Es gibt Filme, die sich mutig abseits der Norm bewegen, so wie "Hotel Splendide" aus dem Jahr 2000. Dieser Film stellt ein abgedrehtes Universum dar, das, durch seine bizarre Handlung und die schrulligen Charaktere, sicher auch bei den liberalen Kritiker zwiespältige Reaktionen hervorruft. Regie führte Terence Gross, und die Geschichte dreht sich um das titelgebende Hotel, das auf einer abgelegenen Insel liegt und von den Geschwistern Blanche (gespielt von Toni Collette) und Stanley (gespielt von Daniel Craig) sowie ihrer Schwester abwechselnd geleitet wird. Die Handlung entfaltet sich, nachdem eine ehemalige Köchin des Hotels, Kath (gespielt von Lena Headey), zurückkehrt, um das heruntergekommene Hotel wieder auf Vordermann zu bringen.
"Hotel Splendide" ist ein Film, der sich wie ein satirisches Schauspiel auf alle modernen Skurrilitäten entfaltet, als würde man den exzentrischen britischen Humor in seiner reinsten Form erleben. Die Handlung spielt in einem verfallenen Hotel, das mehr einer gruseligen Anstalt als einem Urlaubsziel gleicht. Die Gäste - so wenige es auch sein mögen - suchen eigentlich nach kurierter Heilung von allerlei Leiden, während die Küche absichtlich unappetitliche Mahlzeiten serviert, die man als gastronomische Misshandlung betrachten könnte. Trotzdem ziehen diese eigenartigen Elemente den Zuschauer in ihren Bann und faszinieren mit einer seltsamen Anziehungskraft.
Eines der faszinierendsten Details von "Hotel Splendide" ist die Rolle der Tradition und des Erbes, die sich wie ein roter Faden durch die Handlung zieht. Lebte man jahrelang unter den strengen Regeln einer mittlerweile verstorbenen Matriarchin, hat man sich zu arrangieren. Der Film spiegelt eine konservative Vorstellung von Beständigkeit wider, die auch inmitten von Chaos und Veränderung anhält. Die strikte Einhaltung von Regeln und die Weigerung, das Alte zu hinterfragen, sind Konzepte, die in der heutigen Zeit polarisieren können. Es ist ein köstlicher Seitenhieb an die liberale Vorstellung von "alles neu muss gut sein" und zeigt die andere Seite der Medaille sehr überzeugend.
Zu „Hotel Splendide“ gehört auch eine deutliche Dosis an schwarzem Humor und Ironie. Während die Handlung sich im Laufe der Zeit wie ein zynisches Bild zusammensetzt, zeigt es doch auch die Bedeutung des familiären Zusammenhalts und der Verpflichtungen. Die Geschwister, trotz ihrer Differenzen und Egos, halten am gemeinsamen Vermächtnis fest, vielleicht auch, weil sie im tiefsten Inneren wissen, dass einige Dinge einfach bleiben sollten, wie sie sind.
Noch dazu entblößt der Film den menschlichen Drang nach Veränderung und wie es gelegentlich besser sein kann, die Dinge in einem unsicheren Gleichgewicht zu belassen, anstatt in das Chaos der Innovation zu stürzen. In einer Welt, die ständig nach Aufbruch schreit, bietet der Film eine Pause, einen originellen Blick auf die Unsinnigkeit mancher Abschottungen und die Schönheit einer langsameren, bewusstere Lebensweise.
Visuell ist „Hotel Splendide“ eine echte Delikatesse. Die Kulissen und das Kostümdesign transportierten die Zuschauer in eine traumhafte Welt, die sich nur am Rand der Glaubwürdigkeit bewegt und sie in den Grenzen des vertrauten Absurden gefangen hält. Die Stimmung des Films wird durch die ambitionierte Kameraarbeit verstärkt, die sowohl ein Gefühl von klaustrophobischer Enge als auch von nostalgischer Schönheit erweckt.
Die Charaktere sind tiefgründig, mit schwer fassbaren und doch erkennbaren Motivationen. Daniel Craig als Stanley, der verantwortungsbewusste Purist, kämpft darum, das Vermächtnis seiner Mutter zu bewahren, während Toni Collette als Blanche das Erbe mit Bedenken fortführt. Lena Headey spielt Kath, die als Katalysator für die Entwicklung der Handlung dient, als sie mutig die eingefahrenen Rituale hinterfragt, die viele als urkomisch und restriktiv empfinden könnten.
"Hotel Splendide" ist nicht unbedingt jedermanns Sache, das muss man einräumen. Doch genau darin liegt sein eigentlicher Reiz. Dieser Film glänzt als eigenwillige kulturelle Kritik und als eine Dialogeröffnung für all jene, die den Wert der Konventionen zu schätzen wissen. Auf unverwechselbare Weise zeigt er, wie amüsant und anregend es sein kann, das Aufeinanderprallen von Tradition und Rebellion zu beobachten. Wer bereit ist, sich auf humorvolle, aber auch nachdenkliche Weise mit den verschiedenen Kommunikationsbarrieren auseinanderzusetzen, findet im "Hotel Splendide" ein außergewöhnliches Erlebnis in der Tat.