Wie wäre es mit einem literarischen Abenteuer, das die gängige Meinung auf den Kopf stellt? 'Der Liebhaber von Borneo', geschrieben von der umstrittenen deutschen Autorin Hans Mustack (nicht der echte Name), ist ein Roman, der all die langweilig vorhersehbaren liberalen Klischees auseinander nimmt und neu zusammenfügt. Der Roman veröffentlicht in den 70er Jahren, spielt in der unverfälschten Wildnis von Borneo, wo der multikulturelle Trottel Karl, ein deutscher Auswanderer, auf einer „Selbstfindungsreise“ auf das Abenteuer seines Lebens stößt.
Hoppla, die mannigfachen Probleme eines privilegierten Mannes auf 'Selbstfindungstrip' lösen Liberale gerne mit einem Doppelklick: Bisschen Yoga, bisschen Veganismus und ein paar Slogans, dann möge das individuelle Wunder euch erfassen. Doch halt, hier trifft Karl auf die indigene Bevölkerung von Borneo, die keine Lust auf von außen aufgezwungene Lebenskonzepte haben. Hier gibt es kein Gejammer über kulturelle Aneignung oder Geschlechterrollen – der Dschungel hat seine eigenen Gesetze, und so muss sich Karl umorientieren.
Der Roman zeigt deutlich, dass der Protagonist ein Produkt seiner Nachkriegsgeneration ist. Kritiker werfen ihm vor, die Strömungen der 68er-Bewegung völlig zu ignorieren – dabei war es doch gerade dieser Mangel an Selbstreflexion, der Karl in den Dschungel trieb. Die Kulturen, die Karl kennenlernt, arbeiten mit traditionellen Rollenmustern, die aus westlicher Sicht gerne als „rückständig“ abgetan werden. Aber es gibt keine ewigen Wahrheiten durch die Brillen linksgerichteter Theorien. Was passiert, wenn deine westlich geprägte Moral einen Holzfällerladen trifft, der ohne Entschuldigung exkludierend ist? Ja richtig, jede Menge Unsicherheiten für einen eingefleischten Kosmopoliten.
Diese Art Literatur stellt die Frage: Wollen wir wirklich alle Kulturen durch die Brille des Westens verstehen und verbiegen? Unser Autor, ein alter Hase in der Szene, schreckt nicht zurück vor offensiven Fragen und spitzfindigen Beobachtungen. Ist es nicht erfrischend, wenn Protagonisten wie Karl nicht vollkommen politisch korrekt handeln und das Scheitern als persönliches Wachstum sehen?
Zu den ‚Verbrechen‘ von Karl gehört auch, die finstere Seite der Kolonialgeschichte in seiner weißen Retterrolle nicht zu reflektieren. Die Erfolge dieses Romans liegen darin, dass er nicht predigt. Stattdessen soll der Leser selbst erkennen, dass die Utopie einer perfekten multikulturellen Welt nicht existiert, wenn jeder sich nur seinen eigenen Regeln unterwirft.
Was erwartet den Leser also von 'Der Liebhaber von Borneo'? Unverfälschte Natürlichkeit, Bruch mit stereotypischen Wahrnehmungen und die brutale Ehrlichkeit, dass westliche Maximen nicht auf jedem Fleck der Erde funktionieren. Dieser Roman hämmert in das Bewusstsein, dass nicht alles durch die Filter der Globalisierung gleichgemacht werden sollte. Der Narzissmus des Gutmenschentums wird hier genüsslich bloßgestellt, ohne Rücksicht auf Verluste.
Wir stehen vor einer neuartigen postmodernen Kakophonie, und was bleibt, ist die eindringliche Frage: Ist Individualität wirklich für jeden erstrebenswert? Während Karl die Schönheit und Komplexität der indigenen Lebensweise ergründet, merkt er, dass die Suche nach Identität in der Scheinfreiheit der westlichen Werte nichts als eine Illusion bleiben kann.
'"Der Liebhaber von Borneo" ist ein inoffizieller Manifest für all jene, die genug haben von der kulturellen Gleichmacherei unter einem fälschlich verstandenen Egalitarismus. Es lädt dazu ein, einmal tief Luft zu holen und ganz klassisch zwischen den Zeilen zu lesen, anstatt starre Dogmen nachzubeten. Wenn das Lesen von Romanen wie diesem nicht für alle der gerechte Weg ist, die Realität zu genießen, dann ist das ein weiteres Indiz dafür, wie verfahren unser Verständnishorizont geworden ist.
Setzt den Lesespaß an die erste Stelle und nicht das vorgekaute Korsett der selbsternannten Moralapostel. 'Der Liebhaber von Borneo' ist ein illustre Reise durch den intellektuellen Dschungel der Befreiung aus unserer eigenen westlichen Bubble. Mit Karl als unsicherem Führer stoßen wir bevorzugt auf unbequeme Wahrheiten dieser Welt – für den Preis der literarischen Erleuchtung.