Flügel der Hölle ist sicher kein Name für eine gewöhnliche Sammlung. Diese Kunstkollektion entstand 2023 in Deutschland und das in einer Zeit, wo man sich ernsthaft fragen muss, ob die Vernunft nicht komplett aus der Mode geraten ist. Gezeigt wurden Werke, die vom recht leicht erregbaren Publikum als „provokant“ bezeichnet werden könnten. Klar, ein paar verstörende Bilder und Skulpturen können heutzutage schon landen, sogar im reichlich liberalisierten Kunstmarkt.
Flügel der Hölle ist also kein Zufallsprodukt. Kreiert wurde es unweit von Berlin, in einem ihrer progressiveren Stadtteile. Doch überrascht es eigentlich jemanden, dass solch dekadente Kunstwerke entstehen, wo immer mehr Künstler meinen, ein Schock wertet das Talent auf? Wer hätte gedacht, dass unter dem Vorwand der Kunstfreiheit faktisch alles erlaubt ist? Die Ausstellung Flügel der Hölle vereint das Absurde mit dem Ungeheuerlichen und das als Mittel zur „Erweiterung des Horizonts“. Behauptungen wie Kunst solle sensibilisieren, fanden hier ihren Extrempunkt und für viele eben auch ihren Endpunkt der Tragbarkeit.
Ein Blick auf die ausstellenden Künstler zeigt: sie sind hauptsächlich aus dem Establishment stammende Wohlstandsbürger. Offensichtlich gelangweilt von ihrem Leben, finden sie in Skandalen und Kontroversen die gewünschte Beachtung. In unserer entspannten und doch moralisch erschütterten Gesellschaft stehen diese Künstler bereit, uns zu erziehen und zum Denken anzuregen – mit Mitteln und Methoden, die stark hinterfragt werden sollten. Der Verzicht auf traditionalistische Werte in der Kunst läuft dabei auf Hochtouren. Etwas, das scheinbar immer mehr Anhänger findet, aber eben zu welchem Preis?
Einige der in der Ausstellung enthaltenen Werke vereinen groteske Darstellungen mit schockierenden Botschaften. Etwas, das Sie nicht unbedingt mit klassischer Ästhetik oder einem Gefühl der Bequemlichkeit in Verbindung bringen. Warum sollte man auch Schönes erschaffen, wenn der Schock regiert? Weit entfernt von der klassischen Bildhauerei und Malerei, die im Übrigen Kunstgeschichte geschrieben haben, steht diese Ausstellung symptomatisch für den Verfall von Werten. Warum denken Künstler, dass sie Menschen quasi erziehen müssen, indem sie Tabus brechen und Respekt unterwandern?
In den sozialen Medien erhielt Flügel der Hölle jede Menge Aufregung – nicht immer im positiven Sinne. Viele hätten sich gewünscht, dass dieses kulturelle Highlight nur in einer Nischenveranstaltung präsentiert worden wäre. Doch bekanntlich ist die beste Werbung immer die, die für Entrüstung und Widerstand sorgt. Es verstärkt die Besessenheit für Dinge, die man besser unberührt lassen könnte.
Skandalös ist ein viel zu milder Begriff für Flügel der Hölle. Einige Werke sind so explizit, dass sie wohl eher in ein zwischen zwei Deckeln verstecktes Buch gehören, als in lichterfüllten Räumen betrachtet zu werden. Manchmal fragt man sich, was Künstler geritten hat, um so gezielt auf Empörung, statt Bewunderung zu setzen. Ironisch, wenn man bedenkt, dass die Kreativität nicht durch das Brechen von Tabus, sondern oft durch ihre intelligente Nutzung zur Entfaltung gelangt.
Nachdem die Ausstellung das Licht der Welt erblickte, gab es keine Entschuldigung mehr für jeden, der glaubt, dass die Artszene durch Empörung wächst. Manche beschwindeln sich, indem sie behaupten, die Gesellschaft so zu einem besseren Miteinander führen zu wollen. Jedoch ist die konstante Missachtung von Normen kaum der Weg zur besseren Verständigung oder gar zum sozialen Frieden.
Es besteht kaum Zweifel daran, dass Flügel der Hölle mehr Fungierung für die Künstlerszene liefert, als für das Publikum. Klar, ein weiteres Beispiel eines Auswuchs der Dekadenz der Kunstwelt hinterlässt Bilder geblieben sind, die sich wie ein unbedarfter Anblick der Abgründe menschlicher Vorstellungskraft anfühlen. Und dabei werden jene Stimmen ignoriert, die behaupten, dass Konsum und Schocktherapie weder Alternativen noch Erklärungen für misslungene Kunst sind.
Das ewige Streben nach Provokation als ultimatives Mittel der Geistesanregung zeigen, dass es keineswegs um Qualität, sondern um Quantität des Schauflugs geht. Zahlreiche Kritiker mahnen die fehlende Substanz und die reißerische Ausrichtung solcher Sammlungen an. Bestrebungen dieser Art tun nichts, wenn nicht gar wenig, um den modernen Diskurs sinnvoll zu bereichern. Diese Praktiken hinterlassen nicht so sehr eine entschlossene und vor allem verständnisvolle Zuhörerschaft, sondern eher eine irritierte und ablehnende Masse.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Flügel der Hölle zu einer weiteren Herausforderung für die Kunstwelt geworden ist. Dabei Frage bleibt, ob wir solcher Art Ausstellungen in einer zunehmend entwurzelten und unzufriedenen Gesellschaft wirklich brauchen. Es dürfte eine ironische Wendung sein, dass Flügel der Hölle so manchen dazu bewegt hat, auf die Rückkehr zur wahren Kunst zu hoffen – jene Kunst, die sagt, ohne zu schreien, die zeigt, ohne zu beleidigen, und inspiriert, ohne zu entsetzen.