Warum Cuts (Fernsehserie) einfach nicht schneidet!

Warum Cuts (Fernsehserie) einfach nicht schneidet!

Glauben Sie, dass eine Fernsehsendung mit mehr Schnitten als Inhalt faszinierend sein kann? "Cuts", eine deutsche Fernsehserie, beweist das Gegenteil.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Glauben Sie, dass eine Fernsehsendung mit mehr Schnitten als Inhalt so faszinierend sein kann? "Cuts", eine deutsche Fernsehserie, scheint das Gegenteil zu beweisen. Gezeigt auf ZDFneo seit 2023, spielt die Serie vor allem in Berlin und dreht sich um das Leben von Barbieren, die weniger Haare schneiden und mehr Drama liefern. In den Hauptrollen sehen wir bekannte Gesichter wie Florian Peters und Anna Neumann, die in dieser Comedy-Drama-Serie die Höhen und Tiefen des Barbiergeschäfts erleben. Aber wieso gelingt es dieser Serie kaum, das Publikum wirklich in ihren Bann zu ziehen?

Erstens, das Drehbuch von "Cuts" könnte genauso gut von einem Algorithmus geschrieben worden sein, der versucht, hip und zeitgenössisch zu sein, aber dabei an Tiefe verliert. Die Charaktere sind so flach wie die Bildschirme, auf denen sie erscheinen. Warum muss man sich in einer Welt, die Authentizität fordert, mit Stereotypen zufrieden geben?

Zweitens, während einige Produktionen noch immer versuchen, durch Qualität zu überzeugen, setzt "Cuts" lieber auf Quantität. Die Requisite scheint aus einem Ikea-Katalog kopiert zu sein, so unoriginell und vorhersehbar. Obgleich es in einer so lebendigen Stadt wie Berlin spielt, versäumt die Serie es geradezu sträflich, das Flair der deutschen Hauptstadt einzufangen.

Drittens, die moralische Ausrichtung der Geschichten könnte nicht weiter entfernt von der Realität der Zielgruppe sein. Anstatt den Zuschauern intellektuelle und emotionale Herausforderungen zu bieten, begnügt man sich mit seichten Konflikten, die meist nach exakt 44 Minuten wieder gelöst sind. Dies ist wohl kaum ein Zufall, sondern kalkuliert, um die sklavisch festgelegte Sendezeit zu erfüllen.

Viertens, obwohl die Serie als Comedy-Drama kategorisiert wird, beschleicht einem das Gefühl, dass das Humorverständnis aus einer vergessenen Ära stammt. Die Witze sind so zeitgemäß wie Staubfänger auf einer alten Kommode. Ein schmerzhaft uneffizienter Versuch, an die echten Nöte und Freuden eines postmodernen Lebens heranzureichen.

Fünftens, die angestrebte Diversity der Charaktere wirkt erzwungen und nicht natürlich integriert. Es ist, als ob ein akademisches Konzept von Diversität in jedes Drehbuch pasta-copied wurde. Ein Lobgesang auf die Liberalität ist es nicht, wenn die Figuren nie über ihre Klischees hinauswachsen können.

Sechstens, was haben wir von einer Serie zu halten, wenn die Dialoge hölzerner sind als das Mobiliar in einer Almhütte? Es fehlt an Sprachwitz und Intellekt, was traurigerweise dazu führt, dass das Wort "pathetisch" öfter auf der Zunge liegt als "geistreich".

Siebtens, der Soundtrack, ein weiterer Misserfolg. Anstatt Stimmung zu erzeugen, mitreißend oder emotional sein zu dürfen, wirkt er wie ein unpassender Geräuschteppich ohne Anfang oder Ende. Es ist ironisch, dass eine Serie mit dem Titel "Cuts" nicht mal die einfachste Regel des Filmhandwerks beherzigt: die große Bedeutung eines guten Scores.

Achtens, wenn Sie eine Show nach ihrem Potenzial bewerten, statt nach ihrer Umsetzung, dann bleiben auch hier nur enttäuschende Frisurschnitte übrig. Der Plot verliert sich in zu vielen narrativen Nebenwegen, die ein Zuviel an Allgemeinplätzen und ein Zuwenig an originellen Einfällen kennzeichnen.

Neuntens, kann "Cuts" überhaupt noch retten, was im Wesentlichen beständig untergehen will? Das Ende einer solchen Serie liegt weniger in den Köpfen begabter Künstler als in den Händen von Marketingstrategen, die meinen, dass die Serie durch Trends am Leben gehalten werden könnte.

Zehntens, während die Serie versucht, tiefergehende Berufs- und Lebensfragen zu behandeln, zieht der Spiegel der Realität mit einer krassen Distanz vorbei. Vom Barbiersalon zu den großen Lebensfragen der Gesellschaft verzeichnet die Serie fatale Beaubelüftung.

Man könnte sagen, dass "Cuts" gut gemeint, aber schlecht gemacht ist. Ein Barbier mag zwar scherzhaft für all seine Schnitte gelobt werden, aber eine Fernsehserie dieser Qualität bleibt nur ein Torso des Potentials. Wäre Qualität hier Haare, wäre "Cuts" glatt die Glatze. Allerdings, wer auf seichte Unterhaltung aus ist, wird bei dieser Serie wohl fündig, ohne zu viele Fragen zu stellen.