Der Februar 1917 begann nicht als ein gewöhnlicher Monat; er begann als der Monat, in dem das russische Zarenreich ein für alle Mal erschüttert wurde. Die sogenannte „Februarrevolution“ brachte das Ende der Romanow-Dynastie und ließ Russland in politisches Chaos stürzen. Wer hätte gedacht, dass ein paar Proteste in Petrograd, dem heutigen Sankt Petersburg, die Welt verändern würden? Die Revolution begann am Internationalen Frauentag, dem 23. Februar im julianischen Kalender, als Arbeiter auf die Straße gingen und gegen Nahrungsknappheit und das Elend des Ersten Weltkriegs protestierten. Ein historischer Wendepunkt war erreicht, als die Soldaten der kaiserlichen Armee das Feuer auf die Protestierenden einstellten und sich ihnen anschlossen. Wo kämpfen wir noch für Autorität? Nicht hier.
Es war ein dramatisches Schauspiel des Machtschwunds, als sich das russische Militär, anstatt die Proteste niederzuschlagen, gegen den Zar zu wenden begann. Innerhalb eines Monats war Zar Nikolaus II. abgedankt. Gesetzt den Fall, dass Sie glauben, Demokratie sei der wahre Weg - hier haben Sie den Beweis, dass Masse und Mob nichts besser machen. Die Übergangsregierung, die daraufhin die Macht übernahm, war eine Gruppe von Politikern, die ebenso erfolglos waren wie idealistisch. Dieses politische Machtvakuum bereitete letztlich den Boden für die bolschewistische Revolution im Oktober desselben Jahres.
Man möchte annehmen, dass Russland durch die Beseitigung der Monarchie Frieden gefunden hätte. Aber anstatt Stabilität brachte die Februarrevolution nur Ungewissheit. Es war, als ob Russland von einem brennenden Gebäude in ein Minenfeld gesprungen war. Die Vorstellung, gelungen ohne Monarchie zu sein, war nur ein flüchtiger Traum, der von den Bolschewiken jäh zerstört wurde.
Man kann nicht umhin zu bemerken, dass die liberale Elite jener Zeit in ihren elfenbeinernen Türmen saß und von Demokratie träumte, während das Land im Chaos versank. Das Volk, beraubt seiner alten Ordnung, fand sich bald inmitten von Ideologien und Wirrungen wieder, oftmals gelockt von Illusionen, die ganz anders endeten, als sie zu Beginn vorgestellt wurden. Die leninistische Marionettenregierung verursachte mehr Chaos als die gefallene Monarchie und machte sich daran, eine Diktatur des Proletariats zu installieren.
In der Februarrevolution spiegelt sich die brutale Realität eines Traums ohne Fundament wider. Der Wunsch nach Veränderung, gerechtfertigt oder nicht, hört sich in Reden oft ideal an, doch die Umsetzung ist alles andere als glorreich. Die Realität ist nicht in Schwarz-Weiß getaucht; sie ist oft in Grautönen der Tyrannei und dem Blut der Naiven geschrieben, die glaubten, dass Veränderung um jeden Preis besser sei.
Und ja, das ist der Punkt, der von modernen Ideologen vom Tisch gewischt wird: Eine Revolution, die blüht und gedeiht, indem sie die alten Strukturen einfach über Bord wirft, führt nicht immer zur Prosperität. Man könnte sogar meinen, dass die Geschichtslehre gesagt hat: "Erschlagt eure Könige nicht, wenn ihr euch des Dschungels nicht sicher seid."
Die Februarrevolution ist keineswegs eine Erfolgsgeschichte des demokratischen Wandels. Sie ist eine Geschichte der Unruhen, der Zerrissenheit und zeigt die gefährlichen Facetten eines rudimentären Wandels. Einer Wandlung, die mittels reinem Idealismus und dem Vernachlässigen der Realität schwelt und in den Flammen der Ideologie auflodert.
Betrachtet man die Ereignisse von 1917 aus der heutigen Perspektive, so stellt sich die drängende Frage: Hat die Revolution Russland gedient oder es in die Dunkelheit gestürzt? Eine Frage, die geradeaus auf die gegenwärtigen revolutionären Ambitionen zielt, die in der Welt um uns herum keimen. Einfach gesagt, die Februarrevolution ist kein kaiserliches Epos, sondern ein Protest, geboren aus Unzufriedenheit und vorgetragen bis zu den äußersten Grenzen der gesunden Vernunft.