Manchmal sind es die Herren mit Schirm und Zylinder, die für richtig Sturm sorgen. Louis Westenra Sambon, ein heute weniger bekannter Name, war ein britisch-italienischer Arzt und Zoologe, geboren 1867 in Mailand, der die Medizin und Wissenschaft der damaligen Zeit mächtig aufwirbelte. Er beschäftigte sich intensiv mit Tropenkrankheiten, die zu seiner Zeit von den politisch-korrekten Salons von London bis Neapel heiß diskutiert wurden. Seine genauen Beobachtungen, fundierte Forschungen und—oh Schreck—seine unerschütterliche Bereitschaft, dem Mainstream zu trotzen, machten ihn zu einem Kämpfer gegen das Establishment der Wissenschaft, lange bevor das in Mode kam.
Der gute Herr Sambon machte sich besonders einen Namen durch seine Arbeit zur Malaria. Während alle in der Welt der Medizin mit dem Finger auf Sümpfe und schlechtes Wasser zeigten, hatte Sambon die Nerven, einfach mal zu behaupten, dass Mücken die wahren Übeltäter seien. 1900 konnte er, zusammen mit anderen Vorreitern seiner Zeit, nachweisen, dass es die stechenden Mücken sind, die die Malaria übertragen. Nicht irgendeine mysteriöse Luft, nicht der alte Fisch im Hafen, sondern simple Mücken – wie banal! Sambon schien Regeln zu brechen, einfach indem er die Wissenschaft und Beobachtung als seine Waffen nutzte. Etwas, das heutzutage im Meer von willkürlich aufgestellten Wortgespinsten oft zu kurz kommt.
Jetzt könnte man meinen, dass ein Mann mit solchen Leistungen überall auf Schulterklopfen und Bewunderung stößt. Ganz und gar nicht! Viele aus der wissenschaftlichen Community waren wenig erfreut. Sie hielten an ihrer Theorie fest wie ein Hund an seinem Knochen. Neue Ideen erfordern Mut, und Sambon hatte diesen Mut. Der konservative Geist, den er verkörperte, manifestierte sich auch darin, dass er sich gegenüber dem Druck des akademischen Establishments behauptete. Und das nicht nur, um Karriere zu machen, nein, aus einem tieferen Bedürfnis heraus, die Wahrheit, wie er sie sah, ans Licht zu bringen.
Sambon verfasste zahlreiche Artikel und hielt Vorträge, die weite Kreise zogen. Er bereiste mit einem fundierten Plan Afrika, um vor Ort Studien über tropische Krankheiten zu machen. Niemand kann ihm vorwerfen, er habe im Elfenbeinturm gesessen und Theorien nach Belieben ausgedacht. Dieser Mann war auf dem Feld unterwegs, unter arktischer Sonne, in brütender Hitze. Er ließ sich nicht von den amüsanten Theorien aus dem wohltemperierten London ablenken. Was für eine praktische Herangehensweise in einer Zeit, in der viele Theoretiker vor lauter Überlegenheit kaum mehr raus aus ihren Lehnstühlen kamen.
Ein weiteres Highlight seiner Karriere war seine Arbeit an der sogenannten "Roma-Konferenz" 1909. Dort föderte Sambon den Kampf gegen die Sandfliege als Überträgerin der Leishmaniose voran. Sie wäre dem Establishment in Europa liebend gern entwischt, denn zugegeben, wer will schon gerne akzeptieren, dass kleine Fliegen so viel Unheil anrichten können? Aber unser Mann Sambon blieb seiner konservativen Linie treu - er nannte die Dinge beim Namen, und das auch noch auf internationalem Parkett!
Zudem versuchte er, bei der Prävention von Krankheiten neue Standards zu setzen. Der brillante Mann sprach von Schutzmaßnahmen gegen Insektenstiche, wie dem Tragen von Moskitonetzen. Nicht weil es das neueste Abenteuer-Accessoire war, sondern weil es das offensichtlich Logischste in einer Welt voller arroganter Ignoranz war.
Sambon schrieb gegen Ende seiner Karriere einige sehr einflussreiche Werke über Parasiten und versuchte – gelinde gesagt in äußerst ungemütlicher Manier für gewissen verbohrte Köpfe – die von akademischen Liberalen geliebte romantische Vorstellung natürlicher Harmonie zu hinterfragen. Vielleicht ist das der Grund, warum er heute nicht mehr allzu oft in Geschichtsbüchern auftaucht. Es ist kein Geheimnis, dass man lieber an „freundliche Naturgeister“ glaubt, anstatt Parasiten die Bühne zu überlassen. Fakt ist, Sambons Methoden und Ansichten veränderten die Herangehensweise an die Tropenmedizin nachhaltig.
Man darf nicht vergessen, dass Sambon auch maßgeblich an der Verbreitung des Verständnisses über Gelbfieber und Darminfektionen unter den Kolonisatoren in Afrika beteiligt war. Während es herzlich einfach wäre, solchen Tatsachen mit politischer Korrektheit aus dem Weg zu gehen, erkannte Sambon die simple Wahrheit: Wissen schützt nicht nur, es rettet auch Leben. Und das auch noch ohne Geschwafel! Wieder mal ein Schlag für diejenigen, die lieber darüber diskutieren, statt zu handeln.
Sambon starb 1931 in London. Doch seine Arbeit lebt weiter. Er hinterließ ein Erbe, das auch in einer heutigen, politisch überkorrekten Welt, sein richtiges Maß an Aufmerksamkeit verdient. Sambons Erfindungsgeist und seine Weigerung, sich von ideologischen Barrieren einschränken zu lassen, machen ihn zu einem Mann, der in Zeiten von Diskursen und Diskussionen auf Twitter klipp und klar sagen würde: „Versteht die Fakten und geht raus in die Welt, um sie zu verändern.“ Und exakt dieser Pragmatismus könnte uns in der heutigen Gesellschaft gut tun.