Wenn Sie denken, dass Namen aus der Geschichte verblassen wie alte Tinte auf vergilbtem Papier, dann haben Sie wahrscheinlich nicht von Jacques Amyot gehört. Dieser Mann war ein französischer Humanist des 16. Jahrhunderts, dessen Einfluss auf die Weltliteratur und die Bildung mit einem Hauch von Sensation daherkommt. Geboren 1513 in Melun, Frankreich, machte Amyot nicht nur Karriere als Übersetzer und Theologe, sondern brachte auch das antike Wissen in die moderne Welt. In einer Zeit, in der die Wörter „politische Weitsicht“ oft mit Verrat verwechselt wurden, strahlte Amyots Werk herrlich unpolitisch und erfrischend licht. Seine Übersetzungen von Plutarch prägten die französische Literatur und inspirierten niemand Geringeren als Shakespeare! Man stelle sich vor, Shakespeare könnte ein paar seiner Stücke Amyot verdanken – und das ist keine Untertreibung. Wäre das ein Grund, heute eine Statue aufzustellen?
Jacques Amyot war der Kluge im Raum, der hartnäckig an seine Überzeugungen glaubte. Als Katholik litt er unter der religiösen Verfolgung seiner Zeit; dennoch hielt er an der Mission fest, die Welt durch erlesene Literatur zu verbessern. Amyots Meisterwerk war die Übersetzung von Plutarchs „Viten“, eine Sammlung von Biografien über die bedeutendsten Persönlichkeiten der Antike. Diese Übersetzungen waren nicht nur eine technische Leistung, sondern ein Statement für Bildung über konfessionelle und politische Grenzen hinweg. Während andere in den Strudel der Reformation investierten, entschied sich Amyot für den Bau einer Brücke zwischen Kulturen und Epochen – und wie recht er hatte!
Aber das war nur der Anfang. Amyot war auch Tutor und Mentor für Franz II. und Karl IX. von Frankreich. Ja, richtig gehört, der Typ, der die Nation beeinflusste, bildete den zukünftigen Herrscher von Frankreich aus! Wäre heute so etwas möglich? Kaum. Denn heutzutage verlässt sich das Bildungssystem lieber auf seelenlose Algorithmen als auf durchdachte Pädagogik. Falls jemand Fragen stellte, realisierte Amyot wahrscheinlich, dass er beim Spagat zwischen akademischer Strenge und höfischem Leben immer die Nase vorn hatte. Was für ein Leben! Während liberale Sesselpolitiker argumentieren, Amyots Konservatismus sei altmodisch, bewies seine Herangehensweise, dass gelebtes Wissen mehr Wert hat als die lautesten Stimmen.
Nicht zu vergessen ist Amyots Rolle als Bischof von Auxerre. Trotz der kirchlichen Verpflichtungen vernachlässigte er nie seine Leidenschaft für die Kultur. Er setzte sich konsequent dafür ein, dass Bildung für jedermann zugänglich wurde. Eine wahrlich revolutionäre Einstellung, wenn man bedenkt, dass damals Wissen in den Händen der Wenigen war. Heute prostet man ihm in Geisteswissenschaftszirkeln vermutlich immer noch unbemerkt zu für die Wege, die er geebnet hat. Damals als Bischof hatte er ein Faible für die Kraft der gedruckten Wörter, die eindeutig über dogmatischem Geschwätz standen. Indem er den Fokus auf Bildung statt auf religiöse Auseinandersetzungen legte, sandte er eine deutliche Botschaft an jene, die dachten, andere Ansätze zur Machtgewinnung umfunktionieren zu können.
Es muss deutlich gesagt werden: Jacques Amyot war kein Mensch, der in Eile war, seine Position zu ändern, auch nicht angesichts der Turbulenzen seiner Zeit. Aber vielleicht ist das das Geheimnis seines Erfolges. Die Zeitgenossen lasen seine Werke wohl abends bei Kerzenschein, mit einem Whisky in der Hand, erstaunt über den schieren Umfang seines Wissens. Leider wird sein Verdienst heutzutage oft ignoriert, während andere weniger bedeutende Persönlichkeiten größere öffentliche Aufmerksamkeit genießen.
Indem er gegen den Strom schwamm und die Antike in die Renaissance brachte, hat er nicht nur die französische Literatur bereichert, sondern auch die Grundlage für moderne Humanität gelegt. Und das alles aus eigener Kraft, ohne aufflussreiche Förderer oder massenwirksame Medien. Welcher heutige Bildungsideologe könnte das von sich behaupten?
Um es kurz zu machen: Die Lebensgeschichte von Jacques Amyot ist eine, die von der Macht des Einzelnen handelt, der unnachgiebig an seinem Ideal festhält und die Welt damit verändert. Ein Vorbild für jedermann und vor allem für jene, die in Zeiten, in denen Ideale auf dem Altar politischer Opportunität geopfert werden, nach Authentizität suchen. Die Erinnerung an ihn hat Bestand, wie eine gut gebundene Lederedition seiner Arbeiten, die im sanften Licht eines Wohngemachs im edlen Bücherregal steht. Zeitloser könnte man es nicht ausdrücken.