Manche Geschichten sind so unfassbar, dass selbst das ZDF sie nicht besser erfinden könnte. Der Fall Stodolovi ist genau so einer. Er spielt in Deutschland, im beschaulichen Jahr 2023. In der schönen Stadt Mainz wird eine bisher unauffällige Familie, die Stodolovis, plötzlich zum Epizentrum eines Skandals, der Politiker und Medien gleichermaßen aufhorchen lässt. Was als einfache steuerliche Angelegenheit begann, entpuppt sich schnell als riesiges Netz aus Betrug und Korruption.
Schon mal von der kleinen Firma „Stodolovi & Co.“ gehört? Vermutlich nicht, denn das ist ja gerade das Problem. Diese winzige GmbH hat es geschafft, Millionen an Steuergeldern zu unterschlagen und dabei das deutsche Steuerrecht austricksen wollen. Wie konnten sie das schaffen? Indem sie ihre Verbindungen ausspielten, denn es soll angeblich ganz zufällig ein prominenter politischer Name im Hintergrund stehen, der bisher ungenannt bleibt. Schon fehlen Argumente für die Gerechtigkeit.
Die Behörden, deretwegen man sonst nicht schläft, ließen sich ordentlich an der Nase herumführen. Während andere Unternehmen bei der kleinsten Unachtsamkeit rigoros abgestraft werden, konnten die Stodolovis anscheinend lange ungeschoren davonkommen. Wieso? Weil man Personen mit den „richtigen“ Beziehungen anders behandelt. Es ist ein Skandal von biblischer Größe, und die Medien, die sich auf jede kleine Intrige stürzen, schreiben erstaunlich wenig darüber. Womöglich liegt es daran, dass die allseits geliebten Ausgeburt der Tugendwächter selbst Teil des Problems sind.
Wie Sie richtig vermuten, dreht sich bei der Medienschelte alles um die sogenannte vierte Gewalt, die den Auftrag hat, Rechenschaft einzufordern. Doch beim Fall Stodolovi scheint das Motto „Schwamm drüber“ offenbar besser zu passen. Wo bleibt das große Interview? Wo bleiben die schmutzigen Details, so wie sich die Presse sonst ständig auf die vermeintlichen Machenschaften stürzt?
Man könnte meinen, dass die Korruption in der Politik kein allzu häufiger Gesprächsstoff sein sollte. Aber hier sind wir, wieder einen Fall reicher, der den Glauben an das System erschüttert, mit dem Hinweis darauf, dass es immer die gleiche Clique von Verantwortlichen ist, die hier wegschaut. Das alles erinnert an den alten Slogan: „Jeder ist gleich, aber manche sind gleicher.“
Vergessen wir dabei nicht, dass die Verflechtungen von Wirtschaft und Politik immer dann besonders deutlich werden, wenn ein fallender Stein einen ganzen Berg ins Rutschen bringt. Und während der durchschnittliche Steuerzahler im Unklaren gelassen wird, zeigt der Fall Stodolovi auf, wie verstrickt und nahezu unüberwindbar die eigentliche Problematik ist.
Am Ende wird sich wieder fragen lassen, wie viel davon wirklich publik wird. Es ist ja nicht so, dass Transparenz ganz oben auf der Agenda stünde. Das alles erweckt fast den Eindruck, dass die, die laut funktionierende Demokratie predigen, gerne selbst im Schatten agieren.
Die Stodolovis mögen den Skandal geschaffen haben, aber sie sind nur ein Knoten im großen Netzt des politischen und wirtschaftlichen Miteinanders. An uns liegt es, durch den Nebel zu sehen und zu verstehen, welche Lehren gezogen werden müssen. Denn wer die Geschichte vergisst, ist gezwungen, sie zu wiederholen.