Reise des Aytollah - Khomeinis entschlossener Weg aus dem Exil

Reise des Aytollah - Khomeinis entschlossener Weg aus dem Exil

Ruhollah Khomeinis Exil war alles andere als ruhig, sondern die Geburtsstätte der iranischen Revolution. Aus der Fremde plante er den unblutigen Sturz des Schah-Regimes.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Stellen Sie sich einen Mann vor, der aus einem fernen Land ins Exil geschickt wird, nur um als revolutionäres Symbol zurückzukehren. Das ist das Leben von Ruhollah Khomeini, dem religiösen Führer, der die islamische Revolution im Iran anführte. Als Schiitenführer und Stimme des Widerstands begann Khomeinis Exil im Jahr 1964, nachdem er die autoritäre Monarchie unter dem Schah in den Fokus seiner scharfen Kritik genommen hatte. Verbannt aus dem Iran lebte er zunächst in der Türkei, später im Irak und schließlich in Frankreich, einem Land, das seine Werte undPolitik so ganz anders als seine eigenen lebte. Wie aus einem Kinodrama entsprungen, bereitete Khomeini aus der Ferne den Sturz des Schah-Regimes vor und kehrte triumphal als Held aus dem Exil zurück.

Khomeinis Zeit im Exil war kaum das, was man eine erzwungene Untätigkeit nennen könnte. Weit entfernt davon, sich in einer bescheidenen Ecke der Welt zur Ruhe zu setzen, war Khomeini in der Türkei gerade einmal ein Jahr, bevor er in den Irak zog, wo er fast 13 Jahre verbrachte. Statt seine Stimme zu dämpfen, nutzte er diese Jahre und seine Popularität wuchs. Von der heiligen Stadt Najaf aus, einem Brennpunkt des schiitischen Denkens, verbreitete er seine revolutionäre Ideologie durch Kassetten und Schriften. Man könnte meinen, dass ein fremdes Land nicht der beste Ort wäre, um eine Revolution anzufachen, aber gegen den Schah, der sein eigenes Volk unterdrückte, war Khomeinis Stimme wie ein Weckruf aus der Ferne.

Doch der Irak unter Saddam Hussein war nicht die sicherste Auszeit. 1978, aufgrund politischen Drucks, wurde Khomeini nach Frankreich geschickt. Sein Umzug in das ruhige, ländliche Dorf Neauphle-le-Château war strategisch brillant. Es war, als ob die westliche Welt unwissentlich das perfekte Sprungbrett für einen Neuanfang bot. Die Infrastruktur für Kommunikation und Medien in Frankreich war weit besser als im Irak. Dies machte es ihm möglich, seine Botschaften ungehindert in die Welt zu senden. Aus sicherer Entfernung bereitete er den Boden für eine Rückkehr vor, die den Iran verändert hat, genauso wie seine Weltanschauungen verändert wurden.

Fehlgeleitete Liberale werden wohl die Tatsache nicht schätzen, dass Khomeini trotz seiner strengen Regeln eine charismatische Figur darstellte, die Massen anzog. Seine Anhänger sahen ihn als Hoffnungsträger, der den Iran von der politischen Justierung des Westens befreien konnte. Nun könnte man sagen, dass seine Reden und Botschaften bereits in den 60er Jahren, als er noch im Iran war, eine Revolution auslösen konnten, doch seine Aktivitäten im Exil verliehen diesen Predigten eine Ausdauer und internationale Reichweite, die unübertroffen war.

Khomeini war ein Meister des Spiels aus dem Schatten. Die Liberalen würden wohl sagen, dass er nur auf dem Weg der Unterdrückung das Regime der Pahlavis vertrieb, doch man sollte nicht vergessen, dass unter dem Schah Regime jeglicher politischer Dissens rücksichtslos unterdrückt wurde. Man mag von Khomeinis Methoden halten, was man will, aber die Realität ist, dass er die Massen mobilisierte, sich gegen eine jahrzehntelange Unterdrückung erhoben und einen kulturellen Wandel angestoßen hat, der bis heute nachwirkt. Seine vermeintlich altmodischen Prinzipien kehrten den Einfluss fremder Mächte um, die kaum im Einklang mit den religiösen und nationalen Interessen des Irans standen.

Als 1979 die Revolution schließlich ihr Ziel erreichte und der Schah flüchtete, konnte Khomeini aus dem bis dahin kältester Exil in Frankreich zurückkehren, in dem er eine Revolution entfesselte. Humoristisch betrachtet, tritt ein betagter Geistlicher ohne militärische Macht einen der größten Monarchen der Zeit hinweg. Seine Rückkehr in den Iran war fast wie das Finale eines gut geplanten Theaterstücks; nur dass dies historisch real war.

Khomeinis Leben im Exil ist ein Paradebeispiel dafür, dass politische und ideologische Entschlossenheit Berge versetzen kann – oder in diesem Fall, einen Imperator stürzen. Er bewies, dass man weder durch Entfernung noch durch drohende Repression eines autoritären Regimes zum Schweigen gebracht werden kann. In einer Welt, die glaubt, sie habe alle Antworten, bleibt Khomeinis Exil ein Lehrstück dafür, wie ein einfacher Mann mit einer starken Botschaft das Band der Zeit zerreißen kann, um eine Nation wiederaufzubauen.