ComicsAlliance: Warum es gescheitert ist

ComicsAlliance: Warum es gescheitert ist

ComicsAlliance, ein farbenfrohes Sammelbecken für Comics und Popkultur, ging 2017 still von der Bühne. Ein Ort, der polarisiert und oft politisch poltert.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

ComicsAlliance, das Portal für Comics und Popkultur, war ein farbenfroher Ort voller Meinungen, Analysen und Kontroversen, bis es sich im April 2017 leise in die virtuelle Nacht verabschiedete. Wenn Superhelden gemeinhin für Freiheit und Gerechtigkeit stehen, dann haben sich bei ComicsAlliance die Helden vielleicht in einen Kampf verwickelt, den sie nicht gewinnen konnten. Gegründet im Jahr 2007, bündelten Redakteure wie Laura Hudson und Andy Khouri anspruchsvolle Rezensionen, Neuigkeiten und soziale Kritiken – alles vor dem Hintergrund der populären Comiclandschaft. An ihrem glanzvollen Höhepunkt veröffentlichte die Plattform Beiträge, die vielen politisch aus dem Ruder liefen – zu großer Freude mancher Leser, jedoch zum Missfallen anderer. Was könnte eine digitale Bastion, die nationale und manchmal internationale Aufmerksamkeit erlangt hat, in die Knie gezwungen haben? Eine Frage, die sich der geneigte Beobachter stellen muss.

Zum einen könnte die starke politische Ausrichtung von ComicsAlliance einer der entscheidenden Faktoren gewesen sein, die zu ihrer Schließung führten. Während mediale Plattformen üblicherweise auch politische Ansichten ansprechen, hat ComicsAlliance dies auf eine Art und Weise angepackt, die manchmal weniger tolerant klang als die Geschichten, die sie besprachen. In einer Comic-Welt voller Superhelden mit unterschiedlichen Hintergründen und Moralvorstellungen wäre vielleicht etwas mehr Zurückhaltung ratsam gewesen.

Eine weitere Frage bleibt: War der Inhalt wirklich so universell ansprechend, wie er sein wollte? Sicherlich hatte ComicsAlliance seine Fans, die ihre Artikel verschlangen, aber bei genauer Betrachtung erfolgte die Wertschätzung in einer sehr spezifischen, und manchmal allzu lautstarken Blase. Wo waren die Highlights für echte Comic-Fans, die sich weniger für die Agenda und mehr für die Action interessieren?

Das Geld spielte auch eine Rolle. Der Kapitalismus mag seinen Preis fordern, jedoch wird mit Qualitätsjournalismus ein relativ teures Produkt geliefert. Fragen Sie sich doch einmal, warum es für ComicsAlliance nicht möglich war, sich am Leben zu halten, während andere Nischensites weiterhin blühen. Hätte der Inhalt irgendwann nicht mehr gefragt sein könnte oder war die finanzielle Strategie schlichtweg falsch? Vielleicht hätte eine stärkere Anbindung an traditionelle Werte oder weniger Experimentierfreudigkeit im Inhalt mehr zur Langlebigkeit beiträgt.

Schließlich gab es noch den sozialen Aspekt der Gleichgesinnten-Hörigkeit. Sich selbst widerzuspiegeln und Inhalte nur aus einer Echokammer heraus zu verbreiten ist immer ein Risiko. Es wäre wenig objektiv, den Einfluss der Community zu unterschätzen, die sich um die Plattform gebildet hatte: laut, oft heftig in der Meinung, aber dennoch sehr einseitig fokussiert. Wohin ist also all diese Energie geflossen, wenn nicht in die Bewältigung leergefegter Redaktionen und entstehender Plagiate von etwas, das die eingefärbten Gläser der Verfasser gesättigt hielt?

Nun, ComicsAlliance hat sich auch mit der Problematik der digitalen Welt konfrontiert gesehen: Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit verspäteter Millennials und digital native-Konsumenten, die in einem stets wachsendem Universum von massenproduzierten Inhalten gegessen werden. Es war ein tapferer Versuch, vielleicht sogar einer, der in seinem Aufsatz überstürzt war.

Letztlich bleibt ComicsAlliance mehr als eine Zeile im Wikipedia-Eintrag der Comicbewerbung. Gehuldigt sei es als eine Zeitschrift, mit dem Mut sich darauf zu konzentrieren, wofür es Frieden fand, und seien es auch kleine Niederlagen. Ebenso, sollten vielleicht in Zeiten einer kulturellen Metamorphose ein wenig nostalgisch anerkennen, dass ein Pointenumsatz nicht immer ausreicht, um die Phantasie zu befeuern, die damit verbunden ist.