Das Erdbeben von Tuscania 1971: Ein Umbruch, der Italien erschütterte

Das Erdbeben von Tuscania 1971: Ein Umbruch, der Italien erschütterte

Wer hätte gedacht, dass ein kleines Städtchen in Italien die Politik der 1970er derart aufwirbeln würde? Das Erdbeben von Tuscania 1971 offenbarte nicht nur geologische Risse.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Wer hätte gedacht, dass ein kleiner Ort in der italienischen Provinz die politischen Debatten der damaligen Zeit derart aufwühlen würde? Am 6. Februar 1971 bebte in Tuscania die Erde mit einer Stärke von 4,9 auf der Richterskala. Ein Erdbeben, das zwar im Vergleich zu heutigen Katastrophen wesentlich milder erscheint, dennoch ein einflussreiches Ereignis in der italienischen Geschichtsschreibung darstellt. Insgesamt fanden 31 Menschen den Tod und über 100 wurden verletzt. Doch das hatte weitreichendere Auswirkungen als lediglich auf der Richterskala abzulesen war.

Zunächst einmal ist die Lokalität des Erdbebens von Interesse: ein kleines, historisches Städtchen, oft übersehen von den Touristenströmen, die sich lieber in die „großen Namen“ Italiens wie Rom und Florenz stürzen. In Tuscania jedoch fanden sich in jenen Tagen plötzlich nicht nur Geologen, sondern auch die Riege der italienischen Politik ein, die sich offenbar gezwungen sah, im Nachgang der Katastrophe durch das, was einige als "politische Show" bezeichnen könnten, Präsenz zu zeigen.

Der Wiederaufbau in Tuscania nach dem Erdbeben war ein Paradebeispiel schlechter Bürokratie, die vielleicht sogar manch eine Freudenträne bei zahlenfreundlichen Bürokraten ausgelöst haben mag. Die langsame Versorgung der betroffenen Bevölkerung mit Notunterkünften bis zur Freigabe nötiger finanzieller Mittel zog sich in die Länge. Hierbei schaute die Welt mit Argusaugen auf die italienische Regierung. Kein Wunder, dass die Sparmaßnahmen der damaligen Zeit den Menschen heute noch als grotesk erscheinen. Dabei könnte man sagen, dass die Ursachen und Umstände rund um das Erdbeben nichts anderes als eine Prophezeiung für die ineffiziente Art italienischer Politik war.

Um es klar zu sagen: An den tragischen Verlust menschlichen Lebens gibt es nichts zu beschönigen. Doch die Tragikomik der vor Ort eingetretenen Verhältnisse nach dem Erdbeben bietet genug Futter für Politiksatire. Während die politische Linke hier wohl die Gelegenheit sah, mit lautstarken Forderungen nach Reformen und höheren Subventionen den Mangel aufzufüllen, den ein echter, handfester Aktionismus hätte lösen können. Bewegung, die damals unbedingt nötig gewesen wäre, funktionierte, wenn überhaupt, im Politikzirkus zu Rom, wo Gebrauchsanleitungen für Heizungen und Notbetten im Dreiklang diplomatischer Reden an Selbsthilfegruppen verschickt wurden. Wenn das keine Parodie auf politische Lösung ist, dann wissen wir auch nicht weiter.

Die Geschichte der Erdbebenhilfe und des von der Linken als unterfinanziert kritisierten Erste-Hilfe-Pakets bietet eindrucksvolles Material, um zu sehen, wie politische Grabenkriege selbst in Krisensituationen weiterwirken. Währenddessen überwinterten die Menschen in Tuscania buchstäblich im kalten Freien. Deswegen schallt auch heute noch Kritik an den langsamen Maßnahmen durch die Straßen dieser ehrwürdigen, erneut aufgebauten Stadt. Was von der Regierung als ein Zeichen ihrer Handlungsfähigkeit gelten sollte, wurde bei genauerem Hinsehen vielmehr zum Mahnmal verschleppter Entscheidungskraft.

Das Erdbeben von 1971 war kein rein klimatisches oder seismologisches Ereignis; es war zugleich ein politischer Lackmustest, der manchen entlarvte, während andere schnell lernten, die richtige Meinung zu vertreten und rhetorisch davon zu profitieren. Objekte und Archive der damaligen Analysen zeigen einfach wie sehr die Realität mit der Ideologie aus dem Lot geraten kann, wenn klar wird, dass das eigentliche Ziel nicht selten zweitrangig gegenüber der Selbstdarstellung in Wahlperioden war.

Welche Lehren ziehen wir aus Tuscania? Es liegt auf der Hand, dass sinnvolle, schnell umsetzbare Maßnahmen keine Utopien sein sollten, sondern als realistisches Ziel angesehen werden müssen. Und wenn eine Katastrophe wie diese auf destruktives politisches Short-termist-Denken trifft, dann wird schnell klar, warum der konservative Ansatz zur Verantwortung diesen Seifenopern zuvorkommen sollte. Dabei ist klar, dass solche Ansichten nicht das Lieblingsgericht von Liberalen sind. Doch gerade Aspekte wie Verantwortung, Effizienz und Bedürfnisorientierung sollten hochgehalten werden – und nicht die philosophische Schönmalerei von Agglomeraten aus leeren Worthülsen und unnötigem Verwaltungsaufwand.

Am Ende bleibt Tuscania ein Mahnmal nicht nur für die Kraft von Naturkatastrophen, sondern auch für die Schwächen der Geisteskraft mancher politischen Distriktleiter. Vielleicht schafft diese Geschichte es, die Tür zu öffnen für eine ehrlichere Politik, die sich nicht in selbstgestrickten Idealen verliert, sondern tatkräftige Handlung statt wolkigen Hippopotamus-Diskussionen durchsetzt.