Der Sexualvertrag: Ein Weckruf für Vernunft

Der Sexualvertrag: Ein Weckruf für Vernunft

"Der Sexualvertrag" von Carole Pateman hat sich anno 1988 in den feministischen Theoriekreisen etabliert und sorgt bis heute für hitzige Debatten. Das Buch hinterfragt die grundlegenden Strukturen der Gesellschaft mit einem provokativen feministischen Ansatz.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Wer hat eigentlich die Regeln gemacht? Wenn es nach Carole Pateman geht, dann ist es ein "Sexualvertrag", der uns seit Jahrhunderten in Ketten legt. Veröffentlicht im Jahr 1988 und quer durch akademische Gänge gehyped, hat dieses Werk in feministischen Kreisen einen Kultstatus erreicht. Pateman ist der Meinung, dass die grundlegenden Strukturen unserer Gesellschaft sexistisch und patriarchal sind, was sie in ihrer Theorie ausführlich darlegt. Das Buch entstand in einer Zeit, als feministische Theorien Hochkonjunktur hatten, insbesondere in westlichen Gesellschaften, die ohnehin einen starken Linksdrall haben. "Der Sexualvertrag" nimmt sich vor, die Heuchelei des sozialen Vertragstheoretikers zu entlarven, indem er behauptet, dass das Geschlechtssystem ein zentraler Bestandteil gesellschaftlicher Vertragstheorien ist.

Hier kommt der eigentliche Hammer: Pateman argumentiert, dass der ursprüngliche Gesellschaftsvertrag, eine grundlegende Idee in der politischen Philosophie, in Wirklichkeit ein "Sexualvertrag" war. Die Herren der Schöpfung, so die Theorie, schaffen ständig ungerechte soziale Normen, die Frauen unterdrücken. Das klingt alles sehr aufregend und rebellisch, bis man die praktischen Konsequenzen bedenkt. Warum sollte man annehmen, dass die bekannten Theorien von Hobbes, Locke oder Rousseau darauf abzielen, Frauen zu unterdrücken? Diese Vordenker haben weitaus größere Fragen zur menschlichen Natur und Regierungspolitik behandelt, als dass sie sich heimlich gegen eine Hälfte der Bevölkerung verschworen hätten.

Patemans Theorie wirkt wie ein erneuter Versuch, die klassische politische Philosophie aus Perspektiven zu widersprechen, die mehr Aufmerksamkeit erregen als tatsächlich Lösungsansätze bieten. Es ist wie das Bauen eines Turmes aus Streichhölzern nur um ihn umzustoßen und dann zu verkünden, dass man einen neuen Architekturstil erfunden hat. Die Idee, dass der Gesellschaftsvertrag auf der Unterordnung von Frauen basiert, bietet wenig greifbares Handeln, außer möglicherweise, mehr Hörsäle mit noch mehr Diskussionen zu füllen.

Seien wir ehrlich: Gesellschaftliche Verträge, ob real oder theoretisch, wurden entwickelt, um die Ordnung in einer immer chaotischer werdenden Welt zu sichern. Sie hatten von Anfang an mit der anspruchsvollen Aufgabe zu kämpfen, individuelle Freiheit und kollektive Sicherheit in Einklang zu bringen. Den Gründern dieser Verträge eine geheime Agenda zu unterstellen, scheint mehr wie eine Flucht nach vorn, um einen ideologischen Standpunkt zu untermauern.

Die Rezeption von "Der Sexualvertrag" zeigt die Neigung der modernen Gesellschaft, alten Theorien neue, radikale Interpretationen aufzuzwingen. Liberale Strömungen haben dieses Werk als Argumentationsgrundlage genutzt, um vermeintliche Ungerechtigkeiten neu zu justieren. Wie immer trifft es sich gut, wenn es um den sozialen Diskurs geht, Schuldzuweisungen zu verteilen und alle Probleme der Ungleichheit auf einmal zu lösen. Ein frommer Wunsch, könnte man meinen.

Die vermeintliche Entlarvung des eigentlichen "Urvertrages" dient nur dazu, eine Luxusfrage zu erschaffen, die zudem nichts unmittelbar greifbares tut, um die Situation tatsächlich zu verändern. Man könnte argumentieren, dass die Zeit besser damit verbracht wäre, praktische Schritte zu unternehmen, um an der Realität noch bestehender Diskriminierungen zu arbeiten, anstatt in Theorien zu versinken, die letztlich wenig verändern.

Es ist an der Zeit, die Philosophie aus den Elfenbeintürmen in die Realität zu holen. Der Fokus sollte auf reale politische und gesellschaftliche Veränderungen gerichtet werden, die auf fundierten Argumenten beruhen. Wenn Patemans Werk eines getan hat, dann, dass es eine hitzige Debatte entfacht hat, die mehr dazu beiträgt, Umbrüche auszulösen als konstruktive Lösungen zu bieten. Wir sollten uns fragen, was wirklich wirksam ist und was nur Staub aufwirbelt, ohne Spuren zu hinterlassen.