Der größte literarische Schwindel: Ern Malleys Schabernack!

Der größte literarische Schwindel: Ern Malleys Schabernack!

Ern Malley ist der größte literarische Schwindel, der je begangen wurde. Zwei Kritiker enthüllten in einem kühnen Scherz die Heuchelei und Dummheit der Literaturwelt in Sydney während der 1940er Jahre.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Kunst als Scherz, das mögen manche als liberal verunglimpfen oder gar lobpreisen, aber der Fall des berühmten australischen Literaturstreichs, Ern Malley, ist schlichtweg köstlich und exemplarisch für den intellektuellen Irrsinn eines überkandidelten Kunstverständnisses. Wer war also dieser „Meister der Leere“? Ern Malley, der große Dichter, den es nie gab, wurde 1943 von den Kunstkritikern James McAuley und Harold Stewart in Australien erschaffen, um die Unredlichkeit der modernen Poesie aufzuzeigen. In einer brillanten Aktion der literarischen Widerlegung strickten die beiden aus absichtlichem Nonsens jene Werke, die Liberale heute mit ihren gebleichten Nägeln verteidigen würden.

Es war in Sydney, wo unser literarischer Schvertreiber seinen Lauf nahm. McAuley und Stewart, beide konservativ und kritisch gegenüber dem modischen Experimentieren der Dada- und Surrealisten, waren darüber amüsiert, wie die Literaturwelt moderne Poesie blind bejubelte. Daher erfanden sie Malley – eine Allegorie des Hohnes und der Scharade. Sie füllten die Gedichte mit zufälligen Fetzen, Meinungen und einem guten Schuss Unsinn, wohl wissend, dass der intellektuelle Adel die „Werke“ bejubeln würde. Die gleichen Leute, die die Tradition untergruben und in jeder Tinte eine Botschaft der Rebellion sahen, verschlangen Malley mit leeren, intellektuellen Gelüsten.

Der Scherz, veröffentlicht im renommierten Magazin Angry Penguins – wie passend, ein Name, der Wut und kaltes Bauchgefühl in einem verbindet – entfachte eine Welle der Begeisterung. Konfrontiert mit dem literarischen Hochgefühl dieser erfundenen Verse, applaudierten Kritiker und Leser gleichermaßen, ahnungslos, dass ihre Verehrung nichts als das Produkt eines bösartigen Streichs war. Sätze wie „Das paläolithische Werkzeug in meiner Hand ist eine Fernbedienung für den leisen Kummer“ sind das, was man heutzutage als tiefgründige Lyrik preisen würde – tatsächlich aber eine verspottende Absurdität zwischen den Deckeln eines verdutzten Magazins.

Dies lässt die Frage aufkommen, was es über die intellektuelle Integrität der kulturellen Eliten aussagt, die sich über leere Hülsen und absurde angesammelte Metaphern ergießen. Der Fall Malley war eine Vorwegnahme der ganzen sozial-kulturellen Blase, die sich um „Progressives“ rankt, die das banale Grauen des Alltags mit bedeutungsloser Symbolik bemänteln. Die Hochstapelei zeigte auf, wie die Anbetung des Neuen und Provokanten blind für den Mangel an Tiefe und echter Bedeutung sein kann.

Doch was wirklich anstößig ist – zumindest für jene, die den Mut haben, sich aus den Federn der Selbstzufriedenheit zu erheben – ist, dass solch ein Streich wahrscheinlich heute noch erfolgreicher sein könnte. Stellen Sie sich vor, ein moderner „Ern Malley“ würde den Kunsthimmel erklimmen: Kritiker und intellektuelle Snobs würden jubeln, während ehrliche, fundamentale Werte weiter untergraben würden. Kunst, ein Ausdruck höherer Werte und menschlicher Erfahrung, verkümmert unter dem Vorwand der Losgelöstheit und Verworrenheit.

Auch nach der Enttarnung blieben Rachegelüste der täuschenden Redakteure aus. Anstatt die kritischen Denkfähigkeiten in Frage zu stellen, zeigte der Schwindel die offensichtliche Bereitschaft, Unsinn weitreichend zu akzeptieren – ein Zustand, der kaum geändert zu sein scheint. Hätte man erwartet, dass diese Enthüllung zu einer Besinnung führt, wurde man enttäuscht. Stattdessen lieferte Malley das Echo einer Kunstszene, die sich vom eigentlichen Ziel der Klarheit und Wahrheit entfernt hatte.

Tagtäglich erlebt man, wie die Wahrnehmung von guter Kunst durch modische Konzepte verdreht wird. Ern Malleys erfundene Gedichte waren ein Spiegel für diejenigen Kulturgourmets, denen der Geschmack selbst schon zur bitteren Ironie geworden war. Es verdeutlicht, wie Kunst für die, die echtem Wert nachjagen, zur Parodie verkam. Der Affront gegen die dumme Beharrlichkeit, das Abstruse in intellektueller Fassade zu würdigen, bleibt treffend.

Zum Schluss bleibt uns nur zu sagen – oder vielmehr zu fragen: Wieviele „Ern Malleys“ würde es heute benötigen, um aufzurütteln und intellektuelle Aufrichtigkeit wieder in den Fokus zu rücken? Der Schabernack wuchs zu einer Allegorie der Kunstkritik heran, die nicht nur damals verstörend war, sondern auch heute tief ins Herz der kulturellen Dialoge schneidet, die von politischer Korrektheit und allgemeiner Wahrnehmung der Kunst geprägt sind.