In einer Welt, die von Fast Food, Smartphones und liberalen Ideologien dominiert wird, ist die Vorstellung, dass Menschen auf einer kleinen Inselgruppe in der Südsee primitiv und dennoch außergewöhnlich gesund leben, fast schon provokant. Kitava, eine der Trobriand-Inseln, bietet ein Fenster in eine vergessene Welt – eine Welt, in der Herzkrankheiten, Diabetes und Fettleibigkeit praktisch unbekannt sind. Aber was genau macht diesen Ort so besonders und warum kann der Westen daraus nichts lernen?
Zunächst einmal ist Kitava liegt im Pazifischen Ozean, eine von diversen Inseln Papua-Neuguineas. Die Kitava-Ernährung besteht aus Süßkartoffeln, Taro, Fisch, Kokosnüssen und Früchten; und man fragt sich, wie diese simple Ernährung zu einer nahezu perfekten Gesundheit führt. Wenn es da nicht den Haken gäbe: Die Abwesenheit von Industrie und den damit verbundenen modernen „Errungenschaften“ unserer Zeit. Was hier zum Überleben genutzt wird, wird in unseren Breitengraden bereits als Paleo-Diät oder andere „neue“ Konzepte vermarktet, aber glaubt man wirklich, dass der Westen sich von den Kitava-Leben inspirieren lässt und Fast Food Ketten den Rücken kehrt?
Kitava hat den anthropologischen und gesundheitlichen Welten seit den Studien in den frühen 90er Jahren als Beweis dafür gedient, dass eine kohlenhydratarme Diät nicht automatisch der Schlüssel zu Gesundheit ist. Hier lebt kaum jemand in Bewegungsmangel. Körperliche Arbeit gehört zum Alltag. Überraschung! Gesundheit kommt nicht aus der Pillendose, sondern aus einem Leben, das fern von industriellen Einflüssen ist. Die Absurdität der modernen Gesellschaft liegt darin, dass man glaubt, mit Reklame gesunde Lebensmittel zu verkaufen, während alles, was nötig wäre, bereits in der Natur vorhanden ist.
In der westlichen Welt läuft man einem technologischen Fortschritt hinterher, der zu mehr Verlangen statt zu einem erfülltem Leben führt. Kitava zeigt, dass es hier nicht um Technologie oder den neusten Ernährungstrend geht, sondern um Simplizität. Das, was wir als Fortschritt ansehen – Drive-Ins, E-Scooter, Lebensmittelexpresslieferungen – das alles könnte als hypothetischer Rückschritt betrachtet werden, wenn man auf die Gesundheit der Kitavaner schaut. Ganz zu schweigen, dass der Mangel an psycho-sozialem Stress, der in unseren auf Effizienz getrimmten Metropolen fast epidemische Ausmaße erreicht hat, auf Kitava gar nicht bekannt ist.
Liberale könnten argumentieren, dass mehr Wohlstand und mehr Komfort zu mehr Zufriedenheit führen, doch stellt Kitava diesem Weltbild eine große Frage. Ist es wirklich Fortschritt, wenn dadurch die fundamentalen Basics eines gesunden Lebens zerstört werden? Hier ist die Trobriand-Insel ein perfektes Beispiel dafür, dass das bloße Vorhandensein bewährter alter Strukturen eine tiefere Zufriedenheit und Gesundheit fördern kann.
Nun, während der Rest der Welt mit Gesundheitskrisen ringt, sind die Herzen und Blutdruckwerte der Kitavaner stark und stabil. Dass Kitava heute noch mediale Aufmerksamkeit bekommt, liegt oft an der Erkenntnis westlicher Wissenschaftler, dass der Fortschritt nicht gleichbedeutend ist mit Gesundheit. Doch anstatt die Erkenntnis ernst zu nehmen, wird der Kapitalismus gewinnbringend verarbeitet.
Wie ironisch ist es, dass wir in unseren klimatisierten, rund-um-die-Uhr-Gesellschaften sitzen und Bücher über Paleo- oder intermittierendes Fasten lesen, während die Kitavaner, ohne jeglichen Zugang zu dieser Literatur, einfach genau das tun? Vielleicht, weil sie es nicht müssen. Vielleicht, weil sie einer authentischen Tradition folgen, die nicht durch äußere Einflüsse beschädigt wurde. Und lassen Sie uns nicht über den Fleischkonsum oder die Nutzung von Kokosnüssen sprechen. Sie können sich Bedrohungen ausmalen, doch es sind die einfachen, erzeugten Produkte der Natur.
Kitava dient als provokantes Beispiel dafür, dass das Streben nach Glück und Gesundheit durch konsumorientierte Ideologien der Moderne mehr ein schlechter Science-Fiction-Streifen ist als eine reale Möglichkeit. Ist das Inselleben wirklich eine Rückkehr in die „Steinzeit“, oder ist es ein Beweis dafür, dass wir in unserer Entwicklung zu viel über Bord geworfen haben? So bleibt Kitava ein unerforschtes Paradies, das zum Nachdenken anregen sollte – nicht über das, was es hat, sondern über das, was wir verloren haben.