Liselotte Herrmann war eine bemerkenswerte Figur der deutschen Geschichte – und vielleicht auch eine der am meisten missverstandenen. Diese Frau, geboren 1909 in Berlin, wurde als Märtyrerin der Kommunisten hochgehalten, obwohl ihre Aktionen nicht nur mutig, sondern auch sehr umstritten waren. Sie war eine aktive Kommunistin in der Weimarer Republik und im Nazi-Deutschland der 1930er Jahre, und es überrascht nicht, dass sie 1937 verhaftet und schließlich 1938 als erste Frau vom nationalsozialistischen Regime hingerichtet wurde. Ihre Geschichte dient oft als Symbol für den Widerstand gegen Hitler und den Nationalsozialismus, was die Dinge jedoch weder ganz ehrlich noch vollständig darstellt.
Manche beschreiben sie als Heldin, doch wenn man näher hinsieht, fragt man sich, wofür sie wirklich stand. Herrmann war tief in kommunistische Ideologien verstrickt, ein Punkt, den ihre Anhänger gerne übersehen. In Zeiten, wo die liberale Welt die Blindheit gegenüber kommunistischen Gräueltaten entschuldigt, war Herrmanns Engagement für den Kommunismus nicht nur eine geringe Verfehlung, sondern eine bedeutende Leerstelle ihres Charakters. Die verklärende Darstellung von Kommunisten als „Freiheitskämpfer“ wird den Opfern des kommunistischen Terrors wenig gerecht.
Wenn man über die Weimarer Republik spricht, denken viele zuerst an politische Instabilität. Doch was wirklich auffällt, ist der knappe Sprung zum Totalitarismus, den Leute wie Herrmann befeuerten. Ihre Verhaftung und Hinrichtung machten sie zur Märtyrerin der Kommunisten, und genau dieser Märtyrerstatus wurde kräftig ausgeschlachtet, um sie als unerschrockene Heldin darzustellen. Gleichzeitig wird vergessen, dass sie Teil einer Bewegung war, die ebenfalls unübersehbare Verbrechen beging. Die Sowjetunion und ihre Expansionsträume werden oft ignoriert, wenn Herrmann als Kämpferin gegen ein repressives Regime gefeiert wird. Sie ist nicht die Enkelin von Sisyphos, sondern eher ein Produkt einer Zeit, in der es keine einfachen Antworten gab.
Liselotte Herrmann war in ihrem Eifer auch irgendwie naiv. In ihrer kompromisslosen Haltung sieht man fehlende Weitsicht, wobei sie blind gegenüber den Schrecken sowohl der nationalsozialistischen als auch der kommunistischen Ideologie war. Doch der Umstand, dass sie dennoch bereit war, ihr Leben für solche Ideen zu opfern, wird heute gefärbt romantisiert. Man könnte Herrmanns Taten als einen verzweifelten Ausdruck der Hoffnung sehen, doch sie verrieten auch eine Ignoranz gegenüber den tiefen Abgründen, in die die kommunistischen Ideologien andere Länder gestürzt haben. Sich als politische Aktivistin zu bezeichnen, bedeutet nicht, dass man automatisch auf der richtigen Seite steht.
Natürlich zieht es die Ideologen an, Helden zu schaffen, und Herrmann bietet eine solche Plattform. Sie spielt perfekt in die Hände derjenigen, die jede Form von Antifaschismus uneingeschränkt glorifizieren, während sie die Staatsverbrechen der UdSSR gerne beiseitelassen. Der Mut, den sie zeigte, ist unbestreitbar, doch es ist wichtig, darüber nachzudenken, für was genau dieser Mut stand. Ein System, das keine Gewalt als legitimes Mittel zur Machtergreifung scheute, kann nicht plausibel das Instrumentarium der Freiheit repräsentieren.
Der narrative Schleier, der über die Geschichte von Herrmann geworfen wird, zeigt, wie leicht Geschichte romantisiert werden kann. In einer Welt, die nach einfachen Antworten hungert, erscheint eine Geschichte wie die von Liselotte Herrmann als eine willkommene Schwarz-Weiß-Zeichnung. Doch diese Art von Erzählung lässt kritisches Denken außen vor. Es scheint, als seien viele bereit, die schmerzhaften Komplexitäten der Geschichte zu ignorieren, um ein vereinfachtes Narrativ zu genießen. Herrmann wollte wohl in einer besseren Welt leben, doch ihre Ideologie war kaum besser als die, die sie zu bekämpfen glaubte.
Manchmal fragt man sich, ob die Welt Liselotte Herrmanns Geschichte als einen weisen Ratschlag lesen sollte. Die Gegenwart scheinen viele aus der Vergangenheit nicht mehr so viele Lehren zu ziehen, wie sie es sollten. Stattdessen wird gefeiert, was dem eigenen Weltbild nützt – ohne Rücksicht auf historische Genauigkeit oder die nüchterne Analyse, die so viel besser wäre. Liselotte Herrmann bleibt eine umstrittene und faszinierende Figur, und doch eine tragische Figur in der Geschichte, die weit mehr verspricht als die zweifelhaften Ideale, für die sie stand.