Die Welt sitzt nicht auf einem magischen Aladdin-Teppich! Thomas L. Friedman, ein linkslastiger Journalist, hatte 2005 die Stirn, uns weismachen zu wollen, die Welt sei flach. Er meint, dank Globalisierung, Digitalisierung und Billigflugtickets seien wir plötzlich auf Augenhöhe, wo immer wir gerade stünden. Doch halt, Moment mal: Wer profitiert wirklich vom Wettbewerb auf der angeblich ebenen Fläche der Welt? Nicht die Kleinunternehmer oder die Arbeiterschicht, das sei versichert.
Die Mär von der flachen Welt begann in der glamourösen Blase des Silicon Valley und breitete sich über die Konferenzrundflüge der Weltwirtschaftsforen aus. Vor allem in den späten 90ern und frühen 2000ern nutzten neoliberale Globalisierungsbefürworter dieses Bild, um zu propagieren, die Welt sei ein einheitliches Spielfeld geworden. Doch was genau wird hier eliminiert? Die Vielfalt kultureller Eigenheiten und der lokale wirtschaftliche Stolz, das ist sicher.
Indien, China und Co. werden als Gewinner im Narrativ der flachen Welt gefeiert. Aber wer hat den Teller gedreht, auf dem sie serviert werden? Eine Handvoll mächtiger Konzerne, die im Hintergrund die Fäden ziehen. Diese Goliaths profitieren am meisten. Seit wann entscheiden CEOs in ihren klimatisierten Büros, wie unser Alltag auszusehen hat?
Die Innovation, die angeblich gedeiht, hat ihre Wurzeln nicht in einer ethischen Neugier, sondern im Wettlauf um die Maximierung des Profits. Was passiert mit den kleineren Firmen, die nicht mithalten können? Ihr Schicksal ist besiegelt und wird diskret in den Fußnoten der Wirtschaftsgeschichten begraben, die nie den Weg in die Schlagzeilen finden.
Machen wir uns nichts vor: Die Arbeitsplätze, die outsourcen und ins Ausland verlagern, führen unweigerlich zu lokalen wirtschaftlichen Verwerfungen. Die Menschen erleben, wie ihre Gemeinden verfallen, während Politiker von Globalisierung schwärmen. Amerikanische Arbeiter in Michigan, deutsche Metallarbeiter in NRW oder französische Textilarbeiter – alle spüren den eisigen Wind der globalen Wettbewerbsfähigkeit.
Friedman behauptet, dass Technologie die Spielregeln ändert. Aber zu wessen Gunsten? Sicher nicht zu Gunsten des Durchschnittsbürgers, der Angst haben muss, dass ein Algorithmus seinen Job ersetzt, während die oberen Zehntausend ihre Aktienportfolios ausbauen.
Das Bildungssystem wird auch nicht verschont. Man predigt uns, anpassungsfähig zu bleiben und lebenslanges Lernen als neue Religion zu akzeptieren, während jene, die es sich leisten können, ihre Kinder auf Eliteuniversitäten schicken, die sie selbst in goldenen Schleifen verpacken. Der Traum, der vermeintlich allen offensteht, ist in Wirklichkeit eine exklusivere Party, zu der die wenigsten eine Einladung haben.
Technologischer Fortschritt sorgt für eine reibungslose Reibungsoberfläche, die als Fortschritt verkauft wird. Schöne neue Welt, in der Fortschritt plötzlich bedeutungslos ist, solange die Fassade glänzt. Die Schattenseiten wie Datenschutz, Überwachung und Abhängigkeit werden dabei großzügig ignoriert.
Natürlich können Sie jetzt argumentieren, dass wir alle vom Zugriff auf Wissen und globalen Netzwerken profitieren. Aber stellen Sie sich die Frage: Haben Sie das Gefühl, in einer Community zu leben, oder fühlen Sie sich entfremdet in einer Welt, in der die Anonymität regiert? Social Media ist ein Paradebeispiel: Milliarden verbinden sich und doch war die Einsamkeit nie allgegenwärtiger.
Die Wirklichkeit ist eben, dass der Standort zählt. Was Friedman als Ballion stiegen lässt, ist in Wahrheit ein schamloser PR-Gag für die Mächtigen, um Lokales als Kleingeistigkeit abzutun. Es braucht mehr als nur WiFi, um wirklich verbunden zu sein. Sich an lokale Traditionen und Werte zu halten, mag veraltet erscheinen, aber sie sind die Fundamente, die soziale Strukturen zusammenhalten.
Friedmans Behauptung mag sexy klingen. Aber der sexy Spin kann nicht die Ungerechtigkeiten kaschieren, die auf der globalen Tanzfläche lauern. Wer die Welt wirklich ändern will, sollte bei sich zu Hause beginnen und nicht auf die eigenartige Illusion einer flachen Erde hereinfallen.