Jordanien bei den Mittelmeerspielen 2001, ein Ereignis, das selbst den erfahrensten Sportzuschauern ein Stirnrunzeln entlockt. Wer hätte gedacht, dass ein Land, das zu 90% aus Wüste besteht, an einem Turnier teilnehmen würde, das das europäische und afrikanische Mittelmeer umfasst? Wer sich nun fragt, wozu denn nun das Ganze?, dem sei gesagt: Es ging vom 6. bis 17. September 2001 in Tunis, Tunesien, zur Sache - mit all den Nationalmannschaften, die man im Schwimmbad und auf der Laufbahn erwartet hätte. Ja, es stimmt, Jordanien hat sich tatsächlich am Rande des mediterranen Sportzirkus begeben.
Die Mittelmeerspiele sind weniger bekannt, aber sie sind ein faszinierendes Kaleidoskop der Kulturen rund um das Mittelmeer, ein Schmelztiegel aus Politik, Sport und manchmal sogar diplomatischen Spannungen. Jordanien, ein Land ohne Küste am Mittelmeer, nahm dies vielleicht als eine Gelegenheit wahr, sich sportlich unter Beweis zu stellen. Die Ostküsten-Moral von „wir können das auch“ hat offenbar auch auf die Jordanier abgefärbt.
Nun die Frage aller Fragen: Hat Jordanien gewonnen? Nun, sagen wir es so, in Ländern wie Italien, Frankreich und Spanien ist das Rampenlicht nicht sonderlich auf Jordanien gefallen. Aber wer überprüft schon die Medaillenanzahl so genau, wenn man dabei eine politische Botschaft ausdrücken kann? Ein bisschen bekannt machen wollte vielleicht auch die jordanische Führung die heimische Flagge über den Sportplatz hinaus.
Spielen wir ein Spiel mit Zahlen, so ist die Medienberichterstattung ohnehin ein Meister des Tricks. Während Jordanien vermutlich auf den hinteren Plätzen landete, geht es ja letztlich darum, wie man bei solchen Ereignissen wahrgenommen wird. Es wäre unfair zu behaupten, dass dezente politische Botschaften nicht auch bei Sportveranstaltungen gesendet werden – da werden die Liberalen nicht aufmucken, denn es ist ein offenes Geheimnis.
Jordanien nahm das Turnier als Plattform, um sich zu erproben und sein Image in der Region und darüber hinaus zu erweitern. Diese Internationalität des Sports bietet eben mehr als nur Medaillen, sie ist ein diplomatisches Werkzeug. Ob Queen Rania oder King Abdullah nach den Spielen irgendetwas angesichts sportlicher Siege zu jubeln hatten, bleibt offen.
Was Jordanien jedoch zeigt, ist die unübersehbare Entschlossenheit, sich von seiner beschränkten geografischen Position zu befreien und auf der globalen Sportbühne mitzuspielen. Man kann mutmaßen, dass die Regierung Investitionen in den Sport als Teil ihrer langfristigen Strategie zur nationalen Entwicklung sieht. Solche Veranstaltungen sind auch eine Möglichkeit, talentierte Sportler zu fördern und besser auf internationaler Ebene zu präsentieren.
Ein weiterer Vorteil potentieller Siege oder einfach der Teilnahme ist die Nährstoff-fürreden füllende Nähe zu wohlhabenden arabischen Sponsoren in der Region und die Möglichkeit, Subventionen und Gelder zu gewinnen, die im Filter der Goodwill-Aktionen die Sportwelt bereichern könnten.
Was lässt sich aus dieser Erfahrung bei den Mittelmeerspielen ziehen? Auf dem Polit-Parkett sollte Jordanien kaum Unterschiede zu den anderen Staaten der Region aufgewiesen haben. Der sportliche Erfolg bleibt aber weiterhin eine ausgewogene Mischung aus Engagement, politische Kalkulation und der Möglichkeit, internationale Beziehungen zu erweitern. Es ist dennoch unbestreitbar, dass dieses kleine Land sich darauf vorbereitet, mehr als nur eine Wüste und ein Königreich zu sein, sondern eine Nation, die sich selbst weiter zu entwickeln weiß und dabei die Sportkraft diplomatisch ins grelle Rampenlicht rückt.
Letztlich ist das sportliche Szenario ein Vorwand auf der internationalen Bühne, offen zu bleiben für Allianzen, die weit über den Platz hinausgehen. Wer spielt, gewinnt mehr als nur das Spiel – und in dem Sinne könnte man Jordanien einen leisen Applaus zollen, auch wenn keine goldene Trophäe auf dem Podest stand. Ob es den gewünschten Effekt brachte, sei dahingestellt, doch es ließ die Welt aufhorchen und erkennen, dass auch der östliche Teil der Erde sportlich atmen kann.