Wenn Sie an einen Diplomaten denken, der keinen Blatt vor den Mund nimmt, dann kommt Ihnen wahrscheinlich nicht sofort Christoph Heusgen in den Sinn. Doch eins ist gewiss: Dieser Mann versteht es, für Aufsehen zu sorgen. Christoph Heusgen, der zwischen 2017 und 2021 als Deutschlands Vertreter bei den Vereinten Nationen diente, hat nicht nur die Bühne der internationalen Diplomatie genutzt, um seine unmissverständlichen Standpunkte zu vertreten, sondern auch, um Deutschlands Platz auf der globalen Landkarte zu stärken. Man mag von seinen Methoden halten, was man will, aber die Resultate sprechen für sich.
Heusgen begann seine Karriere im Auswärtigen Dienst 1980 und erarbeitete sich rasch einen Ruf als durchsetzungsstarker und strategisch denkender Diplomat. Als enger Berater von Angela Merkel von 2005 bis 2017 tat er alles dafür, Deutschlands Interessen in der EU und darüber hinaus zu fördern. Während dieser Zeit nahm er kein Blatt vor den Mund, wenn es darum ging, harte Entscheidungen zu treffen oder unpopuläre Meinungen zu äußern. Als er dann zu den Vereinten Nationen versetzt wurde, schwächte sich sein Eifer nicht ab.
In der UN setzte Heusgen sich vehement für eine Stärkung der Menschenrechte ein und forderte lauthals Reformen, die mehr als überfällig waren. Seine deutlichen Worte richteten sich häufig an Länder, die gegen die Grundwerte der Menschheit verstoßen, wie Russland und China. Diese Länder mögen wirtschaftliche Goliaths sein, doch für Heusgen zählte eher die moralische Integrität als die Tatsache, wer das größere Bankkonto hat.
Natürlich ist es in der Welt der diplomatischen Schönfärberei kaum üblich, so direkt zu sprechen. Deshalb bekam Heusgen schnell den Spitznamen "Deutschlands John Bolton", und das nicht zufällig. Während andere um den heißen Brei herumreden, geht Heusgen direkt zum Kern der Sache und schert sich nicht darum, ob er damit jemandem auf die Füße tritt. Moral und Verantwortung stehen für ihn im Vordergrund, und das ist erfrischend in einer Welt, die häufig aus leeren Versprechen besteht.
Sein berüchtigter Schlagabtausch mit Sergey Lavrov, dem russischen Außenminister, ist ein Paradebeispiel für seinen diplomatischen Stil. Angesichts eines massiven Drucks, Russland nicht zu verärgern, tat Heusgen das genaue Gegenteil. Seine starke Kritik an Russlands Rolle in internationalen Konflikten zeigt, dass er sich nicht scheut, die Wahrheit zu sagen. Diese Haltung hat ihm den Respekt vieler eingebracht, die genug von der ständigen Abwiegelung haben, um der Diplomatie willen.
Doch Heusgen beschränkt sich nicht nur auf Rhetorik. Er vertritt die Meinung, dass Deutschland mehr Verantwortung in der globalen Politik übernehmen muss. Er prangert die wachsende Abhängigkeit von Ländern außerhalb des Westens an und fordert eine stärkere deutsch-zentrierte Außenpolitik. Deutsche Stärke und Stabilität stehen für ihn im Mittelpunkt, und er macht keinen Hehl daraus, dass er der Meinung ist, dass Deutschland nicht länger der verlängerter Arm der USA sein sollte, sondern seine eigenen Interessen verteidigen muss.
Das Auftreten von Heusgen mag dem liberalen Lager ein Dorn im Auge sein, doch gerade das macht ihn so bedeutend. Er versteht es, Punkte zu machen und seine Überzeugungen mit Nachdruck zu vertreten, ohne sich der globalen Sprachregelung anzupassen. In einer Zeit, in der politische Korrektheit allgegenwärtig ist, brauchen wir mehr Männer wie Christoph Heusgen – mutig, geradlinig und bereit, auch unpopuläre Meinungen lautstark zu vertreten. Das ist die Diplomatie der Zukunft, die wir alle nötig haben.