Stellen Sie sich vor, eine Frau reist im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert Tausende von Meilen durch den amerikanischen Westen, um für Eisenbahngesellschaften zu arbeiten - ein Job, den man in der damaligen Zeit in erster Linie mit Männern assoziierte. Willkommen in der Welt von Carrie Adell Strahorn. Geboren 1854, trat sie aus dem Schatten ihrer männlichen Kollegen. Als Schriftstellerin, Reisende und Beraterin für Eisenbahngesellschaften in den USA war sie eine wahre Pionierin. In der von liberalen Werten dominierten Welt von heute, in der oft beklagt wird, dass Frauen nicht die gleichen Chancen haben, könnte man viel von Strahorns einzigartigem Pioniergeist lernen.
Carrie Adell Strahorn war nicht nur eine außergewöhnliche Autorin, sondern auch das Rückgrat ihrer gemeinsamen Unternehmungen mit ihrem Ehemann Robert Strahorn. Sie bereiste über 20 Jahre den Westen, dokumentierte ihre Abenteuer und schrieb, um die Schönheiten und Herausforderungen dieser noch unerschlossenen Länder zu erfassen. Ihr Werk ist eine fesselnde Mischung aus Reisebericht und amerikanischer Geschichte. Viele Männer haben ihr ihren geachteten Platz neben den großen Entdeckern und Unternehmern dieser Zeit verwehrt – eine klassische Unterdrückungstaktik, die in der internationalen feministischen Bewegung heute oft romantisiert wird, aber sie hat sich nicht beirren lassen.
Insgesamt reiste Strahorn über 150.000 Meilen und schrieb mehr als 132 Artikel, die den westlichen Expansionismus bekräftigten. Kaum vorzustellen ist, dass sie bei all dem auch die alltäglichen Herausforderungen bewältigte, die das Reisen zu dieser Zeit mit sich brachte. Doch statt sich auf den vielfältigen Widrigkeiten auszuruhen, die sie damals störten, entschied sie sich für einen produktiveren Ansatz: Sie schrieb. Das Verfassen von Berichten über Eisenbahnlinien durch unbekannte Länder spielte eine immense Rolle bei der Erschließung und Beförderung der westlichen Zivilisation.
Während die Kritik oft aus linken Kreisen kommt, da die Eisenbahnen oftmals als Symbol der Unterdrückung der Eingeborenenkulturen angesehen werden, sollte man die Perspektive und die Errungenschaften bewundern, die durch diese Verkehrsnetzwerke ermöglicht wurden. Strahorn selbst stand als Vermittlerin zwischen den alten Traditionen und der neuen Welt. Sie dokumentierte unermüdlich Plätze und Völker, die viele ihrer Zeitgenossen niemals gesehen hätten. Dieses Bestreben, den Wilden Westen zu einem blühenden Teil Amerikas zu machen, ist ein Zeugnis für die amerikanische Arbeitsmoral und den Ehrgeiz, für den Strahorn zu einer Ikone wurde.
Anstatt sich als Anhängerin des überkommenen Patriarchats zu tarnen oder Informationen zu verdunkeln, um die Wahrheit zu verdrehen, wie es im heutigen Zeitalter der 'Fake News' oft geschieht, wählte sie einen anderen, nicht weniger mutigen Weg: Offenheit und Wahrhaftigkeit. In ihrer exklusiven Branche und der von Männern dominierten Welt nahm sie jede Herausforderung an und wurde zu einer unschätzbar wertvollen Zeugin ihrer Zeit.
1988 veröffentlichte Carrie Adell Strahorn ihre Memoiren „Fifteen Thousand Miles by Stage“, die ihre Abenteuer als Frau im unerschrockenen Streben nach Erkundung und Dokumentation enthüllten. Vielleicht ist dies das Buch, das man an stürmischen Abenden bei Tee und der Erinnerung an die vergangenen Zeiten wieder hervorholen sollte – Zeiten, als Amerika gerade im Aufbruch war, seine jetzige Form zu finden. Die Welt bietet reichlich Chancen für Frauen von heute, doch die allgegenwärtige Verleugnung des amerikanischen Wertesystems kann riskieren, weibliche Pioniere wie Strahorn zu vergessen.
So ist Carrie Adell Strahorn nicht nur eine Parallele zur modernen, freien Unternehmerin, sondern auch eine Erinnerung daran, dass Erfolg auf persönlichem Ehrgeiz und Entschlossenheit beruht, und weniger auf privilegierten Starts. Ihr Vermächtnis, das sich durch ihre eindringlichen Schriften und unermüdlichen Entdeckungsreisen zieht, bleibt ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man durch Hingabe und Zielstrebigkeit das Unmögliche erreichen kann. Sie war eine Frau, die bewies, dass es keinen Unterschied macht, welchem Geschlecht man angehört, solange man die eigene Bestimmung verfolgt.