Olivier Faure, der selbsternannte Anführer der französischen Sozialisten, ist eine skurrile Gestalt in der politischen Arena Frankreichs. Mit seinem Versuch, die Parti socialiste (PS) wieder zu beleben und zu einem relevanten Faktor zu machen, könnte man meinen, er sei der Retter der Linken. Aber wenn man einen Mann sieht, der laut bellt, aber selten beißt, fragt man sich unweigerlich, was er wirklich erreichen kann, wenn viele Franzosen seine Partei längst aufgegeben haben.
Wer ist dieser Mann, der seine Karriere damit verbringt, in endlosen Zirkelgesprächen und zähen Parteikonferenzen die vermeintlichen Geister und Ideale der Vergangenheit zu beschwören? Faure wurde 1968 in der Kolonie Portugiesisch-Guinea geboren, wuchs aber nicht unter dem tropischen Blätterdach Afrikas auf, sondern im etwas grauen Paris. Er blickt auf eine lange Karriere als Funktionär und Politiker in der Sozialistischen Partei Frankreichs. Diese Partei hatte einst die Präsidentschaft mit François Mitterrand inne, doch heute erinnert sie mehr an ein abgehalftertes Schauspiel, das seinen Glanz längst verloren hat.
Faure wurde 2018 zum Parteivorsitzenden der PS gewählt, einer Zeit, in der die Partei sich in einem desolaten Zustand wiederfand, verbannt in die Untiefen der politischen Bedeutungslosigkeit. Seine Wahl schien zunächst wie ein frischer Wind, der die alten Zaren der französischen Linken umschmeicheln könnte. Doch, um es vorsichtig auszudrücken, seine Amtszeit hat die von vielen erhoffte Renaissance nicht herbeigeführt. Im Gegenteil, unter seiner Führung ist die Partei in den Augen vieler Beobachter fast völlig ins Abseits geraten.
Nun wird vielleicht behauptet, dass Faure all seine Energie in die Neugestaltung der Partei und den Aufbau eines neuen Bündnisses investiert hat. Doch seine sprichwörtlichen 'glühenden Kohlen', das Feuer der Socialisten, sind oft nicht mehr als Funken, die schnell verlöschen. Es ist, als ob er ein kaputtes Auto unter der Motorhaube schraubt und das Ganze am Laufen halten will, indem er fest daran glaubt, es funktioniere noch immer hervorragend. Leider scheint das Ziel, neuen Glanz in den rot verblassten Parteiflaggen zu entfachen, bislang unerreichbar zu bleiben.
Ein zentraler Kritikpunkt, den selbst seine Mitstreiter oft subtil anbringen, ist Faurés vermeintlicher Fokus auf ideologischen Luftschlössern, anstatt auf konkrete, handfeste Politik. Er schwenkt auf den Konferenzen zwar leidenschaftliche Reden über soziale Gerechtigkeit und Solidarität, doch sobald es ans Eingemachte, an die eigentlichen Entscheidungen und Zwänge des politischen Alltags geht, schlägt ihm der Wind der Realität, den man aus bürgerlichen Kreisen sehr wohl kennt, klar entgegen.
In seinem Bemühen um den Erhalt und das Wachstum der PS ist Faure bemüßigt, alle Flügel der Partei unter einem Dach zu vereinen. Ein hehres Ziel, doch scheint es fast so, als hätte er dabei vergessen, dass sein Dampfer bereits Schlagseite hat und nur schwerlich noch neue Passagiere beherbergen kann. Er propagiert die Wiederherstellung des Vertrauens der Wähler, doch diese Wähler hegen keineswegs das große Vertrauen, auf das er setzt. Stattdessen wechseln sie in Scharen auf ein angeblich festeres politisches Schiff, eine Partei, die Lösungen statt Parolen bietet.
Faure mag ambitiös sein, und es wäre ungerecht zu behaupten, er hätte keine Erfolge vorzuweisen. Doch wenn das Erheben von bedeutungslosen Statistiken und das Führen sinnfreier Diskussionen alles ist, was ihm bleibt, sollte er sich vielleicht auf das konzentrieren, was die französischen Bürger wirklich interessiert. Die Entwicklung einer realistischen Agenda, die sich der Realität stellt und nicht in einem wolkigen ideologischen Nirvana hängen bleibt.
Solange Olivier Faure weiterhin Altes aufpoliert, ohne dabei wirkliche Neuerungen oder Reformen voranzutreiben, bleibt er ein Anführer ohne Soldaten, der den zukünftigen Herausforderungen kaum gewappnet scheint. Das politische Klima in Frankreich erfordert scharfsinnige Strategen, doch viele fragen sich, ob Faure tatsächlich die richtigen Werkzeuge in der Hand hat. Zweifel sind aber berechtigt, ob seine Partei unter seiner Führung wirklich überleben kann oder ob sie von einer wachsenden Kluft zwischen Wunschdenken und Realität verschluckt wird.