Im Jahr 2010 brachte der Film 'Gullivers Reisen' mit Jack Black erneut eine moderne Variante des berühmten Romans von Jonathan Swift auf die Leinwand – und was für ein Chaos das war! Jack Black spielt Lemuel Gulliver, einen arbeitslosen und naiven Postsortierer aus New York, der aus Versehen in das mystische Land Liliput transportiert wird, wo er ein Gigant für das kleine Volk der Liliputaner wird. Der Film versucht, in der heutigen Welt relevante Themen wie Machtmissbrauch, Gerechtigkeit und Anerkennung anzusprechen, stolpert jedoch über die Klischees moderner westlicher Moralvorstellungen.
Es fehlt nicht an kindischem Humor und einer Prise Selbstironie, jedoch leidet der Film stark an der gestreckten und flachen Storyline, die im Kontext einer politischen Satire eher enttäuschend wirkt. Die einst scharfsinnige Sozialkritik von Swifts Original wird hier zu einer plumpen Komödie verwässert, bei der sich alles um die „Früchte der Entdeckung“ und den amerikanischen Größenwahn dreht. Wer einen Film erwartet, der die kritischen Aspekte der menschlichen Gesellschaft so gekonnt trifft wie der alte Roman, der wird hier enttäuscht.
So viele Filme versuchen heutzutage, jedermanns Geschmack zu treffen, nur um dann bei niemandem so richtig zu landen. 'Gullivers Reisen' wirkt, als hätte der Regisseur mehr Freude daran gehabt, politische Witze zu machen, als eine kohärente Geschichte zu erzählen. Anstatt sich auf ein kohärentes Narrativ zu konzentrieren, rutscht der Film in eine episodische Struktur ab, die das Publikum mehr verwirrt als fesselt. Die uneinheitliche Mischung aus Fantasy, Comedy und Abenteuer ergibt ein Rezept für Augenrollen.
Der Film ist besonders spannend, wenn man sieht, wie er sich bemüht, die heutige übertriebene politische Korrektheit abzubilden. Die Liliputaner verkörpern eine Gesellschaft, die anfällig für Manipulation und Täuschung ist, was für unsere moderne Welt ein düsteres Spiegelbild darstellt. Während einige Zuschauer solche Botschaften inspirierend finden mögen, gibt es viele, die 'Gullivers Reisen' als typisches Beispiel eines Films sehen, der unter der Last seiner eigenen „politisch korrekten“ Ansprüche in die Knie geht.
Für diejenigen, die sich nach einem echten Abenteuer filmischen Erzählens sehnen, liefert dieser Film bloß oberflächlichen Spaß ohne echte Tiefe. Man kann es fast als Ironie betrachten, dass ein Film, der auf einem Werk basiert, das einst die Widersprüchlichkeiten und Absurditäten der menschlichen Gesellschaft angeprangert hat, jetzt selbst in die gleiche Falle tappt. Statt der scharfen Satire, die Fragen zu der menschlichen Natur aufwirft, serviert 'Gullivers Reisen' nur eine fade Brühe von altbekannten Gags und seichter Unterhaltung.
Zur Ehrrettung von Jack Black, er schafft es, wenigstens ein gewisses Maß an Charme und Humor in seine Darstellung einzubringen, was vielleicht noch ein bisschen rettet, was sonst schnell ins Bodenlose fallen würde. Doch das Gesamtbild bleibt trüb. In der modernen Filmindustrie, die sich ständig danach sehnt, alles für jedermanns Wohlgefallen zurechtzubiegen, ist es eine Herausforderung, einen Platz für scharfsinnige Gesellschaftskritik zu finden.
Vielleicht hätte man den Film im Sinne der Originalgeschichte mehr als ein luzides Stück Gesellschaftskritik entwickeln sollen, anstatt ihn unter den Erwartungsdruck einer modernen Mainstream-Komödie zu stellen. Die Chancen, dass dies der weltweiten Massen gefallen hätte, wären vielleicht gering, aber wenigstens hätte es bleibenden Eindruck hinterlassen können.
Abschließend ist 'Gullivers Reisen' von 2010 ein perfektes Beispiel dafür, wie zielloses Seichte im Gewand zeitgemäßer politischer Anliegen der Filmindustrie einen Bärendienst erweisen kann. Anstatt den Weg der subtilen Ironie und intelligenten Gesellschaftsspiegelung zu gehen, wird hier das abgenutzte, altbekannte Terrain des Slapsticks wiedergekäut. Ein Film, der, statt Interesse für die Geschichte zu wecken, doch nur langweilt. Denn am Ende bleibt eine Frage: Sollte nicht Kunst, insbesondere Film, über das hinausgehen und uns zum Nachdenken anregen und bewegen, anstatt nur als eine weitere Episode im Vergessen der Popkultur zu enden?