Wenn das Wort ‚Erwürgen‘ allein schon das Blut in den Adern gefrieren lässt, dann sollten wir mal darüber reden, wer, was, wann, wo und warum hinter diesem uralten Praxis steht. Historisch angewendet als eine Form der Hinrichtung, ermöglicht diese Methode bei Platon bis hin zu den Dramen Shakespeares einen tiefen Einblick in die menschliche Natur. Das Wer: Straftäter und Staatsfeinde. Das Was: Das Beenden eines Lebens per Strangulation. Wann? Seit es Menschen und Macht gibt. Wo? Überall von Europa bis Asien. Und Warum? Kontrollmechanismen einer Gesellschaft. Diese Methode war für so einige Machthaber ein praktisches Mittel im Werkzeugkasten der politischen Kontrolle.
Jetzt würden die meisten Menschen heutzutage behaupten, dass wir in einer fortschrittlicheren Gesellschaft leben, die über solch dunkle Kapitel der Geschichte hinausgewachsen ist. Aber hier sind wir, im Jahr 2023, und die Dinge haben sich nur dahin gehend verändert, dass die Methoden subtiler und die Köpfe gewiefter geworden sind. Man braucht nicht weit zu schauen, um zu sehen, wie moderne Techniken der Kontrolle den Geist benebeln. Man umschlingt heute nicht mehr den Hals mit einem Strick, sondern die Gedanken mit Narrativen, die keine Gegenlektüre erlauben.
Ein guter Blick auf manche Staatsoberhäupter könnte einen das Grinsen kosten, wenn wir merken, dass sich heute viel feinerer, aber inhaltsreicherer Techniken bedienen. Man könnte fast sagen, dass das alte Handwerk des Erwürgens nicht ausgestorben ist, sondern neu interpretiert wurde. Während Unsinn und Lügen weit verbreitet werden, zieht sich die Schlinge der Manipulation um die Köpfe der Massen, oft ohne dass sie es realisieren. Die Machtapparate, die wir heute strukturelle Hierarchien nennen, haben sich die Fingerfertigkeit angeeignet, wahrheitsverhüllende Schleier aus Halbwahrheiten und manipulativen Informationen zu weben.
Was die ‚freiheitliche‘ Welt ‚Meinungsfreiheit‘ nennt, gibt den Anschein einer Option, während der soziale Druck uns zum Schweigen in der vermeintlichen Zustimmung ersticken lässt. Ein falsches Wort und du bist der Nächste, der sozial erwürgt wird. Angst ist das ultimative Werkzeug und wird meisterhaft eingesetzt, um selbst die kühnsten Geister zum Schweigen zu bringen. Die kulturellen Nöte und sozialen Spannungen sind die heutigen Werkbänke, an denen das alte Werkzeug des Erwürgens liegt — für jeden sichtbar, aber von wenigen erkannt.
Das Phänomen des virtuellen Erwürgens zeigt sich, wenn fachkundig orchestrierte ‚Cancel Culture‘-Bewegungen gegen jeden verwendet wird, der es wagt, aus der vermeintlich liberalen Reihe zu tanzen. Die Kunst der Meinungsbildung ist übergegangen in die Praxis der sozialen Kontrolle. Der einstige Henkersstrick ist zu einer unsichtbaren sozialen Eisenkette geworden. Die Ironie heute ist folgende: Wir prahlen mit unserer geschichtlichen Erleuchtung, während die tatsächliche Aufklärung in Gettos der Ignoranz wandelt.
Hinter der Fassade der liberalen Wertvorstellungen lauert das moderne Erwürgen von Gesprächsbereitschaft. Reizvoll ist es, in der Euphorie des vermeintlich progressiven Denkens gefangen zu bleiben, während der wahre Fortschritt auf der Strecke bleibt. Leute werden systematisch mundtot gemacht — nicht durch physisches Erwürgen, sondern durch den erdrückenden Konsens einer vermeintlich klaren, unanfechtbaren Wahrheit.
Das fern von einem Blutbad entfernte Massaker am freien Denken findet ohne viel Aufhebens statt. Einige mögen mit dem Finger auf die von Geschichte geächtete Praktiken zeigen, ohne zu merken, dass sie selbst ein Opfer der neuen Taktiken sind. Eines der größten Versäumnisse unserer modernen Welt: die unbequemen Wahrheiten als Kollektiv zu verstecken, bis sie uns verschlucken.
Erwürgen, in seiner modernen Ausdrucksform, ist nur ein weiteres Kapitel der unausgesprochenen Geschichte der sozialen Kontrolle. Die Frage ist, ob die Gesellschaft diese Fesseln abwerfen kann. Oder ob das moderne Erwürgen, durch die Konstruktionen einer gehirngewaschenen Mentalität, dazu führt, dass wir schlicht und ergreifend nie wirklich unsere Stimme finden.