Dave, der Film, der 1993 in die Kinos kam, zeigt, dass Politik nicht nur trostloser Ernst sein muss. In diesem erfrischenden amerikanischen Komödienklassiker aus der Hand von Regisseur Ivan Reitman, spielt Kevin Kline in einer doppelten Rolle als US-Präsident Bill Mitchell und sein Doppelgänger, Dave Kovic. Die Handlung entfaltet sich in Washington D.C., als Dave, ein unscheinbarer Temp-Agentur-Betreiber, gebeten wird, den Präsidenten zu imitieren, als dieser einen Schlaganfall erleidet. Klingt wie leichtvereinnahmbare Unterhaltung, könnte man meinen, aber der Film sticht heraus, weil er Amerikas politisches System mit einer teils kecken, teils liebenswürdigen Satire seziert.
Politisch Pointiert: Dave spielt allgemein auf ein Thema an, das für die politische Rechte relevant ist - die Vermutung, dass Politiker oft schwer fassbar und wenig transparent sind. Während Dave als naiver Bürger eine Erfrischung für Washingtons elitäre Politikblase darstellt, erinnert er uns daran, was Amerika so besonders macht: die Macht des Volkes.
Kevin Kline glänzt: Seine doppeltsinnige Darstellung ist ein Vergnügen. Einerseits der unnahbare, dennoch inkompetente Präsident Donovan und andererseits der ungekünstelte, aufrichtige Dave. Die Spaltung könnte symbolischer nicht sein und trifft eine gewisse Sympathie für die Politik einer bodenständigeren Zeit. Gerade Fans von Ronald Reagans gebefreudigem Kalifornier-Charme kommen auf ihre Kosten.
Unterhaltsame Seitenhiebe: Der Film spart nicht mit kleinen Tritten gegen jene, die immer nach Regulierung rufen. Man erinnere sich an die Szene, in der Dave den Haushaltsentwurf durchstöbert, um Verschwendung in Milliardenhöhe zu entdecken. Eine Hymne auf die Haushaltsverantwortung, die man in der linken Tagespolitik vergeblich sucht!
Sigourney Weaver als politische First Lady: Sie ist zwar als frustrierte Ehefrau zunächst unbeeindruckt von Daves Versuchen, aber es entwickelt sich eine charmante Dynamik zwischen den beiden. Weaver bringt eine willkommene Bodenhaftung in den Film, was zeigt, dass auch Frauen in Machtpositionen klare Werte vertreten können – ein Symbol für eine konventionellere Politik, die stark in ihrer Einfachheit ist.
Eine nicht alltägliche Botschaft: Der Slogan „Government for the people, by the people“ wird in Dave konkret spürbar. Dave, der aus dem Nichts, aus dem Volk kommt, zeigt, dass Politik zu adressieren, allen zugänglich sein sollte und nicht nur einem elitären inneren Zirkel.
Eine herrlich erdende Komödie: Lachen ist bekanntlich gesund, und wer kann schon widerstehen, wenn Kevin Kline in „Präsidenten-Pose“ den Unwillen der Bürger Amerikas, nur Beobachter zu bleiben, in bezaubernder Weise wagt?
Werte wie Ehrlichkeit und Integrität: Dave ist ein Film, der - trotz seines humoristischen Ansatzes - eine ernsthafte Diskussion über Charaktereigenschaften aufwirft. Während manche Projekte undurchschaubar geblieben wären, hätte ein tugendhafter Umgang wahrscheinlich Schlimmeres verhindert. Ein Foliant des Konservatismus?
Eine Zeitkapsel der frühen 90er: Der Film ist nicht nur ein Verweis auf die politische Landschaft jener Zeit, sondern auch eine kulturelle Momentaufnahme. Diese Ära war geprägt von Pragmatismus und greifbaren Erlebnissen, die – zugegeben – einige von uns durchaus vermissen.
Die Frage nach der Verantwortung: Wenn ein Mann vom Volk als plötzlicher Führer punktet, fragt man sich: Warum verschließen einige Politik verstehugen einfach die Ohren, während ein entsprechender Einzelgänger auf tiefere Einsichten stößt?
Ein Film für alle - oder doch nicht? Man muss kein Anhänger der rechten Politik sein, um den Film wertzuschätzen. Doch die satirischen Seitenhiebe auf das liberale washingtoner Establishment sind nicht zu übersehen. Und das ist genau das, was ihn so brillant macht! Abgesehen von reinem Humor ist dies eine Eisenkugel, die durch den Anspruch schmettert.
Dave demonstriert auf geniale Weise, wie ein Film von vor 30 Jahren immer noch relevant sein kann und bietet eine nie endende Quelle sowohl zum Lachen als auch Nachdenken. Amerikanische Politik im besten Gewand, wenn man es mit einem Augenzwinkern betrachten kann.