Was passiert, wenn ein Jäger beschließt, sein Pachtgebiet mithilfe von Schusswaffen zu verteidigen, um die Konkurrenz auszuschalten? Willkommen beim spannenden Fall Keeble v Hickeringill, einem englischen Fallrecht-Klassiker aus dem Jahr 1707, der die Frage beantwortet, ob man mit Lärm und Schrecken Kontrahenten vertreiben darf. Der Schauplatz dieser juristischen Schlacht ist ein beschauliches Landgut in Hornsey, England, wo Mr. Keeble seine Ententeiche liebevoll hegte und pflegte, um mit dem Verkauf der gefangenen Enten ein kleines Vermögen zu machen.
Und jetzt die eigentliche Frage: Was brachte Mr. Hickeringill dazu, Mr. Keebles Erfolg mit Brachialgewalt zu vereiteln? Offensichtlich handelt es sich dabei nicht um den noblen Wettbewerbsgedanken, sondern schlicht um Vorversicherung gegen den Verlust der eigenen Geschäftsmöglichkeit. Liberale mögen behaupten, dass Konkurrenz belebt, aber hier sahen wir, welche Ausmaße Neid und Missgunst annehmen können.
Der Fall drehte sich darum, dass Mr. Hickeringill in der Nähe der Teiche seines Nachbarn patrouillierte und mit Gewehrschüssen Enten verscheuchte, um zu verhindern, dass sie in Mr. Keebles Falle gefangen würden. Der Schaden war offensichtlich – die Einkünfte von Mr. Keeble gingen zurück. Physische Gewalt war die eine Sache, aber hier wurde ein echtes Recht auf Besitz und Profit infrage gestellt.
Der berühmte Richter, Chief Justice Holt, entschied, dass Mr. Keeble im Recht war. Warum? Weil die böswillige Absicht von Mr. Hickeringill nicht nur unfair war, sondern auch das Markenzeichen eines selbstsüchtigen Charakters, der nicht bereit war, selbst die Arbeit auf sich zu nehmen, sondern stattdessen versuchte, den Markt zu manipulieren. Der Fall galt als Grundsatzfall für Eigentumsrechte und markierte einen Wendepunkt im alten englischen Zivilrecht, indem er bloße Wirtschaftsschädigung aus niederen Beweggründen unter Strafe stellte.
Was zeigt uns dieser Fall aus heutiger Sicht? Mittlerweile haben wir Regularien und Gesetzte, die solche Schikanen ahnden, doch der liberale Vorschlag, dass alles erlaubt sein sollte, solange es im Namen der Freiheit geschieht, scheitert spätestens an der Realität menschlichen Fehlverhaltens. Kompetenz und moralisches Empfinden sollten die Grundlage unserer Wirtschaft darstellen - und nicht klammheimliche Machenschaften und Intrigen.
Wertvolles Eigentum und die Freiheit, es zu verwalten, sind das Rückgrat unserer Zivilisation. Ansonsten könnten wir genauso gut in eine Welt zurückkehren, in der das Recht des Stärkeren (oder des Lauteren) vorherrscht. Was können wir von Keeble lernen? Wer denkt, er könne seine Konkurrenten einfach mit Billigmitteln ausstechen, hat nicht verstanden, was Ethos und Rechtsstaatlichkeit bedeuten. Abenteuerlich, ja, aber auch untrennbar mit der Grundidee von Recht verbunden – man muss nicht immer das lauteste Gewehr haben, um zu gewinnen.
In einer Zeit, in der Fairness nicht mehr nur politisch-korrekte Rhetorik, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit ist, erinnert uns dieser Fall daran, weshalb Gesetze geschaffen wurden: um die Schwachen vor den Starken zu schützen, die redlichen Geschäftemacher vor den schreienden Hammerschwingern, und um sicherzustellen, dass Talente und nicht Betrug den Weg nach oben ebnen.