In einer Welt, in der das Smartphone wie ein verlängerter Arm wirkt, bringt uns der Film „Operator“ von 2016 auf eine interessante Reise durch die Abgründe unserer digitalen Abhängigkeit. Regisseurin Logan Kibens entführt uns in die brillante, aber auch etwas verrückte Welt von Joe (Martin Starr), einem neugeborenen Nerd und Programmierer aus Chicago, der sein Leben mehr mit Algorithmen als mit echten Menschen teilt. Die Frage, die sich stellt: Warum sollte er auch anders? Schließlich haben wir doch die Technologie, um uns von echten menschlichen Interaktionen zu „befreien“. Wäre es nicht das ultimative Ziel, die perfekte digitale Begleitung zu erschaffen? Man könnte meinen, die liberalen Trends der sozialen Aktivisten wären hier an ihre Grenzen gestoßen – denn echte Interaktion ist doch sowieso überbewertet, oder?
Kommen wir zu Clare (Mae Whitman), Joes Ehefrau, die gegen all diese Zahlen und Algorithmen direkt aus einer Technikhölle kämpft. Sie ist eine Künstlerin, die, gehalten von den Wurzeln echter Kreativität und Empathie, verzweifelt versucht, das Herz ihres Mannes zurückzugewinnen. Doch, Joe, voller Ideen und digitaler Träumereien, versucht seine Frau in das perfekte digitale ass-KI-Sistenten-Programm zu integrieren. Echte menschliche Nähe wird durch codierte Sätze ersetzt. Jungs, daran könnten wir uns bald gewöhnen!
Während Joes Unternehmen „Ausdrucke“ einer perfekten digitalen Stimme vermarktet, wird schnell klar, dass wir nicht sehr weit von dieser dystopischen Realität entfernt sind. Technologie wird zur Waffe gegen menschliche Verbindungen. Und wen überrascht dies schon, wenn wir unsere Nasen tief in Smartphone-Displays vergraben? Die Regisseurin zeigt uns, wie erschreckend einfach es ist, uns völlig in der digitalen Welt zu verlieren.
„Operator“ entfaltet seine wahre Magie dort, wo er humorvoll doch zugleich erschreckend die Wahrheit über unsere gegenwärtige Gesellschaft enthüllt. Der Film öffnet uns die Augen über die Gefahren, denen wir gegenüberstehen, wenn menschliche Interaktion der Technologie geopfert wird. Joe mag in seiner digital getriebenen Identifikationssuche gefangen sein, doch es ist Clare, die trotz all ihrer Facetten augenscheinlich die einzige Verbindung zur Realität bleibt.
Der Film, der als Komödie verkauft wird, ist vielleicht auch eine Art subtile Kritik an der Abhängigkeit der modernen Welt von Technologie. Obwohl die liberale Elite die Revolution der Technologie als Fortschritt versteht, stellt „Operator“ die Frage – Wohin führt uns diese Reise wirklich? Bleiben wir dabei noch menschlich oder werden wir zu Robotern mit menschlichen Hüllen, die nicht mehr fähig sind, ohne digitale Krücken zu gehen?
Es gibt eine besondere Szene, die besonders eindrücklich bleibt: Joe merkt langsam, dass all seine digitalen Lösungen seinen emotionalen Kern nicht erreichen. Vielleicht ist es eine schöne Erinnerung daran, dass wir vielleicht nicht alles Ersetzen können, was Natur und echte Emotionen für uns vorgesehen haben. Trotz der digitalen Sirenen-Schreie schreckt der Film nicht davor zurück, uns daran zu erinnern, dass zwischen menschlicher Nähe und einer virtuellen Fassade ein himmelweiter Unterschied besteht.
Was an „Operator“ besonders hervorzuheben ist, ist seine Fähigkeit, die digitale und die reale Welt so prägnant darzustellen, dass wir gezwungen sind, einen Schritt zurückzutreten und den Zustand unserer ‚modernen Zivilisation‘ zu überdenken. Jeder, der auch nur einmal versucht hat, eine ehrliche Unterhaltung über Textnachrichten zu führen, wird den bitteren Nachgeschmack verstehen, den dieser Film zu hinterlassen vermag.
Für all diejenigen, die schon lange der Meinung sind, dass unsere Gesellschaft ein wenig aus dem Ruder läuft, was die digitale Abhängigkeit betrifft, ist dieser Film eine großartige Möglichkeit, einmal kräftig durchzuatmen und „Nein“ zur Totaldigitalisierung zu sagen. „Operator“ ist nicht nur eine Geschichte über ein Paar, das sich in der Komplexität der Technologie verliert, sondern auch ein Weckruf. Technologie ist wunderschön, ja. Aber es liegt an uns, zu entscheiden, wo sie aufhört und das echte Menschsein beginnt.