Lukanga Sumpf, ein als „afrikanische Schatztruhe“ bezeichneter Fleck von Sumpfgebiet in Sambia, bietet mehr Spektakel als ein schlechter Hollywood-Film. Etwa 80 Kilometer westlich der sambianischen Hauptstadt Luanda North erstreckt sich dieses geografische Kuriosum. Mit seiner reichen Flora und Fauna stellt sich sofort die Frage: Warum ist es trotz seines offensichtlichen Wertes noch nicht zum ökologischen Disneyland Afrikas avanciert? In einer Welt, in der Kapital aus allem, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, geschlagen wird, bleibt dieser Sumpf ein Symbol dafür, wie falsche Prioritäten Entwicklungsmöglichkeiten ersticken können.
Wäre das Lukanga Sumpfgebiet in einem Land mit einer westlichen Einstellung zur Ressourcennutzung beheimatet, könnten wir es in absehbarer Zeit auf einer Liste der ökologischen Wunder sehen. Doch stattdessen beobachten wir ein Hin und Her, verkompliziert durch ineffiziente Verwaltung und ideologische Paralyse. Die einzigartige Artenvielfalt bleibt unter dem Dach der „globalen Verantwortlichkeit“ verborgen – einer netten Umschreibung für „wir sitzen auf riesigen Möglichkeiten und unternehmen nichts“.
Die Seen im Sumpfgebiet, obwohl reich an Fischarten wie dem Tilapia, werden geradezu skurril wenig genutzt. Hier liegt die Möglichkeit, Nahrungs- und Einkommensquellen für Millionen zu schaffen. Doch anstatt dem lukrativ prosperierenden Fischhandel nachzueifern, setzen lokale Akteure in ihrer unermüdlichen Weisheit auf Bürokratie und halbgare Umweltschutzmaßnahmen, die weder Fisch noch Wohlstand hervorbringen.
Lukanga könnte ein wirtschaftlicher Motor sein. Wassereinzugsgebiete in dieser Größenordnung haben das Potenzial, gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Energiegewinnung, Tourismus, Landwirtschaft. Alles schon vergessen? Das ist das, was man bekommt, wenn Planung in die Hände von Entscheidern fällt, die mehr an Komiteesitzungen als an umsetzbaren Projekten interessiert sind.
Man kann sich die Frage stellen, warum es nicht weltweit als Ökomodell bekannt ist. Das Überangebot an Brachland ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass jene, die am Lautesten von Nachhaltigkeit reden, faktisch am wenigsten Ahnung haben, wie man echten Umweltschutz mit wirtschaftlichem Mehrwert verbindet. Besonders in Sambia, einem Land mit wiederum eigener wirtschaftlicher Dynamik, hätte Lukanga das Zeug dazu, ein Bollwerk für wirtschaftliches Wachstum zu werden, das jedoch konsequent ignoriert wird.
Ein weiteres tragisches Zeugnis für Missmanagement und das Fortwirken bewährter Workshop-Rhetoriken. Statt handfester Pläne gibt’s endlose Konferenzen. Da sind wir bei der größten Tragik des Sumpfgebiets: Es erinnert uns schmerzhaft daran, dass Wohlstand möglich wäre, wenn nur die Bereitschaft bestünde, etwas über Good-Governance-Slogans hinaus umzusetzen.
An Zynismus mangelt es bei diesem Thema sicher nicht, dennoch ist es bitterer Ernst, dass diese wirtschaftliche Güte übersehen wird. Wenn Menschen sich mehr mit Schreibtischaktionen als mit praxisorientierten Lösungen brüsten, erhält man eine Situationsanalyse wie die im Lukanga Sumpf: gut gemeint, nie realisiert und auf jeden Fall eins für die Geschichtsbücher.
An diesem Punkt des Artikels kommt man nicht umhin, jene infrage zu stellen, die sich mit den schönsten Konzepten rühmen. Wenn es um die wahre Umsetzung geht, bleibt die Frage bestehen: Wer übernimmt Verantwortung? Ganz sicher nicht die, die ihre Reden mit Plattitüden überziehen und auch nicht jene, die Strategien forcieren, die keine echten Resultate zeigen.
Lukanga Sumpf bleibt eine ausgelassene Gelegenheit. Ohne echte, praktische Ansätze für nachhaltige Entwicklung verschwindet das Potenzial für Versprechen in einem Sumpf von Unterschriftenmappenjägern und Komissionsjägern. Stellen wir uns ein Afrika vor, das tatsächlich seine natürlichen Ressourcen effizient kontrolliert und sie nicht nur zwischen ambitionierten, aber feigen Staatsempfängen versteckt. Nur dann würde dieser Sumpf nicht länger das Gesicht einer verpassten wirtschaftlichen Gelegenheit sein.