Die Grünen Felder des Wahnsinns

Die Grünen Felder des Wahnsinns

"Die Grünen Felder des Foreverland" von Ernst Jolt lädt dazu ein, die Grenze von Umweltutopien zu überschreiten — mit Folgen, die nicht jeder als paradiesisch empfinden würde.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Stellen Sie sich vor, es gäbe ein Utopia, das so grün ist, dass es fast in den Wahnsinn übergeht — willkommen bei Ernst Jolts Roman "Die Grünen Felder des Foreverland". Der Roman erschien im Jahre 2021 und obgleich gut gemeint, könnte das Werk in einigen Kreisen den falschen Ton treffen. In einer alternden, westlichen Welt, in der Vernunft zur Mangelware geworden ist, erzählt Jolt von einem Land, in dem Umweltpolitik vor alles andere gestellt wird, sogar vor die Menschenwürde.

Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Eine Gruppe Idealisten schafft irgendwo in der unberührten Natur ein Paradies für Nachhaltigkeitsfanatiker. Hier sind die Regeln klar — die Umwelt hat oberste Priorität. Energie ist rationiert, tierische Produkte sind tabu und Kinder sind nur erlaubt, wenn ihre CO2-Bilanz stimmt. Es ist fast wie eine Dystopie für diejenigen von uns, die es gerade brummend schaffen, auf den nächsten Försterkongress zu kommen.

Bewundernswert ist Jolts Fähigkeit, die Ambivalenz und menschliche Schwäche zu portraitieren, was er in einem derart grün-gewaschenen Setting dennoch erstaunlich akkurat schafft. Was vermutlich als Warnung gedacht war, wie naiv es ist, die Natur über alles zu setzen, könnte von anderen als Anregung angesehen werden, Verantwortung zu übernehmen. Doch nimmt man diesen Roman kritisch unter die Lupe, sieht man die Abgründe eines Extremismus, der das Wohlergehen der Menschen hintanstellt.

Viele Leser loben die poetische und farbenreiche Sprache Jolts. Doch stellt sich die Frage, ob weltfremde Schönheit tatsächlich wie eine adäquate Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit erscheint. Wo Realität und Utopie kollidieren, lauern eben nicht nur schöne Partizipationsträume der liberalen Idealisten, sondern auch harte Tatsachen einer politischen Fehlkalkulation.

Wer glaubt, die Lösung aller Umweltprobleme sei mit mehr Gesetzen und weniger menschlichem Lebenskomfort zu bewältigen, sollte sich den Roman als strenge Lehrerlektüre vorschreiben lassen. Jolt zeigt jedoch unfreiwillig, dass man bei aller Idealismus den Realitätsbezug leicht verlieren kann. Während die Hauptcharaktere noch träumen, sieht der alltagsgeprüfte Beobachter die Konsequenzen des Ökofundamentalismus schon am Horizont heraufziehen.

Schönheit ohne Vernunft? Der Autor beschreibt akribisch die blühenden Landschaften des Foreverland. Doch, blühende Landschaften gibt es auch in wilder Freiheit. Warum streben wir eine Synthese an, die zwangsläufig mit restriktivem Zwang endet? Weil einem im Foreverland das Grüne fast ins Gesicht springt, lässt sich getrost sagen, dass die Streben nach einer solchen Utopie auch mit einer schleichenden Ignoranz einhergeht. Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass Umweltpolitik ohne Menschenverstand schlicht nicht funktioniert.

Was weniger reflektierte Leser wohl übersehen, ist, dass "Die Grünen Felder des Foreverland" nicht nur als literarische Liebeserklärung an die Umwelt gedacht ist. Vielmehr könnte der Roman als Warnsignal verstanden werden. Vielleicht schließt es sich nicht jedem sofort auf, doch die scheinbar unbarmherzige Liebe zur Natur gibt einen bitteren Vorgeschmack darauf, wie zwanghafte Ideologie in politischem Aktionismus endet.

Zusammenfassend sei gesagt: Nicht alles, was grün leuchtet, revolutioniert, ohne gleichzeitig dunkle Schatten zu werfen. Jolts Werk eröffnet den metaphorischen Spiegel, in den wir blicken können, um uns selbst zu fragen: Fördern wir wohl wirklich das größere Wohl oder nähren wir eine Illusion? Jedenfalls sollten wir uns davor hüten, unser Handeln ausschließlich auf fiktive Ideale zu stützen, die uns letztlich gar nicht weiterbringen.

Und so bleibt "Die Grünen Felder des Foreverland" ein weiterer Stein des Anstoßes, der jedoch zeigt, dass selbst im grünsten Feld die Unkraut vom Nachbarn im eigenen Garten zu Gast ist.