Der Film König der Zigeuner, gedreht 1978 in den USA, ist ein cineastisches Spektakel, das Sie auf eine nostalgische Reise ins Amerika der 70er mitnimmt. Mit seiner lebhaften Inszenierung makabrer Familienkonflikte, in denen Blut mehr zählt als Wasser, lässt der Film keinen Zentimeter Raum für falsch verstandene politische Korrektheit. Hier sieht man Eric Roberts in seiner ersten Hauptrolle und bereits damals zeichnete sich ab, dass dieser Mann mehr Kanten hat als ein Berggipfel. New York City dient als verdeckter Star der Kulisse in Michael Cimino's Klassiker. Warum das alles? Vielleicht, weil der Film in einer schamlosen Direktheit und Härte über das stolze Zigeunerreich berichtet und kaum dem Erwartbaren folgt.
Dieser Film ist ein Fest für Freunde des unzensierten Hollywoods. Intrigen, Verrat und rivalisierende Clans sind nicht nur Zutaten für die Spannung, sondern stehen metaphorisch für das Chaos jener Zeit - ein Chaos, das so fehlt im kanalisieren Worte-Salat der sogenannten modernen Unterhaltung. Die Protagonisten haben Tiefgang und Komplexität, die vielen heute neu erscheinen dürften. Da wird der gesellschaftliche Aufstieg schnell zum Fall; eine Analogie, die besonders den heutigen, selbst ernannten 'sozialen Kriegern' den Spiegel vorhalten könnte.
Erzählerisch spielt König der Zigeuner auf einer doppelten Ebene, die heutzutage fast vergessen scheint: Die Kunst der subtilen Erzählung trifft auf eine ungeschminkte Offenheit. Während andere heute versuchen, Konturen weichzuzeichnen und jegliche potentielle Kontroverse aus der Kunst zu streichen, ist dieser Film kompromisslos. Hier wird nichts weich gespült oder durch den Mainstream-Hüter-Filter gezogen. Diese Haltung sollte bewahrt werden, besonders in einer Zeit, in der das Bedürfnis nach faktischer Authentizität an der weichen Schale politisch korrekter Phrasendrescherei knabbert.
Was die Darsteller betrifft, sind Richard Crenna und Shelley Winters sowieso über jeden Zweifel erhaben. Sie geben der Geschichte einen Intellekt und eine Schwere, die vieles aus den Schatten der Bedeutungslosigkeit hebt. Ihre Leistungen sind nicht nur Glanzlichter des Films, sondern auch deutliche Statements über die damals noch ungetrübte Spielfreude im amerikanischen Filmgeschäft. Während das heutige Showbusiness des Geldes und nicht des Talentes wegen existiert, waren Darsteller wie Crenna und Winters eine Freske der handwerksbezogenen Hingabe.
Ein weiteres Highlight ist zweifellos der ungeschönte Blick auf die amerikanische Gesellschaft und ihren Umgang mit Außenseitern. Hier wird kein kitschiges Bild präsentiert, sondern eine ehrliche Nachbildung der damaligen Verhältnisse. Das verleiht dem Film eine Aktualität, die damals wie heute provozierend wirkt und gern verschwiegen wird.
Für einen echten Erneuerungsversuch in der cineastischen Landschaft braucht es Produktionen wie König der Zigeuner – einen Film, der sich traut, den Finger in die Wunde zu legen. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion bleibt für Kulturen substanziell wichtig, und genau in dieser Leistung brilliert der alte Klassiker. Ein Film, der das Potenzial hat, die Liberalgesinnten von heute auf die Palme zu bringen, während er gleichzeitig echte filmische Schranken sprengt.