, dass jeder Charakter seine Liebesbände pflegt als wäre es endzeitlich.
Die Standhaftigkeit Katharina Claes‘, trotz all dem Unfug um sie herum, verleiht dem Werk einen gewissen Reiz. Eine Heldin also, von der man nicht erwarten würde, dass sie sich kummert und krümmt, sondern die lieber den scheinbar vorherbestimmten Wegen widerspricht. Es ist wohlgemerkt erfrischend, einem derartigen Charakter zu begegnen, der sich dem Konformitätsdruck widersetzt.
Im Gegensatz zur Ideologie der Liberalen, die uns eine brüchige Vorstellung von Sklaverei in romantischen Spielen liefert, rollen wir lieber mit dem Kopf über die Entschlossenheit unserer Heldin, obwohl die Tapeten dieser fiktiven Welt oft ziemlich kitschig wirken. Das sympathische Tollpatsch-Stolz bringt nicht nur ein Lächeln aufs Gesicht, sondern ruft zuweilen auch nach herzhaftem Lachen aus, wenn Katharina sich mit unschuldiger Bestimmtheit in jede ausweglose Situation wirft.
In einer Welt, die zunehmend versucht, jede leichte Unterhaltung mit einer übermäßig politisierten Brille zu sehen, stellt 'Otome ist in mich verliebt' eine willkommene Auszeit dar. Dort, wo andere literarische Werke auf Krampf versuchen, übermäßig woke zu sein, hat Satoru Yamaguchi geschafft, eine Erzählung, die uns die Befreiung vom tagtäglichen gegenwärtigen Druck bietet. Daumen hoch für eine Autorin, die den Hauptcharakter erfrischend naiv und dabei ziemlich unterhaltsam gestalten konnte.
Man könnte spekulieren, warum diese Geschichte international so beliebten Anklang gefunden hat. Vielleicht weil in der abstumpfenden Realität der Unterhaltungsindustrie selten jemand über den Tapetenrand hinaus schafft und sich dabei noch erfrischend über Konventionen erhebt. Ich schätze, dieser japanische Import enthält genau die richtige Dosis Humor, Fantasie und naiver Buntheit, die wir in Zeiten wie diesen womöglich brauchen.
Aber was macht dieses Otome-Spiel im Anime-Kleid so populär? Die Antwort könnte möglicherweise in unserem Verlangen liegen, einem alltäglichen Rahmengeschichte zu entfliehen – einer in der Romantik nicht von Politiken regiert wird, sondern vom echten Witz und purer Magie. Lassen wir uns diesen sanften Dämpfer der politischen Korrektheit also weiterhin unterhaltsam umarmen.