In einer Welt, in der die Kunst oft als Zufluchtsort vor der politischen Realität gesehen wird, sticht „Die Schauspieler von Ember Island“ als Paradebeispiel dafür heraus, wie Unterhaltung auf unverblümte Weise zur ideologischen Schlachtbank wird. Diese fiktive Theatertruppe innerhalb der Zeichentrickserie „Avatar: Der Herr der Elemente“ zielt darauf ab, die Geschichte der Gaang (einer Gruppe von Hauptfiguren) in überspitzter und oft ungenauer Weise darzustellen. Erstmals ausgestrahlt am 18. Juli 2008, hielten sie zuerst im Feuerreich Hof auf Ember Island ihre Aufführung ab, nicht zufällig mitten im Herzen der antagonistischen Macht. Mit solch einer rebellischen Inszenierung zählt diese Episode scheinbar zu den Lieblingen vieler Unterhaltungssuchender. Doch was steckt eigentlich dahinter? Der politische Geschmacksverstärker oder doch geistreiche Unterhaltung?
Die Schauspielgruppe nimmt sich, ganz im Geiste medialer Einfältigkeit, künstlerische Freiheiten ohne Rücksicht auf historische Genauigkeit. Punkten sie bei einem Teil ihres Publikums für ihren Humor und die ironische Selbstreflexion, so könnte der skeptischere Betrachter diese gleichgemachte Nacherzählung als subtile Degradierung der wahren Begebenheiten einstufen. Für den Kenner mag ein laues Lächeln diese Darstellung begleiten, wohlwissend, dass die von den Darstellern verkörperten Extreme wie Karikaturen wirken. Die sogenannte Kunst der Comedy verpackt in grellen Roben, die selbst bei einem Schulfest Eindruck schinden würden.
Die naive Sichtweise, die „Die Schauspieler von Ember Island“ obskur verschroben darstellen, mag leichte Unterhaltung bieten, aber auch die reichlich interessante Diskussion darüber eröffnen, wie gut mit Trugbildern gespielt werden kann, um eigene politische Aussagen herauszukristallisieren. Die geistige Simplifizierung der antiken Heldensagen zu einem Pizzicato der Belanglosigkeit hat in dieser Darbietung fast schon Tradition. Amüsant? Vielleicht. Aber ernstzunehmende Nachahmung der Realität? Kaum vorstellbar! Es gibt wohl nichts Schöneres, als die spitze Feder der Satire, die genau das Unbehagen trifft, die Medienmanipulation allzu oft verschleiert.
Ein weiterer spannender Aspekt ist der propagandistische Unterton, der in den Darbietungen immer mitschwingt. Die Serie macht sich lustig darüber, wie Medien bestimmte Narrative gestalten können, um dem Publikum eine bestimmte Sichtweise aufzudrängen. Man entbehrt nicht der Ironie, dass gerade ein solches unterhaltendes Stück darauf abzielt, die Wahrnehmung der historischen Realität subtil zu beeinflussen. Es ist doch so: Jeder Narrheit hinterherlaufen, bedeutet auch, blind für die Wirklichkeit zu werden. Und genau hier liegt das Problem: Unterhaltung wird zur Flucht, während der kritische Diskurs im Schatten bleibt.
Während „Die Schauspieler von Ember Island“ vielleicht harmlos erscheinen, bieten sie trotzdem ein Abbild unserer geschichtlichen Eigenheiten. Deutlich wird einmal mehr, dass erstens, Großmächte, wie das Feuerreich selbst, mit solcher 'Kunst' die Massen berieseln, und zweitens, wie die Ideologie, als Narr in bunten Fesselspiel, auf die Bühne gebracht wird. Es manifestiert, wie diese kleinen Manipulationen in einem großen Kontext Bedeutung erlangen können. Es werden Krokodilstränen geweint über die äußerlichen Mängel des modernen Kulturverständnisses, das mit Kanonen in Richtung einer landläufigen Bildungslosigkeit feuert.
Selbst der finale Akt ‚obszön aufdringlicher Mummenschanz‘ entlarvt subtil die Stimmungen der intellektuellen Peinlichkeit. Sie triumphieren mit ihrer Spitzenleistungen der Oberflächlichkeit, die selbst wie die umstrittene Kunstbewegungen, zu einem Sinnbild medialer Banausenkultur werden können – alles unter dem Radar der harmlosen Improvisationskunst. Man versteht: Die eingebettete politische Naseweise lauert stets verborgen im Schutz der Theatervorhänge. Ganz ehrlich, diese ironisch unterhaltsame Begegnung mit historischen Fiktionen ist Streicheleinheit für egozentrische Audienzen, sorgt es doch für schalkhaften Nonsens in einer gewohnt anspruchslosen Vorführung.
Die Inszenierungskunst solcher Episoden bietet eine Bühne, auf der unsere reale Welt ihre Schatten wirft, während sie gleichzeitig als Allegorie genutzt wird, um anzuecken, ohne die eigentlichen politischen Message zu entschlüsseln. Durch den jedes Mal florierenden witzigen Lappalie entzieht sich aber, was wirklich wichtig wäre zu zeigen, nämlich der unreflektierte Blick in die Ursprünge der missgedeuteten Geschichte. Formvollendet zeigen sie heraus, dass das Absurde auch sein Recht auf den Glanzlichtern dieser Welt hat.
Natürlich hat es auch seine Stärke, solch künstlerische Erleichterung uns sichtbar zu machen. Doch der Funke bleibt auf der Strecke, der die Brücke zum wirklichen Aufbruch der Intelligenzverpflichtung schlagen könnte. Die Sensationslyrik solcher Unterhaltung bleibt sicherlich ein Faktum, jedoch drängt sich die Frage auf, wo möglicherweise die Bruchstelle liegt, an der die Kunst zur Farce großer Getriebener wird und nicht als Dialogplattform ernsthafter Überlegungen bestehen kann.
Doch man kann das Stück, beziehungsweise die Serie, auch als Erinnerung daran sehen, wie leicht man die Massen zur seichten Unterhaltung hinziehen kann — ein Konzept, von dem viele liberal geprägte Denker Begeistert sein dürften.