Warum „Die einzigen schwarzen Mädchen in der Stadt“ die Gutmenschen auf die Palme bringt

Warum „Die einzigen schwarzen Mädchen in der Stadt“ die Gutmenschen auf die Palme bringt

"Die einzigen schwarzen Mädchen in der Stadt" von Brandy Colbert ist mehr als nur ein Jugendroman – es ist ein politisches Statement, das darauf abzielt, Erwartungen gegenüber der Diversität in Frage zu stellen.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Unter den vielen Büchern, die jeden Monat auf den Markt kommen, schafft es eines, unsere Feindbilder klarer zu definieren: „Die einzigen schwarzen Mädchen in der Stadt“ von Brandy Colbert. Erschienen im Frühjahr 2021, angesiedelt in einer schicken Kleinstadt an der alten und wohlbekannten Westküste Amerikas, erzählt dieser Roman von der zwölfjährigen Alberta, die mit ihrer besten Freundin Laramie allerlei Abenteuer erlebt. Diese Abenteuer werden brisanter, als eine zweite schwarze Familie in der Stadt auftaucht und das Narrativ diverser Machtverhältnisse ordentlich durcheinanderwirbelt.

Nun, worüber reden wir eigentlich? Die Geschichte um Alberta und ihre Freundinnen ist ein gut geschriebenes Stück Unterhaltung, das alle Zutaten eines furiosen Jugendromans besitzt. Direkt von der ersten Seite an taucht man ein in die (nicht wirklich) dramatische Welt der Vororte, die für eine handvoll Leser spannend sein mag. Dennoch beginnt sich die Handlung schnell als ein politisches Statement zu offenbaren, das den Eindruck vermittelt, dass in einer Welt ohne Diversität, die Hoffnung stirbt. Ein gewagter Gedanke, der sicherlich einige Zustimmungen aus der linken Ecke bekommen könnte.

Das Buch lehrt uns, dass nichts falsch ist. Es feiert das Anderssein und drängt auf das obligatorische Ideal einer multikulturellen Gesellschaft. Brandy Colbert malt ein Bild einer Kleinstadt, in der der Weg zu gegenseitigem Verständnis durch den Austausch von Tagebucheinträgen und geheimen Dachbodenschätzen geebnet wird. Wirklich herzig, aber wie realistisch ist das? Die Idee, dass Diversität allein die Lösung aller Probleme in einer weißen Vorstadt sein soll, wirkt ziemlich schematisch. Es wird ignoriert, dass Menschen mehr verbindet als die bloße Hautfarbe.

Im Zentrum dieses enganliegenden Plots ist ein gut bekannter Aspekt der Identitätsfindung. Alberta als Figur steht für etwas Greifbares und für manchen vielleicht gar charmant Einnehmendes: Die Jacuzzis und die besten Freundinnen, die gern geheiligte Regeln brechen. Diese beginnende Suche nach Identität wird in den theologischen Wortschatz der Diversität eingebettet, doch ist es auch eine Fantasie. So beschreiben es zumindest die Stimmen, die in dieser Art von Literatur ihre Bestimmung sehen wollen.

Es spricht nicht gegen das Handwerk des Autors, wenn der Roman an der radikalen Illusion gemessen wird, dass alles Unbekannte immer das Wichtige sein soll. Colberts Figuren sind unterschiedlich und originell, doch fragen sie sich selten, warum gerade sie von der Stadt als das einzige Gegenmittel gesehen werden? Diese unausgesprochene Voraussetzung sickerte durch den gesamten Erzählfaden. Der Roman wird als ein Porträt einer Jugend verkauft, die mit den Schatten ihrer Vorfahren spielen, als sei es ein Brettspiel.

Es scheint das Problem des Jedermanns zu sein, überall die gleiche Formel von Inklusion, Akzeptanz und Diversität überzustülpen, ohne den subtilen Unterschied zu zelebrieren. Oder die Möglichkeit, dass Menschen auf natürliche Weise zusammenleben könnten, ohne das dogmatische Rüstzeug einer von Schuldgefühlen geplagten nicht existenten Isolation. Diese Neigung zu übertreiben, und gefühlt jedes zweite Kapitel mit einer moralischen Lektion zu schließen, könnte den ein oder anderen Leser schnell ermüden. Ideologie ist eben nicht für jedermann. Nun, hier kommen aus einem Karton namens Ideologie Gedanken, die vorgeben, das einzig Wahre zu sein.

Am Ende bleibt der fade Beigeschmack, dass gut gemeinte Bücher heute viel zu oft als Herausforderung für die Existenz des vermeintlich Einzigartigen missverstanden werden. Ist Kunst nicht die freie Wahl des Eigenwilligen? Die Hoffnung auf ein diversifiziertes Leben braucht nicht immer plakative Beweise. Seltsamerweise erfrischend, dass es immer noch Autoren gibt, die die Sprühflasche der politischen Korrektheit zurückziehen und sich dem widmen, was zählt: eine Geschichte, die anwendbar ist, selbst in einem ideologischen Sumpf. Vielleicht sollten wir jetzt die Eimer wegräumen und hoffen, dass das nächste Buch mehr ist als ein Trend.