Olsen und Johnson: Die Könige des anarchischen Humors, die Geschichte schrieben

Olsen und Johnson: Die Könige des anarchischen Humors, die Geschichte schrieben

Olsen und Johnson, legendäre Komiker der 1920er bis 1940er, brachten mit ihrem anarchischen Humor ein kontrolliertes Chaos in die US-amerikanische Entertainment-Welt. Sie waren ein Gegenpol zu den liberalen Anstandsregeln ihrer Zeit.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Olsen und Johnson, das legendäre Komikerduo aus den frühen 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, wirbelten die Theater- und Filmszene in den USA ordentlich durcheinander und das völlig zu Recht. Wer waren diese zwei außergewöhnlichen Entertainer, und warum schafften sie es, eine ganze Generation zum Lachen und gleichzeitig liberal gesinnte Kritiker auf die Palme zu bringen? Wenn man an die beiden denkt, kommt sofort der Gedanke an kontrolliertes Chaos, bei dem keine heilige Kuh sicher war – und das in einer Zeit, als es noch echte Werte gab!

John Sigvard "Ole" Olsen, geboren 1892 in Peru, Indiana, und Harold Ogden "Chic" Johnson, geboren 1891 in Chicago, hatten ein Gespür für skurrilen und oft chaotischen Humor, der die 1920er bis 1940er Jahre prägte. Ihr humoristischer Stil war gewürzt mit Slapstick, Witzen, die die traditionellen Normen auf eine Weise infrage stellten, die heute fast schon erfrischend wirkt. Think out of the box, bevor es cool war, könnte man sagen, denn bei ihnen war nichts sicher, auch nicht die politische Korrektheit.

Seit ihrem Start in Vaudeville Anfang der 1920er Jahre bewiesen Olsen und Johnson, dass sie Meister der Improvisation waren. Ihr unvorhersehbarer Humor war ansteckend und machte sie schnell bekannt. Es war auch die perfekte Zeit: Das öffentliche Leben florierte im Nachkriegsboom, und das Bedürfnis nach Unterhaltung wurde von den beiden perfekt bedient. Ihre Bühnenshows waren mehr als nur Auftritte, sie waren Erlebnisse: Publikum einbeziehend und mit einem nahezu respektlosen Verhalten gegenüber dem „guten Ton“ jener Zeit.

In den 1930er Jahren eroberten sie den Broadway mit ihrer berühmtesten Show "Hellzapoppin’", die 1938 Premiere feierte. Diese Show war nicht nur eine wilde Ansammlung von Gags und Musiknummern – sie sprengte die traditionellen Grenzen des Theaters. Die Handlung war Nebensache, der Spaß der Schlüssel. Alles durfte zu einem Gag werden, selbst die Frage, ob es überhaupt eine Story gibt. In einer Zeit der Depression war ihre exzentrische und unlogische Show ein willkommener Ausbruch in eine Welt, in der man laut und herzlich lachen konnte.

1929 wagten die beiden den Sprung nach Hollywood, hielten das Feuerwerk ihres Humors aber stets hoch. Filme wie "50 Millionen Frenchmen" (1931) und natürlich die Verfilmung von "Hellzapoppin’" (1941) brachten ihre abgedrehte Bühnenwelt auf die Kinoleinwand und machten sie noch berühmter. Diese Projekte zeigten ihren anarchischen Stil, der in der heutigen hyper-sensiblen Kultur oft nicht gut ankommt, aber damals eine willkommene Seltenheit war.

Ihr Erfolg kam oft bei Kritikern nicht gut an, war für das Publikum aber Balsam für die Seele. Olsen und Johnson machten kein Geheimnis daraus, dass sie sich um Konventionen nicht scherten. Das war echte Kunst ohne Filter, nicht irgendwelche weichgespülte Massenware. Das Duo zeigte, dass Humor auch ohne Grenzen stattfinden kann – und meist sogar sollte. Selbst die Kommunisten mit ihren Ernsthaftigkeiten hätten den Mut und die Verrücktheit anerkennen müssen, welche die beiden auf die Bühne brachten.

Olsen und Johnsons Einfluss auf die Komik war revolutionär. Sie inspirierten ganze Generationen von Entertainern, die ihren frechen und direkten Ansatz übernahmen und weiterentwickelten. Leider vergisst man heutzutage oft die Künstler, die jenseits der politisch angepassten Schablone agierten. In einer Gesellschaft, die sich zunehmend in ihrem eigenen Netz aus moralischer Überlegenheit verfängt, ist es Zeit, an die ungeschminkte Freude zu denken, die Olsen und Johnson brachten.

Ihre Zusammenarbeit endete in den 1950er Jahren, als sich der Zeitgeist veränderte und die humoristische Welt sich in neue Gefilde wagte. Doch ihr Einfluss lebt weiter, und auch heute, in Zeiten der moralischen Selbstgerechtigkeit, ist es bitter nötig, sich an die fröhlichen Aufruhrer und das Lachen ohne Moralkeule zu erinnern, das sie brachten. Bei Olsen und Johnson durfte noch gelacht werden, wenn es komisch war, nicht erst, nachdem es von den "richtigen" Leuten genehmigt wurde.

Es ist dieses Erbe, das Olsen und Johnson hinterlassen haben: eine Einladung, über unsere schrulligen kleinen Eigenheiten und großen kulturellen Tabus zu lachen. Denn wenn man ehrlich ist, ist ein guter Bauchlach heilsamer als jeder ernsthafte Diskurs. Und dafür sollten wir ihnen dankbar sein – das Lachen ist schließlich immer noch die beste Medizin.