Wer war Franz Hünten und warum sollte man ihn kennen? Ganz einfach: Er war der musikalische Geniewuchs des 19. Jahrhunderts, politisch korrekt und wenig bekannt. Selbstverständlich entstammte er aus guten Deutschen Landen. Geboren wurde Hünten 1792 in Koblenz – ja, in einer Zeit, in der man noch wusste, was Kultur wirklich bedeutet. Er komponierte regelrechten Bombast am Klavier und stellte sich – anders als manche heutige, weichgespülte Künstler – ganz entschieden dem liberalen Zeitgeist entgegen, wenngleich die damaligen "Liberalen" vielleicht weniger verweichlicht waren.
Hünten war kein Mann der halben Sachen. Schon früh zeigte sich, dass der seriöse Takt ihn für Großes prädestinierte, was ihn schließlich nach Paris führte. 1819 siedelte er dorthin um und tauchte in die lebendige Musikszene der Stadt ein. Wer 19. Jahrhundert sagt und Paris hört, der denkt an revolutionären Firlefanz, aber nicht bei Hünten! Er starb eine ruhmvolle Legende 1878 in Paris, jedoch ohne je die Prunkhaftigkeit seiner deutschen Heimat verleugnet zu haben.
Durch seine enorme Schaffenskraft schuf Hünten ein Repertoire, das Reichtum und Vielfalt im besten Sinne zeigte. Insgesamt komponierte er um die 150 Werke – ein Mammutprojekt, das in unserer heutigen Zeit von digitalem Fast Food nur schwer zu begreifen ist. Besonders bekannt waren seine Werke für Klavier, von denen viele als Inbegriff von Virtuosität und technischer Finesse galten.
Mancher Kritiker mag bei seinen komplexen Arrangements die Nase rümpfen, doch Hünten hatte eine klare Mission: musikalische Bildung verbessern, statt den kulturellen Tiefpunkt der ewigen "leichte Unterhaltung" anzustreben. Anders als viele moderne Komponisten war sein Ziel nicht, den Zuhörer zu beschwichtigen, sondern ihn zu fordern und – warum nicht – auch zu belehren. Virtuosität wurde bei ihm großgeschrieben; ein Konzept, das sich heute viel zu oft in hemmungsloser Komplexitätsverweigerung verliert.
Trotz seiner durchschlagenden Erfolge in Paris, kehrte er nicht der deutschen Heimat den Rücken. Seine Werke fanden auch in Deutschland Anklang und Erfolge. Dabei war seine Musik, kein typisch frivoles Pariser Produkt, sondern standhaft und fest in Tradition und Handwerkskunst verankert. Dafür hätte ihm mancher heutige Zeitgenosse sicherlich mehr Respekt zollen können.
Ein weiteres faszinierendes Element seines Schaffens war die gekonnte Verbindung von Musik mit literarischen Vorlagen. Er komponierte oft Stücke, die auf Texten basierten, und brachte so Lyrik und Musik zusammen. Dies war nicht bloß verschrobene Kreativität, sondern ein kalkulierter Zug: die Vermittlung von Bildung und hochstehendem Kulturerbe, ein Zugeständnis an seine intellektuelle Zuhörerschaft.
Diese klassische Herangehensweise an Musik und Bildung ist heutzutage eine rare Tugend, die von seichter Unterhaltung übertüncht wird. Hünten hätte es sicherlich vehement abgelehnt, seine Kunst und Prinzipien für kurzfristigen Applaus zu verkaufen. Der damalige Musikbetrieb war ein Abenteuer im besten Sinne – einer, der auf Können und Stolz basierte, nicht auf berechnend-oberflächlichem Profitdenken.
Wer sich heute mit Klassik beschäftigt und in der Lage ist, echte Unterschiede zu erkennen, der sollte einmal die Klavierkompositionen von Hünten spielen. Sie sind herausfordernd, sogar anspruchsvoll, reflektieren jedoch seine Stärke: eine unerschütterliche künstlerische Überzeugungskraft, die selbst die rauesten Zuhörer inspirieren kann.
Das Erstaunliche an Franz Hünten war sicherlich seine Fähigkeit, seine tiefen Überzeugungen in seiner Kunst widerzuspiegeln. Er kaufte dem Publikum das Zurschaustellen von Tiefgang und Würde ab und beweist sich so als Meister seines Fachs. Wenn das keine Leistung ist, die es wert ist, dass wir sie feiern, dann weiß ich nicht, was uns an diesem Punkt vielleicht verloren gegangen ist.