Wenn es um die schmerzhafte Realität der Moderne geht, führt kein Weg an "König des Schmerzes" vorbei, einer provokativen Erzählung, die heutzutage selten unkommentiert bleibt. Geschrieben von Andreas Altmann, erschienen 2011 und kaum gealtert, spiegelt es ein Leben voller Extremerfahrungen wider, das uns unwillkürlich die Frage stellen lässt, warum Menschen dazu neigen, sich selbst in Leid zu suhlen. Wer sich nach einer bunten Disney-Geschichte mit Happy End sehnt, ist hier definitiv fehl am Platz.
Was Altmanns Werk von anderen abhebt, ist seine schonungslose Ehrlichkeit und der Mut, den Finger in die Wunden unserer Wohlstandsgesellschaft zu legen. Anstatt den Leser mit Zuckerwatte zu verwöhnen, serviert er bittere Wahrheiten, die vielen sauer aufstoßen dürften. Hier geht es nicht nur um persönliche Schmerzen, sondern auch um gesellschaftliche Verfehlungen - für die einige eine rosarote Brille brauchen, um sie zu ignorieren.
Altmanns Kindheit war alles andere als gewöhnlich. Er zählt beklemmende Erlebnisse auf, die wie ein sprichwörtlicher Schlag ins Gesicht wirken. Nicht um Mitleid zu erheischen, sondern um eine Abhandlung darüber zu präsentieren, wie die menschliche Psyche unter extremen Bedingungen gedeiht oder verkümmert. Die Frage lautet nicht, ob man mit ihm mitfühlt, sondern ob man die Augen davor verschließen kann.
Außerdem lässt Altmann kein gutes Haar an der postmodernen Gesellschaft. Satte Wohlstandsbäuche, die nichts als schamlosen Hedonismus und Oberflächlichkeit verkörpern, kriegen ihr Fett weg. Wer sich den unbequemen Tatsachen nicht stellen mag, sollte einen Bogen um "König des Schmerzes" machen. Hier ist kein Platz für sensitive Schneeflocken.
Während das Werk für klar denkende Köpfe wie ein frischer Wind wirkt, empfinden andere es als unerträglich und zynisch. Der Beweis dafür, dass die Wahrheit manchmal einfach nicht zu ertragen ist. Vielleicht, weil es einfacher ist, in einer Traumwelt zu leben, in der alles wunderbar ist und niemandem etwas zugemutet wird, was das eigene Selbstbewusstsein in Mitleidenschaft zieht.
Die unverblümten Geschichten, die Altmann erzählt, sind auch ein Spiegel für diejenigen, die noch nicht erkannt haben, dass das wahre Leben anders aussieht als die sozialen Medien und allabendlichen Fernsehillusionen. Mit jeder Seite wird klarer: Manche wünschen sich eine heile Welt, während andere, wie Altmann, einen erschütternden Realismus präsentieren, der weder Platz für Pauschallösungen noch für bequeme Ausflüchte lässt.
Man könnte beinahe sagen, dass "König des Schmerzes" ein Aufschrei gegen die pseudo-liberale Kultur ist, die lieber Probleme unter den Teppich kehrt als sich ihnen zu stellen. Doch keine Angst, es gibt für alles eine Pille, die die Realität verblassen lässt, nicht wahr?
Inmitten all der Offenbarungen ist Altmanns Schreibstil dennoch poetisch. Es ist eine Kunst aus der Feder eines Mannes, der sich weigert, in einer fantasievollen Seifenblase zu verharren. Wenn man so will, ergibt sich daraus das Bild eines Künstlers, der das Malen mit grellen Farben verweigert.
"König des Schmerzes" wird nicht jeden Geschmack treffen. Und das ist gut so. Manchmal müssen wir uns der Realität stellen - auch wenn sie unbequem und unpoliert daherkommt. So bleibt es jedem selbst überlassen, ob er diese Art von Literatur ignoriert, nur um sich weiterhin in einer Komfortzone zu verstecken, oder ob er sich traut, einen schmerzlichen, aber aufschlussreichen Blick in die Welt von Andreas Altmann zu werfen.