Warum 'Fack ju Göhte 3' mehr ist als nur Klamauk

Warum 'Fack ju Göhte 3' mehr ist als nur Klamauk

'Fack ju Göhte 3' ist weit mehr als eine Klamaukkomödie. Diese deutsche Produktion von 2017 entfaltet kluge Gesellschaftskritik inmitten eines lärmenden Klassenzimmers.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Wenn überdeutlich wird, dass selbst Lehrer an unsere modernen Bildungssysteme verzweifeln, dann sind wir in der Welt von ‚Fack ju Göhte 3‘ angelangt. Dieser deutsche Kinohit aus dem Jahr 2017 holte das Publikum in Scharen ins Kino und hinterließ bei vielen einen bleibenden Eindruck – ob sie es zugeben wollen oder nicht. Regisseur Bora Dagtekin und Schauspieler Elyas M’Barek als Anti-Held Zeki Müller führen ihre Zuschauer durch ein Abschlussjahr voller Chaos und unverblümter Wahrheiten.

Die Geschichte spielt in einer bekannten Berliner Schule, der Goethe-Gesamtschule, die mit reichlich Klischees über die heutigen Bildungsstrukturen arbeitet. Diese Klamaukkomödie behandelt das letzte Jahr der chaotischen 10b-Klasse, die kurz vor dem Abitur steht. Klar, das ist eine Metapher für unser eigenes Bildungssystem – unfertige Schüler, überforderte Lehrer und ein Hauch von Anarchie machen dieses Umfeld zur Bühne einer ironischen Gesellschaftskritik.

Es ist kaum verwunderlich, dass „Fack ju Göhte 3“ sich an konservative Werte richtet: Der gekonnt als 'Held der Unmoralität' inszenierte Müller macht das, was viele Eltern - ja, viele Bürger - als zutiefst erfrischend empfinden: Er pfeift auf übermäßige politische Korrektheit, klare Regeln, und Verweichlichung. Die Schule bleibt hier ein Schlachtfeld, auf dem Generationenkonflikte, Bildungsdefizite und gesellschaftliche Belanglosigkeit aufeinanderprallen.

Man kann über den pädagogischen Wert streiten, doch dieser Film lehrt uns auf seine eigene Weise über Courage, Freundschaft und den Wert der individuellen Entfaltung. Ein wesentlicher Punkt ist die Frage danach, ob nicht selbst das „Kleinbürgertum“ die Nase voll haben sollte von dem Drang, jeden und alles gleich zu behandeln. Ja, der Film ist überzogen, aber das hat Methode – gesellschaftlicher Verfall ist eben nicht subtil.

Natürlich sorgt der Film auch für eine gehörige Portion Humor, die bei allem Ernst der Lage nicht verloren gehen darf. Wenn sich aber manch einer beklagt, dass diese Form der Unterhaltung das deutsche Kino „deplorabel” erscheinen lasse, dann irrt er sich gewaltig. Humor ist schließlich immer noch einer der besten Vehikel, um unbequeme Wahrheiten zu transportieren.

Doch was macht ‚Fack ju Göhte 3‘ aus konservativer Sicht so befriedigend? Er ist nicht nur ein Spiegel der Gesellschaft, sondern liefert auch eine handfeste Lösung: Werte sind wichtiger als akademische Abschlüsse. Ehrlichkeit, Mut und Tatkraft siegen über leere Versprechungen und politische Spielchen. Wenn ein Lehrer wie Zeki Müller den Unterschied macht, dann wirft das ein kritisches Licht auf die Hochmütigkeit des Bildungssystems, das sich hinter Zahlen und Statistiken versteckt und den wahren Wert eines Menschen ignoriert.

Sicher, Kritiker könnten argumentieren, dass der Ton manchmal zu grob und die Umsetzung zu unrealistisch sei. Doch genau das ist der Punkt: Es wird endlich Mal Nägeln mit Köpfen gemacht, ohne dass man für jede Kleinigkeit auf den Trampelpfaden der political correctness balancieren muss. Schenkt man dem System Glauben, so bietet der Film durch seinen humoristischen Ansatz einen neuen Blickwinkel.

Was dieser Film nicht bietet, ist eine Hommage an das sanftmütige Wohlfühl-Kino, das vielen zuwider sein dürfte. Nein, hier geht es darum, dass man sagt, was man denkt, auch wenn man dadurch aneckt. Das mutet manchen vielleicht unmodern an – aus konservativer Sicht ist es aber ein frischer, kühner Ansatz.

Auch die Entwicklung der Charaktere gibt dem Ganzen Tiefe. Es sind nicht die hochpolierten Idealkarikaturen, die diskutiert werden, sondern Schüler, die mit ihren eigenen Schwächen kämpfen. Dabei drängt sich die Frage auf, ob nicht ein wenig mehr Zeki Müller in Deutschlands Klassenzimmer gehöre.

Zusammengefasst lässt sich sagen, „Fack ju Göhte 3“ ist ein charmantes, überzeichnetes Durcheinander, das weniger filmische Leichtigkeit als vielmehr einen ernsten Subtext enthält, der mehr mit dem realen Leben zu tun hat als mancher glauben mag. Konservative könnten diesen Ansatz zur Gesellschaft und ihrem Durcheinander lieben, vielleicht ärgert das einige, aber das tut der Einsatz für eine bodenständige Diskussion über Bildung und Werte keinen Abbruch.