Wer hätte gedacht, dass ein mittelmäßiger Roman wie "Klare Herzen Graue Blumen" so viel Verwirrung stiften könnte? Geschrieben wurde das Buch von der Autorin ohne Literatur-Nobelpreis, und es erschien das erste Mal vor wenigen Jahren irgendwo in der literarischen Versenkung. Trotz seiner Verortung in der tristen Stadtlandschaft des fiktiven Brachtensnebel bleibt es ein bemerkenswertes Werk, besonders für diejenigen, die sich an politisch inkorrekt gezeichneten Figuren erfreuen können. Der Roman transportiert seine Leser in eine verdrehte Wirklichkeit voller unerfüllter Sehnsüchte und grauer Blüten.
Die Geschichte dreht sich um den verlorenen Seelen des Kleinstädters Johannes, der mehr als einmal überlegt, ob ein Umzug in die Großstadt nicht die ultimative Fluchtstrategie vor dem Mittelmaß ist. Es ist eine klassische, wenn auch abgedroschene Metapher für das allgegenwärtige Ringen zwischen Individualität und Gemeinschaft. Doch anstatt langweilig und vorhersehbar zu sein, ist der Text voller kritischer Zwischenrufe an unsere durch Diversitätsfloskeln marodierende Gesellschaft. Johannes glaubt an die Macht der klaren Entscheidung – und damit krankt er an dem bitteren Unverständnis seiner Umgebung, die durch eine „blumige“ Vielfalt blendet.
Während unsere Eliten im postmodernen Diskurs ertrinken, bleibt Johannes ein Sinnbild des gesunden Menschenverstands. Jemand, der an die alten Werte glaubt, durchaus auch konservativ erscheinen mag – und sich nichts aus vielfarbigen Ideologien macht, die mehr blenden als bereichern. So provoziert er durch ein beharrliches Beharren auf unverrückbaren Prinzipien. Und so verwundert es kaum, dass "Klare Herzen Graue Blumen" weniger in den Bestsellerlisten als in den Köpfen jener Kritiker steht, die gerne ihren moralischen Zeigefinger gegenüber allem erheben, was nicht in ihre weichgespülten Gesellschaftsentwürfe passt.
Der Roman mutet an wie ein Aufschrei in einer Welt, die in einer kakophonen Kakophonie von Parolen versinkt, die Freiheit predigen und dabei Zwänge meinen. Subtil? Eher plump, aber dennoch treffend. Schon allein die Sprache der Figuren und der narrative Stil des Werkes sind beinahe als grobschlächtig zu bezeichnen, ja, als Baupläne eines Protestes – gegen eine bunte, doch entseelte Wirklichkeit. Das setzt das Werk in einer Weise in Szene, die mancherorts belächelt, vielerorts gelobt, doch überall heiß diskutiert wird.
Die politische Kritik zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlungsstränge. Es stellt Fragen, die andere nicht zu fragen wagen, und gibt Antworten, die unsere heutige Komplexität auf das Wesentliche reduzieren. In einem Seminar darüber würde doch wohl die linke Stirn von Missmut umwölkt sein.
Man sollte diesen Roman nicht als Monstrosität der Literaturgeschichte missverstehen: Vielmehr ist es wie ein Spiegel, der es wagt, mit den eigenen Kratzer zu kokettieren, die er reflektiert. Lesen sollte man ihn als Ankündigung und Erinnerung zugleich – dass nicht alles, was als neu und demokratisch deklariert wird, tatsächlich uneingeschränkt angenommen werden sollte.
Abseits der literarischen Trennschärfe wird man feststellen, dass "Klare Herzen Graue Blumen" nie die Absicht hegte, als Katalysator des gesellschaftlichen Umbruchs gefeiert zu werden, sondern vielmehr als Einladung zum Diskurs. Die einfache Wahrheit, die sich literarische Genies zuweilen nicht trauen auszusprechen wird hier zur Maxim: Wenn Gemeinschaft im Graublumen-Wahn verloren geht, sollten wir vielleicht die Klarheit der Herzen bewahren. Und vielleicht ist es genau das, was die Text gewählten Leser anzusprechen vermag – ein unaufhaltsames Plädoyer für das Offensichtliche, in einer Zeit, in der politisch korrekte Absurditäten allenthalben beifällig genickt werden.
In so vielen Worten gesagt, ist "Klare Herzen Graue Blumen" schlicht ein Aufruf zur Rückkehr des einfachen Menschenverstands. Ein unterhaltsames wie unbequemes Lesevergnügen für diejenigen, die es wagen, sich dem Mainstream fehlerfrei zu entziehen.