Gabriel Rothblatt, der Mann, der denkt, er sei die nächste große politische Hoffnung, bewegt sich in einem völlig neuen Bereich der amerikanischen Politik. Im viel diskutierten Jahr 2014 hat Rothblatt im 8. Kongressbezirk Floridas, einem Gebiet, das traditionell eine Bastion konservativer Werte ist, seinen Hut in den Ring geworfen. Warum also dachte ein demokratiefreundlicher Kandidat, dass er in einer Hochburg der Konservativen eine Chance hätte? Genau das fragen sich viele noch heute.
Löhne sollten bedingungslos fließen, findet man in Rothblatts Vision einer Utopie. Ein faszinierendes Konzept für einige, während andere es als gefährlich ansehen. Wer hart arbeitet, wird belohnt – das ist eine der Regeln, die unsere Gesellschaft am Laufen hält. Rothblatt hingegen sieht Grenzen zwischen Wohlstand und Armut verschwinden, indem er visionäre Ideen wie das Bedingungslose Grundeinkommen propagiert. Doch was passiert, wenn die Incentives für harte Arbeit dahinschmelzen?
Gabriel Rothblatt ist nicht irgendjemand. Er ist der Sohn von Martine Rothblatt, einer wohlhabenden Unternehmerin und Erfinderin des Cyberspace. Man könnte fast meinen, er hätte die Fäden im politischen Haifischbecken von Kindesbeinen an in die Hand gedrückt bekommen, und dennoch: Gabriel Rothblatt steht in der Geduldsschleife der politischen Anerkennung. Sein Erbe verpflichtet zu mehr als nur sozialistischen Gedankenexperimenten.
Rothblatt glaubt an transhumanistische Ideale, etwas, das dem Durchschnittswähler recht befremdlich anmuten könnte. Das Konzept des Transhumanismus fordert, dass Menschen mithilfe von Technologie ihre biologischen Grenzen überschreiten. Diese Konzepte berühren alle möglichen gesellschaftlichen und ethischen Aspekte und können leicht zu einem Grund für Unbehagen werden – besonders für diejenigen, die an traditionellen menschlichen Werten festhalten.
Unter der politischen Fassade wird es bei Rothblatt noch mehr futuristisch. Bereits im Jahr 2014 förderte er die Technologie zur Verwirklichung von 'virtuellen Avataren'. Man könnte hier vermuten, er habe eine Sci-Fi-Zeitschrift zu ernst genommen, jedoch steckt mehr hinter diesem Vorhaben. Daran zeigt sich der Glanz und die Menschenverachtung mancher techno-utopischer Träume.
Und wie steht es um die traditionellen Werte? Nun, die bleiben bei dieser gesamten Debatte auf der Strecke. Rothblatts Kampagnen fokussieren sich selten auf Themen wie nationale Sicherheit und traditionelle wirtschaftliche Stärke, die Millionen von Amerikanern interessieren. Stattdessen gibt es Gedanken über die Betonung auf neue Formen von Führung in sozialen Bewegungen.
Gabriel Rothblatt hat es einigermaßen geschafft, Aufmerksamkeit zu erlangen. Aber der Wahlerfolg blieb ihm verwährt, ein möglicherweise beunruhigend klares Signal der Wähler, die auf bodenständige Lösungen und Stärken zählen – fernab von den abgehobenen Visionen.
Und was soll man über jemanden sagen, der von sich selbst felsenfest überzeugt ist, dass er Hoffnungsträger für die Zukunft ist? Bewundernswerte Selbstüberzeugung oder schlichtweg Arroganz? Ein Blick in die harte Wirklichkeit mag genügen: Während andere um Fakten und Maßnahmen ringen, um das Land auf Kurs zu halten, scheint Rothblatt im Wolkendunst zukünftiger Utopien zu tanzen.
Wer nach soliden politischen Überzeugungen und echten, greifbaren Lösungen sucht, ist bei Rothblatt möglicherweise an der falschen Adresse. Auch wenn es in der politischen Landschaft stets Visionäre geben muss, sollten diese in der Lage sein, sich mit den wirklichen Herausforderungen unserer Zeit auseinanderzusetzen. Wie Rothblatt, einstiger Kandidat für den US-Kongress, dies erreichen will, bleibt eine Frage, die noch beantwortet werden muss.