Honig (2010): Ein Film, der mehr verspricht als er hält

Honig (2010): Ein Film, der mehr verspricht als er hält

Ein Film, der mehr zu bieten verspricht als er tatsächlich hält: So könnte man das 2010er Drama *Honig* (im Original 'Bal') beschreiben, das von Semih Kaplanoğlu inszeniert wurde.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Ein Film, der mehr zu bieten verspricht als er tatsächlich hält: So könnte man das 2010er Drama Honig (im Original 'Bal') beschreiben, das von Semih Kaplanoğlu inszeniert wurde. In diesem dritte Kapitel seiner sogenannten 'Yusuf-Trilogie' entführt uns der Regisseur in die abgeschiedene Bergregion der Türkei, um das Leben eines kleinen Jungen namens Yusuf zu erforschen. Abgeschiedenheit, Tradition und Natur sind hier die Stichworte, die die Handlung dominieren. Unser Protagonist untersucht die Welt durch die Augen eines Kindes, das sich auf einer spirituellen Reise befindet. Der preisgekrönte Film, ausgezeichnet mit dem Goldenen Bären bei der Berlinale 2010, zeigt eine Realität, die so viele liebenswürdig finden, obwohl sie nicht mehr zeitgemäß ist.

Kaplanoğlu beweist, dass das Einfangen atemberaubender Landschaften allein keinen großartigen Film ausmacht. Der Film zieht sich in einem fast quälend langsamen Tempo hin, während die Charaktere wenig bis gar keine Entwicklung zeigen. Die Kritiker mögen den Film in den Himmel loben, weil er auf eine Weise an einen Zustand zurückblickt, der angeblich authentisch und roh ist. Doch dabei wird außer Acht gelassen, dass dieser Rückblick festgefahren in der Vergangenheit ist. Ist Stillstand wirklich wertzuschätzen, oder verherrlichen wir ein Bild der Natur, das in der heutigen Welt keine Rolle mehr spielt?

Es gibt keinen Zweifel daran, dass Honig wunderschöne cinematografische Momente bietet – aber das ist auch schon alles. Unser Held, der kleine Yusuf, beobachtet seinen Vater, einen Imker, während sie auf der Suche nach Honig sind, der in den Bäumen verborgen liegt. Die ruhige und geduldige Darstellung der Suche soll, so scheint es, den Zuschauer auf eine meditative Reise mitnehmen. Doch was bekommen wir tatsächlich? Eine aufgesetzte Form der Nostalgie, die die Schönheit über den realen Inhalt stellt.

Emotionale Tiefe? Fehlanzeige. Was als tiefgründiges Erzählen betrachtet wird, ist in Wahrheit ein Film, der zwischen Langeweile und Pseudointellektualität schwankt. Kaplanoğlu bedient sich einer Handlung, die mehr Fragen aufwirft als beantwortet, und das nicht um des Nachdenkens willen, sondern um eine Fassade von Komplexität zu bewahren. Auffallen tut hier nur die großartige Landschaft, die die wahre Heldin des Films sein könnte. Die Kritiker stürzen sich darauf, denn in ihren Augen spiegelt 'Bal' die spirituelle Reise eines Jungen wider, während in Wirklichkeit nur flaue Storyfragmente verstreut liegen.

All diese konservativen Stimmen, die sich so verzweifelt ihre alte Welt zurückwünschen, werden denken, dass dies wahre Kunst sei. Schließlich geht es um die Wurzeln, die uns mit unserer Vergangenheit verbinden sollen. In einer Welt, die so verändert werden will, sehen sie in Honig einen letzten Halt gegen den unerbittlichen Strom des Fortschritts. Doch ist dies wirklich der Weg, den wir gehen sollten? Sollten wir die Vergangenheit in ein filmisches Denkmal verwandeln, das besser im Museumsregal verbleibt?

Die Antwort liegt auf der Hand: ein klares Nein. Während der Film von vielen als Meisterwerk nach den Maßstäben des 'langsamen Kinos' gefeiert wird, vergessen zu viele nur allzu schnell die Notwendigkeit von Entwicklung und Veränderung. Dies ist ein Film für all jene Nostalgiker, die sich ihrer Gefühlswelt in einer filmischen Traumblase hingeben wollen, während andere längst in der Gegenwart angekommen sind.

Es kommt nicht oft vor, dass ein Film so hitzige Diskussionen hervorruft, wie dies bei Honig der Fall ist. Einige behaupten, dass der Film die Herausforderungen des Erwachsenwerdens verbildlicht, während andere das Gefühl nicht loswerden, dass er einfach nur langsam und anspruchsvoll wirkt. Am Ende bleibt es bei einem Werk, das es nicht wagt, über seinen eigenen Schatten zu springen, und ein altmodisches Bild der ländlichen Idylle hochhält, das von der modernen Gesellschaft längst überholt wurde.

Honig mag mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet sein, aber jenseits der Kinoleinwand entfaltet sich schnell die wahre Bedeutung eines solchen Films: ein Rückblick in eine Welt, der dringend ein Frischeschub der Moderne guttut. Für all jene, die noch an der Romantik von damals festhalten wollen, gibt es hier reichlich Material. Doch für jene, die in einem neuen Zeitalter angekommen sind, ist es nicht mehr als ein Relikt der Vergangenheit, das verstaubt, wenn wir es nicht endlich loslassen.