Warum Frankreichs neue Kommunikationspolitik ein Weckruf ist

Warum Frankreichs neue Kommunikationspolitik ein Weckruf ist

Frankreichs „Grafische Charta der Regierungskommunikation“ 2023 ist ein neues Kapitel in der Politik des Landes, mit dem Ziel, die staatliche Kommunikation zu vereinfachen. Es entfacht hitzige Diskussionen darüber, ob dies ein echter Fortschritt oder nur ein weiterer Schritt in Richtung Kontrolle ist.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Frankreich, ein Land, das gerne als felsenfestes Bollwerk des Liberalismus wahrgenommen wird, hat 2023 mit seiner „Grafischen Charta der Regierungskommunikation“ eine kleine Revolution in Gang gesetzt. Die hochtrabende Charta, die von der französischen Regierung in Paris erlassen wurde, soll offenbar Klarheit in der Komplexität der staatlichen Kommunikation bringen. Verärgerten Konservativen könnte dieser Schritt als verpasste Chance erscheinen - eine Gelegenheit, stabile Werte und Prinzipien wieder einzuführen, während die Liberalen sich an den Alpträumen ihrer eigenen Unübersichtlichkeit erfreuen.

Erstens, bleibt kein Zweifel: Das Herzstück dieser Charta ist die Vereinfachung. Ob das nun bedeutet, dass die Regierung den Bürgern nicht mehr zutraut, komplexe Sachverhalte zu verstehen, kann jeder für sich entscheiden. Sicher ist jedoch, dass eine klare Kommunikation angeblich das Vertrauen in die Regierung stärken soll. Ein nobler Ansatz, sollte man meinen, wenn man ignoriert, dass in der Vergangenheit häufig politische Klarheit und Komplexität als Synonyme für Transparenz galten.

Doch das ist nur der Anfang. Zweitens hat Frankreich klammheimlich beschlossen, dass es einen einheitlichen visuellen Stil braucht. In einer Welt, die Vielfalt feiert, setzt Frankreich also nun auf visuelle Monokultur. Statt sich in den bunten Wäldern des Marktes zu verlieren, bevorzugt es, auf der sicheren Betoncouch der Einheitlichkeit zu entspannen. Beten wir, dass die französische Bevölkerung sich daran nicht stößt.

Drittens geht es um die Frage der Erklärbarkeit. Jeder, der die französische Politik verfolgt, weiß, dass sie oft voll von Pomp und Prunk, ein sonderbares Spiel der Meta-Ebene ist. Doch gemäß dieser neuen Charta soll die Kommunikation nun „erklärbar“ werden. Wollen wir diesem Ansatz applausieren? Vielleicht. Dennoch könnte man meinen, dass eine Regierung mehr über Maßnahmen als über Erklärungen sprechen sollte.

Vierter Punkt: die Verbreitung. Die Regierung setzt stärker auf digitale Kanäle, was für die konservative Seele einen Hauch von Vernachlässigung der traditionelleren Medien bedeutet. Radiosender, bekannte Zeitungen, und warum nicht gleich die gute alte Post, drohen im digitalen Rausch zu verblassen. Während die Welt nach vorne stürmt, seziert Frankreich seine eigene Geschichte.

Fünftens: Transparenz. Ein immer wiederkehrendes Schlagwort, das angeblich Sicherheit verspricht. Doch, wie viel Transparenz ist zu viel? Werden die Wähler sich irgendwann nach Zeiten zurücksehnen, in denen weniger Wissen vielleicht mehr war? Dank der Charta können wir bald mit einem Übermaß an Informationen rechnen - was paradoxerweise zur Verwirrung führen könnte.

Sechstens möchte man den Wert der Mündigkeit erwähnen. Eine Regierung, die so kommunikativ ist, lässt möglicherweise ahnen, dass sie glaubt, ihre Bürger seien nicht in der Lage, sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Propaganda oder öffentliche Fürsorge? Das Spiel zwischen Klarheit und Bevormundung bleibt diffus.

Siebtens scheint die Charta auch neuen Wind in die Debatte über die „Republik in Gefahr“ zu bringen. Indem man die Menschen mehr und mehr in eine orchestrierte Informationsumgebung einsperrt, könnte man sagen, die Freiheit schwinde weiter.

Achtens, vergessen wir nicht die Entmündigung durch Standardisierung. Einheit wird hier in visueller und inhaltlicher Form verordnet. Wann hatten Demokratien irgendwann einmal einen guten Lauf mit starker Standardisierung?

Neuntens wird betont, dass Frankreich solidarischer werden soll. Nun ja, man könnte auch behaupten, Frankreich suche eher nach Sympathie als nach Solidarität, aber das ist vielleicht eine Ansichtssache.

Zehntens - und das ist ein Aspekt, den wirklich niemand ignorieren kann: Am Ende jedoch fragt man sich immer, ob hier mehr Symptom als Heilung geschaffen wird. Ist diese Charta nur ein Versuch, das Vertrauen in eine Regierung wiederzuerlangen, die sich zunehmend mit globaler Kritik konfrontiert sieht?

Widerstand ist unvermeidlich. Die Welt wartet gespannt darauf, ob diese Kommunikationsstrategie das hält, was sie verspricht – oder ob sie nur ein weiterer Monumentalbau auf dem Papier ist.